Übergeordnet

Das Farbgedächtnis

Wenn ein Mensch an Alzheimer erkrankt, dann ist das Farbegedächtnis das letzte, was ihm bleiben wird. Also, folgerten wulf architekten, muss die Farbe beim Neubau des Deutschen Zentrums für neurodegenerative Erkrankungen in Bonn eine besondere Rolle spielen und machten sie zum Vermittler in einem Haus, das mehr kann als reine Funktion, weil es von allen so gewollt war.

Grün- und Orangetöne bestimmen die Ansichten dieses Gebäudes, blenden es ein in den lichten Kiefernwald. Doch der ist hier keineswegs nur Kulisse, die bewegte Figur greift in ihn hinein, provoziert die Überlagerung des Menschengemachten mit dem Gewachsenen von jedem Standpunkt aus, innen wie außen. Dabei möchte sich hier niemand verstecken, im Gegenteil: das Deutsche Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen, kurz das DZNE ist ein Vorzeigeprojekt, das öffentliche Wahrnehmung sucht. In Deutschland sind gegenwärtig mehr als 1,5 Millionen Menschen an Demenz erkrankt, jedes Jahr kommen weitere 300.000 dazu, was sie neben Krebs und Diabetes zu einer der sechs großen Volkskrankheiten macht. Allein die große Zahl der Patienten mit neurodegenerativen Erkrankungen macht die Erforschung der Ursachen und die Suche nach neuen Therapien zu einer politisch und gesellschaftlich relevanten Aufgabe. Darauf reagierte die Bundesregierung, als sie 2009 das DZNE mit neun Standorten gründete. Nach einigen Jahren mit provisorischer Unterbringung hat das Bonner DZNE im Sommer 2016 sein neues Forschungs- und Laborgebäude auf dem Gelände der Universitätsklinik bezogen, das abseits der Innenstadt auf dem Venusberg liegt. Der große Campus wurde in den letzten Jahrzehnten erheblich nachverdichtet, doch erst bei den jüngsten Bauten sieht man zaghafte Versuche die großen Volumen zu gestalten. Und wenn es nicht dieses perfekte Mimiky wäre, das dieses Gebäude schon auf den ersten Blick so besonders macht, müsste man sagen, das DZNE falle auf.

Ordnung und Unterordnung

2012 gewannen wulf architekten auch mit dieser Haltung den Generalplanerwettbewerb für den Neubau des Forschungszentrums. Die geforderten 35.000 qm BGF verteilten sie den Nutzungen entsprechend auf drei Baukörper. Wie zufällig geworfene Kiesel liegen die nun zwischen den hohen Kiefern. Sie überschneiden sich nicht, sondern sind mit zylindrischen Bauteilen verbunden, die eine gewisse Beweglichkeit der Gruppe suggerieren. Ohne die Symmetrie des einzelnen zu stören reagieren die Baukörper aufeinander mit wandernden Farbfeldern – doch auch hier ist die Bewegung nur ein Bild. Fast jedenfalls, denn die meisten der insgesamt 2403 farbig bedruckten Glaslamellen reagieren mit ihrer Ausrichtung auf den Sonnenstand. Besucher wie Mitarbeiter betreten das DZNE über das helle, großzügig dimensionierte Atrium, das sich in der Querachse des Eingangsgebäudes erstreckt. Überraschend ist hier, wie viel Raum und Öffnung diesem Empfang tatsächlich gewidmet wurde, kaum ist man eingetreten, sieht man sich – überspitzt gesagt – schon wieder im Wald. Alles andere nimmt sich zurück, die Farben, hier nur Weiß und Schwarz, die Formen schnörkellos, die Wege direkt. Auch die zentral platzierte Treppe verstellt nichts, weil es den Architekten, Bauherren und Bauaufsicht gelungen ist, die Vorschriften für den Krankenhausbau an dieser Stelle so zu dehnen, dass auf Setzstufen verzichtet werden konnte. Doch es ist nicht nur dieses Detail, das vergessen macht, dass hier Land und Bund gebaut haben, sondern die Konsequenz mit der jeder angefangene Gedanke – im Zeit- und Kostenrahmen – zu Ende geführt wurde.

 

Transparenz und Diskretion

Im Erdgeschoss des Eingangsgebäudes flankieren die zentralen Einrichtungen, rechts die Cafeteria, links der Hörsaal, das Atrium. Um Höhe zu gewinnen, senkt sich der Hörsaal Richtung Bühne ins Erdreich ab, noch mehr Raum schaffen Kuppeln, die zwischen den Deckenträgern platziert wurden, und schlucken dabei nicht nur den Schall, sondern auch Technik. Die hölzernen Tische, der Boden und die Einbauten setzen hier wie überall, wo die Räume dem Aufenthalt dienen, dem Sachlichen etwas Natürliches entgegen. Die Büros der rund 100 Verwaltungsmitarbeiter und des Vorstandes, sowie eine kleine Zahl Patientenzimmer der klinischen Forschungseinheit befinden sich in den drei Obergeschossen. Ein Tunnel im ersten UG verbindet das DZNE mit dem benachbarten Zentrum für Neurologie, Psychiatrie und Psychosomatik und ermöglicht den Patienten von dort einen direkten Zugang zu den hier liegenden MRT-Untersuchungsräumen. Daneben, sowie im zweiten UG sind sämtliche Anlagen der Haustechnik verborgen, damit die Dächer frei bleiben können.

In dem größten Baukörper, dem zentral gelegenen Forschungsgebäude, liegen auf vier Etagen entlang einer außermittig platzierten weiten Erschließungsachse zur Linken die biomedizinischen Labore der Grundlagenforschung, zur Rechten die Büros der Forschungsgruppenleiter. Auf jeder Ebene sind es vier Laboreinheiten à 400 qm, von denen zwei und zwei zusammen geschlossen sind, dazwischen erschließt ein Gang das Präklinische Institut. Bis zu 17 Meter tief sind die Labore, die interne Anordnung der einzelnen Bereiche ist ihren zum Teil technisch hochgerüsteten Arbeitsbedingungen entsprechend gestaffelt, bietet den einzelnen Arbeitsgruppen aber dennoch maximale Flexibilität zur Untergliederung ihrer Arbeitsbereiche. Während die Computerarbeitsplätze direkt am Fenster sind, verdichtet sich das Maß an erforderlicher technischer Ausstattung ins Gebäudeinnere. Es wird lauter, technischer, die Sicherheitsvorschriften strenger, doch immer geht der Blick noch nach draußen, durch die farbigen Lamellen der Fassade in die Kronen der Bäume und erinnert die, die sich im Maßstab ihres Arbeit verloren haben, wieder an die Welt da draußen. Dass die Forschung nicht nur im Labor stattfindet, sondern genauso gut in der Teeküche oder auf dem Flur, haben die Architekten bereits in der Planung berücksichtigt und bieten den rund 400 Wissenschaftlern an vielen Stellen im Gebäudekomplex Möglichkeiten zur informellen Kommunikation. Auch in den Gelenken zwischen den Baukörpern, wo es in kleinen blauen Nischen ganz unerwartet wohnlich wird.

 

Filter und Schleusen

Tobias Wulf wollte aus dem Laborbau architektonisch mehr als das Übliche heraus zu holen, um mehr zu planen als als einen reinen Zweckbau. Auch bei einem so schwierigen Bereich wie dem Präklinischen Institut, das als letztes Glied der Kette an die lange Ostflanke des Forschungsgebäudes angedockt ist. Die Arbeit hier erfordert hohe hygienische Standards, ein großes Maß an Sicherheit und gehört zu den Bereichen, die von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen werden sollen. Doch von Außen sind alle Baukörper gleich, es gibt keine Hierarchie durch Gestaltung.

Das klar verglaste Erdgeschoss bildet mit fast schwarzer Aluminium Pfosten-Riegel-Fassade den Sockel des Gebäudes, bliebe man beim Bild der Bäume, wäre es der lichte Bereich zwischen den Stämmen. Ein- und Ausblicke sind überall gewünscht, Räume, die mehr Diskretion benötigen, legten die Architekten auf die dem Wald zugewandte Seite. Wo Transparenz wegen technischer Einbauten nicht möglich war, wurde der Sockel mit einem dunklen Anstrich fortgeführt. Auch wenn das Gebäude über seine Farbigkeit die Anpassung an die Umgebung sucht, bleiben die Etagen durch die Reihen der geschosshohen Glaslamellen lesbar. Jeder der farbigen Lamellen bestehen aus zwei zu Verbundsicherheitsglas verschweißten Scheiben. Eine davon ist zuerst farbig, dann schwarz mit einem feinen Lochmuster bedruckt, die zweite mit einer Sonnenschutzschicht bedampft worden. Die feine Lochung filtert das Tageslicht, währen die schwarze Rückseite verhindert, dass bunte Reflexionen für Irritation auf den Arbeitstischen sorgen würde. Doch die automatisch gesteuerten Fassadenelemente sind nicht nur Dekor, sie ermöglicht zu allen Tages- und Jahreszeiten eine optimale Ausnutzung des Tageslichts. Und dies ist nur ein Aspekt der nachhaltigen und ressourcenschonenden Planung, die dazu führen wird, dass das DZNE als erstes Laborgebäude die Gold-Zertifizierung nach dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude BNB erhalten wird.

Schrift und Farbe

Auch bei der Orientierung im Gebäude spielt Farbe wieder eine Rolle. Das von Andreas Uebele entwickelte Leitsystem, das jedem Gebäudeteil einen eigenen Blau-, Violett- oder Grünton zuweist, wurde als 400fache Vergrößerung eines Pinselstrichs des Künstlers Harald F. Müller mit Airbrush direkt auf die Wände in Atrien und Fluren gesprüht. Diese so groß und kraftvoll erscheinenden Bewegungen, die jedoch mit unheimlicher Präzision übertragen wurden, scheinen über die Architektur hinweg zu gehen als handle es sich um ein Modell und die Laune eines Künstlers. Und wieder steht die Farbe hier für das letzte bisschen Erinnern, das dem Alzheimer-Patienten bleibt. Ein erstes Indiz auf die Krankheit lässt sich in der Veränderung einer Handschrift erkennen, was Uebele den Anstoß gab, sämtliche Beschriftungen von Hand mit einem Pinsel auf die Wände zu schreiben. Sehr direkt und sehr menschlich ist das und nicht zuletzt ein schöner Hinweis darauf, dass in diesem Gebäude der Mensch die Technik im Griff hat.

 

Uta Winterhager

 

 

Erschienen in Bauwelt 12|2017

 

Kölner Perspektiven

Schon wieder ein neues Buch über das Bauen in Köln, das mag für Erstaunen sorgen, denn hier liegen frisch erschienen die „Kölner Perspektiven“. Auf 160 Seiten stellen das Baudezernat und das Haus der Architektur Köln als Herausgeber mit mir als Autorin all jene Projekte vor, mit denen die großen Fragen des Planens und Bauens, des Wohnen und Arbeitens, von Natur, Kultur und Mobilität beantwortet werden sollen. Und damit präsentiert das Buch den Stand des Frühjahrs 2016, in dem die Ufertreppe sich bereits eine knappe Saison etablieren konnte, in dem auf Clouth grade die ersten Bewohner eingezogen sind und in dem mit Spannung verfolgt werden kann, wer die von Christ und Gantenbein geplante Erweiterung des Wallraf-Richartz-Museums bauen wird. Es erscheint als eine Momentaufnahme einer bewegten Zeit, in der vieles gleichzeitig passiert während anderes vielleicht zu stagnieren scheint. Diese Stadt ist nicht fertig, sie wird es auch nicht sein, wenn alles gebaut und bezogen ist, was in den Kölner Perspektiven noch als Visualisierung erscheint.

 

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Foto: Costa Belibasakis für Stadt Köln

Wachsen und Wandeln

Doch Wachstum und Wandel wollen gelenkt sein – wie das aus seiner Sicht geschehen kann, wie Köln die Phasen des Wachsens in der Vergangenheit immer wieder klug genutzt hat, aber auch, dass wir das Wachstum erst (mühsam) wieder erlernen müssen, erläutert Baudezernent Franz-Josef Höing in seinem einleitenden Essay „Köln kann wachsen“. Es gehe um größere, vielleicht sogar um große Pläne für Köln und um ihre schrittweise Umsetzung. Jedes der in diesem Buch vorgestellten Projekte ist demgemäß als einer dieser vielen Schritte zu betrachten, doch nicht nur ihre Summe – ja, es wird ein langer Marsch werden – jeder einzelne ist es wert, genauer betrachtet und gerne auch diskutiert zu werden. Denn auch dazu möchten die Kölner Perspektiven nicht nur die Fachleute, die es täglich tun, sondern jeden, der bereit ist, sich mit seiner gebauten Umwelt auseinander zu setzen, anhalten, zu diskutieren, sich einzubringen, Teil dieser Bewegung zu werden. So bieten die drei Stadtgespräche mit denen Christl, Drey als Vorsitzende des hdak von der anderen Seite auf die Projekte, Pläne und Visionen schaut, dazu zahlreiche Beispiele wie der Architekturdiskurs in Köln auch gerne mal auf der Straße ausgetragen wird.

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Von Innen und Außen betrachtet

Unter den Überschriften „Städtebau“, „Architektur“ und „Öffentlicher Raum“ ist das Buch in drei gleich gewichtete Kapitel gegliedert. Einleitend liest man dort jeweils ein Interview mit lokalen Akteuren: Franz-Josef Höing und die Leiterin des Stadtplanungsamtes Anne Luise Müller diskutieren über die Möglichkeiten der Stadt (ganz konkret, es geht um Köln) sich neu zu erfinden, Kathrin Möller (GAG) und Martin Frysch (Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft Köln Sülz) sprachen über den Wohnungsbau und waren sich einig, „die Architektur muss gut sein“. Und Beatrice Bülter (Kölner Grün Stiftung) und Joachim Bauer (Stellv. Leiter des Grünflächenamtes) kamen in ihrem Gespräch über die Kölner Grünräume zu der These, dass das Grün heute als Gemeingut verstanden wird.

 

Interessant ist auch der Blick von außen, nicht von ganz weit weg, sondern der von Planern und Architekten, die Köln kennen, aber von ihrem Wohn- und Arbeitsort in Dortmund oder Berlin und somit mit etwas Distanz auf die Stadt am Rhein schauen. Kunibert Wachten schrieb den Gastkommentar zum Städtebau, worin er verspricht, dass Kraftanstrengungen und Tabubrüche sich lohnen werden. Arno Brandlhuber klärt die Standard-Frage und macht Köln Mut beim Wohnen und Arbeiten mehr zu experimentieren, wobei er hier auf die Projekte seiner Kölner Jahre (das Wohn-und Atelierhaus am Kölner Brett sowie die Schreinerei und das Dentallabor in Riehl) verweist, wo er dies bereits praktizierte. Andreas Denk schreibt in seinem Essay „Am gedeckten Tisch“ ein Plädoyer für die Notwendigkeit des öffentlichen Raumes.

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Ist denn alles gut und schön?

Die Auswahl der Projekte oblag den Herausgebern, Subjektivität ist hier also Programm, und sie zeigt einmal mehr, wie groß die Bandbreite der Aufgabenstellungen ist, mit der sich auch die städtische Verwaltung auseinandersetzen muss. Da gibt es die großen Konversionsflächen, die Häfen, die Parkstadt Süd oder die ehemaligen Industrieareale in und um Ehrenfeld, aber auch die Notwendigkeit, den auf dem Roncalliplatz nicht mehr länger geduldeten Skatern einen adäquaten Ersatz zu bieten. Und das KAP686 ist inzwischen durchaus zum Vorzeigeprojekt geworden, genau wie der Familienpark unter der Zoobrücke. Kleine Flächen, die Lust machen auch an anderer Stelle und im großen Maßstab mutig zu denken, ob es nun ein ganzes Quartier oder nur ein kleiner Platz im Schatten des Domes wird.

Auch bei den Kulturbauten wird es interessant, einige der Projekte sind den Kölnern schon seit Jahren vertraut, weil sie es doch immer wieder in die Schlagzeilen der Lokalpresse geschafft haben. Doch es geht weiter mit der Oper, der Archäologischen Zone und auch mit dem Historischen Archiv, das – so der aktuelle Planungsstand – nun ein Geschoss niedriger wird als der Wettbewerbsentwurf von 2011. Und es gibt auch Neues, Wettbewerbe, die im Laufe des letzten Jahres entschieden wurden, wie der für die Hochschule für Musik und Tanz, der für die Generalsanierung des WDR Filmhauses oder die Heliosschule, zeigen sehr lebendig und facettenreich, wie das Köln von morgen heute gedacht wird. Bestimmt ist nicht alles, das in diesem Buch vorgestellt wird, jetzt schon zuende gedacht, Wettbewerbsentscheide wie der für die Neubebauung des Rudolfplatzes oder das Areal der Deutschen Welle wollen dringlich noch diskutiert werden, aber auch hier hilft das Buch, indem es anregt und informiert.

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Foto: Frederik Lezmi für Stadt Köln

Fast könnte man heute schon mit dem nächsten Band anfangen, denn das Planen und Bauen, das Spekulieren und Visionieren geht jeden Tag weiter, rechtsrheinisch und linksrheinisch, im Zentrum wie am Rand. Irgendwie doch ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass wir so schnell nicht fertig werden …

 

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Umschlagfoto: Thilo Schmülgen für Stadt Köln

Die „Kölner Perspektiven Städtebau – Architektur – Öffentlicher Raum“ wurden herausgegeben vom Dezernat Stadtentwicklung, Planen, Bauen und Verkehr der Stadt Köln mit dem Haus der Architektur Köln, Texte von Uta Winterhager u. a.

Das Buch ist im Jovis Verlag  erschienen und dort wie auch im Buchhandel für 29.95 € im Buchhandel erhältlich.

 

 

Sophie & Hans, Richard, Gustav und du!

Der Weg durch das das Arp Museum Bahnhof Rolandseck ist einzigartig, überraschend und – ja, auch ein bisschen verwirrend. Doch dieses Buch wird dich sicher durch die Tunnel und Schächte, in das Bergwerk und auf den Berg führen.

Es erklärt dir die Architektur von Richard Meier und plötzlich ist Weiß nicht mehr Weiß. Es stellt dir Sophie Taeuber-Arp vor und spielt ein bisschen Theater. Es macht dich mit Hans Arp und seinem Nabel bekannt. Es führt dich in Gustav Raus Schatzkammer und weckt deine Sammelleidenschaft. Und wenn du denkst, du hast alles gesehen, lässt es dich am Fenster noch einmal staunen!

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Ab 15. November 2015 im Arp Musuem Bahnhof Rolandseck erhältlich: „Sophie & Hans, Richard, Gustav & du!“ © Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Uta Winterhager 2015

Immer mehr Museen kümmern sich intensiv darum, die Kinder ins Museum zu holen, bieten Workshops, Kinderführungen oder wie das Museum Ludwig sogar einen eigens eingerichtetes ART LAB an. Auch das Arp Museum Bahnhof Rolandseck bietet ein vielfältiges Programm an, das die Kinder, inspiriert von Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp, aber auch von den Themen der Jahresausstellungen, basteln, bauen, drucken, collagieren, zeichnen aber auch dada-dichten lässt. Schon länger wünschte sich Annette Krapp, die derzeitige Leiterin der Kunstvermittlung, einen Kinderführer für das Museum, fand Unterstützung bei Museumsdirektor Oliver Kornhoff und konnte die notwendigen Mittel zur Umsetzung akquirieren.

Auch bei mir stieß sie auf große Begeisterung, nicht, weil ich denke, dass Kinder notwendigerweise alle ihre Nachmittage und Wochenenden im Museum verbringen sollten, sondern weil es um das Arp Museum ging, bei dem sich die natürliche Abwehrreaktion der Kinder gegen elterlich verordnetes Kulturprogramm spätestens im zweiten Tunnel vollkommen verflüchtigt hat und von großer Entdeckerfreude abgelöst wird. Man muss die Kinder also kaum mehr überreden – das Museum selbst, Architektur und Kunst sind überzeugend genug. Den Kuchen-mit-Aussicht auf der wunderbaren Terrasse des historischen Bahnhofs haben sich sowieso alle verdient.

Auf 64 Seiten entdecken nun „Sophie & Hans, Richard, Gustav und du!“ das Museum. Mit den Hauspatronen Sophie Taeuber-Arp und Hans Arp, dem Architekten Richard Meier und dem Sammler Gustav Rau sind wir per Du und widmen jedem von ihnen ein Kapitel.

 

Abbildung aus „Sophie & Hans, Richard, Gustav & du!“ © Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Uta Winterhager 2015

 

 

Richard Meier hat das Museum gebaut

Bahnhof, Bergwerk, Burg – so lässt sich die Idee des Museums aufs Kürzeste zusammenfassen. Doch der Weg vom Bahnhof bis oben auf den Berg ist voller Überraschungen: Tunnel, Treppen, Schächten, eine Schatzkammer, eine Stimme aus dem Nichts, ein Drachenbaby spielt vor dem Fenster und an der Decke leuchtet die Schlange Kaa. Dieser architektonische Spaziergang, der vor die Kunst noch einen wunderbaren Ausblick über das Rheintal stellt, ist kein Zirkus, nicht animiert und vollkommen analog. Die einzigen beiden Knöpfe, die es hier zu drücken gibt, sind die des Aufzugs – vielleicht ist es das, was den Besuch so überzeugend macht. Wie Richard das Museum entworfen hat, erklärt der Kinderführer, wie man von unten nach oben kommt und warum alles Weiß ist. Er bietet aber auch Platz für die Dokumentation des eigenen Architekturspaziergangs – wer sagt denn, dass jeder unterwegs das gleiche sieht? – und einen Schnittplan für eine kleine Meierei, das winzigste Museum der Welt.

 

Abbildung aus „Sophie & Hans, Richard, Gustav & du!“ © Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Uta Winterhager 2015

 

 

Sophie Taeuber-Arp ließ die Punkte tanzen

Sophie hat soviel gemacht, sie hat gewebt, gestickt, gezeichnet, gemalt, genäht, Kostüme und Bühnenbilder entworfen und auch getanzt. Hier taucht zwar auch mal so ein Begriffe auf wie „geometrische Abstraktion“ und „konkrete Kunst“, um ihr Schaffen zu beschreiben, aber wer weiß, wo man damit noch einmal irgendwann punkten kann. Hier tauchen dann auch noch zwei weitere Protagonisten auf, König Hirsch und der Papagei, die nicht nur den Kinderführer bespielen, sondern als Hampelmänner das Kinderzimmer schmücken können. Viele der Zeichenspiele und Basteleien können und sollen sogar vor Ort im Museum gemacht werden. Benötigtes Material, Schere, Stifte, Kleber kann man an der Kasse ausleihen.

 

Abbildung aus „Sophie & Hans, Richard, Gustav & du!“ © Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Uta Winterhager 2015

 

 

Hans Arp spielte mit Worten und Bildern

Auch das Werk von Hans ist unglaublich vielfältig, erschließt sich jedoch mit seiner Dada-Logik den Kindern manchmal schneller als den Eltern. Wichtigstes Utensil, da Schlüssel zu seinem Werk ist hier der Nabel. Als Nabelmonokel in verschiedenen Größen zum Ausschneiden im Buch, als Wort oder kleine Skulptur. Auch hier wieder zeigen wir keine Angst vor schwierigen Worten und wagen uns an „Konstellationen“ und „Metamorphosen“. Und dann etwas, das vor allem die Lektorin schockierte: Die Zufalls-Zerrupf- und-Verschmier-Collage. Was bei Hans als Unglück wegen eines undichten Daches begann, wird hier zur Aufgabe. Schmiere die Seite im Buch voll mit Kleister und lasse die Schnipsel einer alten Zeichnung ganz zufällig darauf fallen. Wenn sie zufällig nicht schön gelandet sind, kannst du (denn das hat Hans auch gemacht) noch richtig schön zufällig hinschieben. Wenn du das Buch zuklappst, bevor der Kleister trocken ist, gibt es sogar noch eine vollkommen zufällige Sandwich-Collage, denn die Seiten gehen nie wieder freiwillig auseinander.

 

Abbildung aus „Sophie & Hans, Richard, Gustav & du!“ © Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Uta Winterhager 2015

 

 

Sophie, Hans und ihre Freunde

Kunst zu machen war für das Künstlerpaar Arp kein nine-to-five-Job, egal was sie machten, ihre Kunst und ihr Leben waren eins. Es gibt Duo-Arbeiten der beiden, aber auch viele sehr kuriose Fotos und Produkte von Zeichenspielen, an denen ihre Freunde (man kennt sie: Tristan Tzara, Hugo Ball, Max Ernst u.a.) beteiligt waren. Zu sehen sind die Ergebnisse im Museum, im Kinderführer ist alles zum Nachmachen und Ausprobieren vorbereitet.

 

Abbildung aus „Sophie & Hans, Richard, Gustav & du!“ © Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Uta Winterhager 2015

 

Gustav Rau sammelte Kunst und half Kindern

Und plötzlich stand die Frage im Raum, ob wir denn Gustav Rau einfach so beim Vornamen nennen dürfen. Gestellt hatte sie eine Dame bei Unicef, der wir das Manuskript vor der Veröffentlichung vorgelegt hatten. Ob das nicht ein wenig respektlos sei, denn immerhin habe Dr. Dr. Gustav Rau dem Kinderhilfswerk eine einzigartige Kunstsammlung hinterlassen, damit in seinem Sinne auch nach seinem Tod Kindern in Not geholfen werden könne? Das ließ sich dann doch schnell klären, denn Gustav wird wie alle anderen Personen im Kinderführer mit einem Steckbrief in angemessener Form vorgestellt. Und ebenso seine einzigartige Sammlung, die der Kinderarzt mit großer Fachkenntnis und ebenso großer Leidenschaft angelegt hat, und die nun in der Kunstkammer Rau in wechselnden thematisch ganz unterschiedlichen Ausstellungen präsentiert wird. Und weil alle Kinder naturgegeben Sammler sind, finden sie im Buch eine Anleitung, wie sie eine eigene Sammlung (von Muscheln, Nabeln oder Milchstraßentränen) fast professionell anlegen können.

 

Das AAH! und OOH! am Fenster

Aus dem Dunkel des Aufzugsschachts nach oben katapultiert, muss man einfach am Fenster stehen und entweder Aah! oder Ooh! oder vielleicht sogar beides machen. Die Rheinromantik, die dem Museum die bestmögliche Kulisse bietet, ist hier erstaunlich wild und unverbaut. So dass man irgendwie immer darauf wartet, dass die Loreley ihr Lied anstimmt, Ritter Roland seine Hildegard aus dem Kloster Nonnenwerth befreit oder der Drache aus seiner Höhle am gegenüberliegenden Drachenfels nicht wenigstens ein kleines Feuerchen spuckt. Irgendwie passt es alles, die großen Fenster des Museums und die Geschichte des Ortes, die mit dem Bahnhof begann, der damals noch in dicke Schwaden der Dampfloks gehüllt, bei Künstlern, Dichtern, Musikern und Malern sowie den wohlhabenden Kölner als attraktives Reiseziel galt.

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Abbildung aus „Sophie & Hans, Richard, Gustav & du!“ © Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Uta Winterhager 2015

 

Am Sonntag, dem 15. Dezember 2015 wird „Sophie & Hans, Richard, Gustav und du!“ bei dem Familienfest im Arp Museum Bahnhof Rolandseck,  das im Rahmen des Kinder-Lesefestes Käp’n Book  stattfindet, vorgestellt. Wer Lust hat, kann dann zwischen 11 und 17 Uhr mit mir Sachen aus dem Buch ausprobieren und sich Autorenlesungen anhören. Auch dafür ist das Museum ein wunderbare Bühne – und, da Familienfest ist, ist der Eintritt kostenlos.

 

Der Kinderführer ist ab 15. November 2015 für 9,80 € im Shop des Arp Museums Bahnhof Rolandseck erhältlich.

Zwischen Himmel und Erde

Grabeskirche Liebfrauen Dortmund

Ein Kolumbarium muss kein Taubenschlag sein, das zeigt Volker Staab mit einem bronzenen Urnengräberfeld in der Grabeskirche Liebfrauen Dortmund. Wer diesen Raum betritt möchte glauben, dass das Leben im Tod nicht genommen, sondern gewandelt wird.

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Kein Zufall. Taubenrelief über dem Portal der Liebfrauenkirche in Dortmund. Foto: Mathias Bigge

Die Geschichte der Dortmunder Liebfrauenkirche ist eine von vielen im Revier: Ende des 19 Jahrhunderts erbaut, als Katholizismus und Industrie prosperierten, wurde sie im 2. Weltkrieg größtenteils zerstört und von der Gemeinde wieder aufgebaut. Heute steht der neogotische Ziegelbau des Wiener Architekten Friedrich von Schmidt dicht umbaut und umfangreich saniert im innerstädtischen Klinikviertel. Kein Bauschaden kann die Existenz einer Kirche so massiv gefährden wie der Entzug ihrer Funktion, dafür gibt es aus den Nachbarstädten genügend traurige Beispiele. Bis 2008 war die Zahl der Gemeindemitglieder in Dortmund soweit zurückgegangen, dass die wenigen Verbliebenen der benachbarten Propsteigemeinde angegliedert wurden. Um das Gotteshaus aber dennoch zu bewahren, wollte der Katholische Gemeindeverband Östliches Ruhrgebiet es weiterhin selbst nutzen. Nicht als Kirche ohne Gemeinde, sondern als christliche Urnengrabstätte, Bestattungsort für Katholiken wie Protestanten gleichermaßen. Ein eher ungewöhnliches Unterfangen, war doch den Katholiken die Kremation bis 1963 gänzlich verboten. Inzwischen sind mehr als die Hälfte aller Beisetzungen in deutschen Großstädten Feuerbestattungen und der Wunsch nach einem christlichen Rahmen aus Ort und Liturgie ist stetig gewachsen. Diesen mitten in der Stadt, in der Liebfrauenkirche zu schaffen ist ein mutiger Schritt in einer Gesellschaft, die den Gedanken an den Tod zunehmend aus dem Alltag verdrängt. Da es bis heute nur erlaubt ist, Päpste, Bischöfe oder Kardinäle in einer Kirche zu beerdigen, musste der Bau vor der Umnutzung zur Grabeskirche profaniert werden.

Dass auch die Gestaltung eine erhebliche Rolle für die Akzeptanz der neuen Nutzung spielen würde, hat der Katholische Gemeindeverband frühzeitig erkannt und 2008 einen Wettbewerb ausgelobt. In Deutschland gab es zu der Zeit zwei gebaute Beispiele, die Grabeskirche St. Josef Aachen (Hahn Helten + Assoziierte, 2006) und das Kolumbarium in der Allerheiligenkirche Erfurt (Evelyn Körber, 2007). In beiden Fällen wurde die Grundidee des Kolumbariums, eine Wand wie ein Taubenschlag, in übermannshohe Stelen aufgelöst. Der Gesamteindruck der Stelen ist in beiden Fällen sehr dicht und skulptural, die schmalen Zwischenräume haben zwar eine durchaus intime Wirkung, doch die Kirchenräume verlieren an Offenheit und Weite.

Schweres Dunkel für Trauer und Gedenken

Nach dem Dortmunder Wettbewerb wurden die beiden ersten Preisträger beauftragt, Volker Staab (Berlin) mit der Realisierung der Urnengrabstätten und die Künstler Lutzenberger + Lutzenberger (Bad Wörishofen) mit der Gestaltung der Prinzipalstücke für den Chorraum, in dem die Trauerfeiern abgehalten werden.

Staab Architekten nutzten die Weite des gesamten Kirchenraumes und verzichteten auf Höhe, sie entwarfen ein rechteckiges Gräberfeld auf dem scharfkantige Blöcke aus dunkler Bronze in rechtwinkliger Symmetrie um die acht Pfeiler der Stufenhalle mäandrieren. Das Bild ist streng und geerdet, und da die bronzenen Einbauten nicht höher sind als die Rückenlehen üblicher Kirchenbänke sind, bleibt die Weite des Raums erhalten. Die Bodennähe der Einbauten weckt Assoziationen an ein Gräberfeld und nimmt der Urnenstätte ihre Fremdheit.

Zweieinhalb Jahre nach der Eröffnung sind etwa 100 Grabstätten belegt, wie die Kerzen und Blumen und die quadratischen Abdeckplatten auf den Bronzeblöcken verraten. Kein Detail, keine Gliederung gibt etwas von Inhalt oder Konstruktion der Einbauten preis, fast nahtlos werden sie eins mit der bronzenen Bodenplatte. Die Urnen darin sind geborgen und geschützt – für die Angehörigen ein Aspekt von großer Bedeutung. Während der Beisetzung werden die Urnen von oben in die Kammern abgesenkt, ein Ritual, das dem Niederlassen des Sarges bei der Erdbestattung sehr ähnlich ist. Verschlossen werden die Urnengräber mit einer gegossenen Bronzeplatte, die nach den Wünschen der Angehörigen gestaltet werden kann. Dabei sind Typographie und Schriftgröße vorgegeben, es können jedoch individuelle Bildmotive, z. B. auch einem Foto des Verstorbenen verwendet werden. Zu jeder Grabplatte gehören außerdem ein Opferlichthalter, ein Kerzenhalter und eine Blumenvase aus Bronze, die an den Rand der Grabplatte gesteckt werden können. Ursprünglich war es so – und offiziell ist es so noch immer– dass darüber hinausgehende Dekorationen, ebenso wie Kunstblumen, auf den Grabstellen nicht erlaubt sind. Doch niemand brachte es über das Herz, die überzähligen Sträuße, Engelchen oder Kinderbasteleien abzuräumen. Auch hat die Erfahrung gezeigt, dass der Wunsch die Grabstätte mit persönlichen Dingen zu schmücken, Teil des Trauerprozesses ist und mit der Zeit abnimmt. In die Urnengrabblöcke sind an mehreren Stellen gepolsterte Sitzbänke eingelassen, welche es den Angehörigen ermöglichen, den Verstorbenen auch physisch nah zu sein. 20 Jahre währt die Nutzungs- bzw. Ruhezeit der Urnengrabstätten, danach wird die Totenasche von einem Priester in die „Letzte Ruhestätte“ überführt. Sehen kann man davon nur ein geschlitztes Kreuz in der Mitte bronzenen Gräberfeldbodens, darunter verbirgt sich ein zum Erdreich offener Aschebrunnen.

Lichte Weite für Glaube und Hoffnung

Die gegensätzliche Wirkung der Materialien, schwere, dunkle Bronze an den Grabstätten und helle kanadische Eiche in lockerer Schichtung für Boden, Einbauten und Mobiliar im Chorraum, verstärkt die funktionale Gliederung des Kirchenraumes. Hier setzt auch die Lichtplanung (Licht Kunst Licht) an, vom Eingang aus betrachtet liegt hinter dem dunklen Gräberfeld der hell erleuchtete Chorraum. Die Gewölbe der Mittel- und Seitenschiffe werden mit diffusem Licht gleichmäßig ausgeleuchtet, um die gesamte Raumhöhe wirken zu lassen. Im Urnenfeld ist es grade so dunkel, dass die Flammen der Kerzen auf den Gräbern als Lichtpunkte leuchten. Die Mischung aus Kunst- und Tageslicht wirkt ausgesprochen warm, besonders reizvoll ist es, wenn die durch die bunten Fenster einfallenden Sonnenstrahlen ein flimmerndes Lichterspiel auf dem Gräberfeld erzeugen.

Nicht zuletzt sollte die neue Nutzung des Kirchenraumes auch wirtschaftlich dazu beitragen, das Gebäude zu erhalten. Die Urnengrabstätten, von denen es derzeit etwa 4.800 gibt, werden in drei Preisstufen angeboten, Wahlgrabstätten für zwei Urnen kosten 7.000 €, Reihengrabstätten 3.000 € und ein Platz in der Gemeinschaftsgrabstätte in der Josefskapelle 1.600 €. Im rechten Seitenschiff befindet sich die „Grabstätte für Unbedachte“, eine bronzene Wandscheibe in deren Nischen die Asche obdach- und mittelloser Menschen beigesetzt wird. Auch ihre Grabstätten bekommen hier ein Namensschild, die Kosten übernimmt der Träger. Damit die Grabeskirche sich rechnet, braucht man einen langen Atem, sagt ihre Verwaltung, doch das Interesse nicht nur an den Grabstätten, sondern an der gesamten Institution sei enorm, wie die über 100 Führungen im letzten Jahr gezeigt haben.

An einem Dienstagmorgen im Februar ist die Kirche eiskalt, doch immer wieder kommen Menschen – und bleiben. Sie bringen Blumen mit, tauschen Kerzen aus und sprechen miteinander. Oft kommt es dazu, dass sich Einsame und Trauernde hier gegenseitig Trost spenden. Denn die Grabeskirche bietet neben der Schwere des Todes auch Allegorien für das Leben und den christlichen Glauben. Es nicht nur das Licht, dessen Wirkung man sich kaum entziehen kann, sondern auch die stille Größe des scheinbar unberührten sakralen Raumes.

 

Uta Winterhager

 

 

Aus db deutsche bauzeitung 4.2013 Trauer braucht Raum

Architekten: staab architekten, Berlin

Standort: Grabeskirche Liebfrauen Dortmund, Amalienstraße 21a 44137 Dortmund