Uta Winterhager

Eins von 25 – Die schönsten Bücher 2016

Die Stiftung Buchkunst kürte die 25 »Schönsten deutschen Bücher« 2016 und unser Architekturführer KÖLN ist dabei. Wir freuen uns außerodertlich und feiern mit den großgestalten, durch die dieses Buch zu einem so auszeichnungswürdigen Schmuckstückchen geworden ist.
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Foto: Jazek Poralla, großgestalten

Im Wettbewerb der »Schönsten deutschen Bücher« wählten zwei Expertenjurys in einem aufwändigen Verfahren die 25 »Schönsten deutschen Bücher« aus. Im Jubiläumsjahr der Stiftung Buchkunst, die 2016 ihren 50. Geburtstag feiert, wurden 788 Titel eingesandt. In jeder der fünf Kategorien »Allgemeine Literatur«, »Fachbücher, Wissenschaftliche Bücher, Sachbücher, Schulbücher«, »Ratgeber«, »Kunstbücher, Fotobücher, Ausstellungskataloge« und »Kinderbücher, Jugendbücher« gibt es fünf Preisträger. Die 25 »Schönsten deutschen Bücher« sind vorbildlich in Gestaltung, Konzeption und Verarbeitung und zeigen eine große Bandbreite gestalterischer und herstellerischer Möglichkeiten. Die Auswahl berücksichtigt auch das leisere, solide gemachte Lesebuch. Die prämierten Bücher setzen Zeichen und zeigen wichtige Trends und Strömungen der deutschen Buchproduktion.

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Die fünf Schönsten der Kategorie „Ratgeber“ Foto: Copyright Uwe Dettmar, Frankfurt am Main

Die wunderbare Begründung der Jury:

Köln. Architektur. Ohne Dom und romanische Kirchen geht es normalerweise ja nicht. Dennoch: Köln ist eine Stadt des zwanzigsten Jahrhunderts und eine Stadt von heute – genau darum geht es in diesem kompakten Architekturführer. Kompakt erscheint er von außen: Der dreiseitige Farbschnitt verleiht dem stattlichen Umfang in griffigem Format auch optisches Gewicht. Er hat dieselbe Farbe wie die Schmuckfläche des Kartonumschlages. Kein Betongrau, kein Wappenrot – sondern ein gräuliches Grün, ein Stück Köln sozusagen, denn es zitiert die für die Stadt so bedeutenden modernen Brückenbauwerke über den Rhein.

Im Inneren ringt die Gestaltung dem handlichen Format maximale Großzügigkeit ab. Üppige Wirkung entfaltet sich aus minimalistischer Stringenz heraus. Die Schrift ist auf einen einzigen Schriftschnitt beschränkt – den fetten einer sehr geometrischen Serifenlosen mit markanten Ziffern. Für die Differenzierung der Textsorten genügen drei Schriftgrade. Die grüngraue Schmuckfarbe dient der Schriftauszeichnung, Kapitelgliederung und den Übersichtsplänen. Die winzigen Grundrisse oder Schnitte gewinnen Prägnanz, indem sie negativ gestellt sind – sehr ungewöhnlich, aber absolut dienlich.

Linke Seite Text, rechte Seite ein großes Bild mit konstanter Breite, ohne gestalterische Tricks und exotische Innovationen – so selbstverständlich und selbsterklärend sind die Teile aufeinander bezogen, dass das Buch in letzter Konsequenz auf Seitenzahlen verzichtet. Das schwarze Lesebändchen ist auch ein Zeichen besonderer Würde – fast wie bei einem Gebetbuch. Auch das passt zu Köln.

Und vielleicht dringt sogar ein Schuss kölsch-patriotischer Zentrismus durch das originelle Zielscheiben-Ö der monumentalen Titelzeile.

 

…und die nächste Etappe

Der mit 10.000 Euro dotierte »Preis der Stiftung Buchkunst« wird am 8. September 2016 im Rahmen der großen Preisverleihung in Frankfurt am Main bekannt gegeben. Er wird von einer dritten Jury aus den 25 »Schönsten deutschen Büchern« ausgewählt.

Seit 1966 begleitet die Stiftung Buchkunst mit Sitz in Frankfurt am Main und Leipzig kritisch die deutsche Buchproduktion. Ziel ist, die Qualität des Buches in technischer und künstlerischer Hinsicht zu fördern. Die Hauptaufgabe der Stiftung ist der Wettbewerb »Schönste deutsche Bücher«. Mit ihren Wettbewerben will die Stiftung Buchkunst den Blick der Öffentlichkeit über den Inhalt hinaus auf buchgestalterische und buchherstellerische Spitzenleistungen lenken und damit dem Medium Buch und seiner Form zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen. Zur Teilnahme zugelassen sind Bücher aus deutschen Verlagen, sowie Bücher aus ausländischen Verlagen, sofern die technische Produktion ausschließlich in Deutschland erfolgte.

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Die 25 Schönsten der Kategorie „Ratgeber“ Foto: Copyright Uwe Dettmar, Frankfurt am Main

Kölner Perspektiven

Schon wieder ein neues Buch über das Bauen in Köln, das mag für Erstaunen sorgen, denn hier liegen frisch erschienen die „Kölner Perspektiven“. Auf 160 Seiten stellen das Baudezernat und das Haus der Architektur Köln als Herausgeber mit mir als Autorin all jene Projekte vor, mit denen die großen Fragen des Planens und Bauens, des Wohnen und Arbeitens, von Natur, Kultur und Mobilität beantwortet werden sollen. Und damit präsentiert das Buch den Stand des Frühjahrs 2016, in dem die Ufertreppe sich bereits eine knappe Saison etablieren konnte, in dem auf Clouth grade die ersten Bewohner eingezogen sind und in dem mit Spannung verfolgt werden kann, wer die von Christ und Gantenbein geplante Erweiterung des Wallraf-Richartz-Museums bauen wird. Es erscheint als eine Momentaufnahme einer bewegten Zeit, in der vieles gleichzeitig passiert während anderes vielleicht zu stagnieren scheint. Diese Stadt ist nicht fertig, sie wird es auch nicht sein, wenn alles gebaut und bezogen ist, was in den Kölner Perspektiven noch als Visualisierung erscheint.

 

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Foto: Costa Belibasakis für Stadt Köln

Wachsen und Wandeln

Doch Wachstum und Wandel wollen gelenkt sein – wie das aus seiner Sicht geschehen kann, wie Köln die Phasen des Wachsens in der Vergangenheit immer wieder klug genutzt hat, aber auch, dass wir das Wachstum erst (mühsam) wieder erlernen müssen, erläutert Baudezernent Franz-Josef Höing in seinem einleitenden Essay „Köln kann wachsen“. Es gehe um größere, vielleicht sogar um große Pläne für Köln und um ihre schrittweise Umsetzung. Jedes der in diesem Buch vorgestellten Projekte ist demgemäß als einer dieser vielen Schritte zu betrachten, doch nicht nur ihre Summe – ja, es wird ein langer Marsch werden – jeder einzelne ist es wert, genauer betrachtet und gerne auch diskutiert zu werden. Denn auch dazu möchten die Kölner Perspektiven nicht nur die Fachleute, die es täglich tun, sondern jeden, der bereit ist, sich mit seiner gebauten Umwelt auseinander zu setzen, anhalten, zu diskutieren, sich einzubringen, Teil dieser Bewegung zu werden. So bieten die drei Stadtgespräche mit denen Christl, Drey als Vorsitzende des hdak von der anderen Seite auf die Projekte, Pläne und Visionen schaut, dazu zahlreiche Beispiele wie der Architekturdiskurs in Köln auch gerne mal auf der Straße ausgetragen wird.

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Von Innen und Außen betrachtet

Unter den Überschriften „Städtebau“, „Architektur“ und „Öffentlicher Raum“ ist das Buch in drei gleich gewichtete Kapitel gegliedert. Einleitend liest man dort jeweils ein Interview mit lokalen Akteuren: Franz-Josef Höing und die Leiterin des Stadtplanungsamtes Anne Luise Müller diskutieren über die Möglichkeiten der Stadt (ganz konkret, es geht um Köln) sich neu zu erfinden, Kathrin Möller (GAG) und Martin Frysch (Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft Köln Sülz) sprachen über den Wohnungsbau und waren sich einig, „die Architektur muss gut sein“. Und Beatrice Bülter (Kölner Grün Stiftung) und Joachim Bauer (Stellv. Leiter des Grünflächenamtes) kamen in ihrem Gespräch über die Kölner Grünräume zu der These, dass das Grün heute als Gemeingut verstanden wird.

 

Interessant ist auch der Blick von außen, nicht von ganz weit weg, sondern der von Planern und Architekten, die Köln kennen, aber von ihrem Wohn- und Arbeitsort in Dortmund oder Berlin und somit mit etwas Distanz auf die Stadt am Rhein schauen. Kunibert Wachten schrieb den Gastkommentar zum Städtebau, worin er verspricht, dass Kraftanstrengungen und Tabubrüche sich lohnen werden. Arno Brandlhuber klärt die Standard-Frage und macht Köln Mut beim Wohnen und Arbeiten mehr zu experimentieren, wobei er hier auf die Projekte seiner Kölner Jahre (das Wohn-und Atelierhaus am Kölner Brett sowie die Schreinerei und das Dentallabor in Riehl) verweist, wo er dies bereits praktizierte. Andreas Denk schreibt in seinem Essay „Am gedeckten Tisch“ ein Plädoyer für die Notwendigkeit des öffentlichen Raumes.

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Ist denn alles gut und schön?

Die Auswahl der Projekte oblag den Herausgebern, Subjektivität ist hier also Programm, und sie zeigt einmal mehr, wie groß die Bandbreite der Aufgabenstellungen ist, mit der sich auch die städtische Verwaltung auseinandersetzen muss. Da gibt es die großen Konversionsflächen, die Häfen, die Parkstadt Süd oder die ehemaligen Industrieareale in und um Ehrenfeld, aber auch die Notwendigkeit, den auf dem Roncalliplatz nicht mehr länger geduldeten Skatern einen adäquaten Ersatz zu bieten. Und das KAP686 ist inzwischen durchaus zum Vorzeigeprojekt geworden, genau wie der Familienpark unter der Zoobrücke. Kleine Flächen, die Lust machen auch an anderer Stelle und im großen Maßstab mutig zu denken, ob es nun ein ganzes Quartier oder nur ein kleiner Platz im Schatten des Domes wird.

Auch bei den Kulturbauten wird es interessant, einige der Projekte sind den Kölnern schon seit Jahren vertraut, weil sie es doch immer wieder in die Schlagzeilen der Lokalpresse geschafft haben. Doch es geht weiter mit der Oper, der Archäologischen Zone und auch mit dem Historischen Archiv, das – so der aktuelle Planungsstand – nun ein Geschoss niedriger wird als der Wettbewerbsentwurf von 2011. Und es gibt auch Neues, Wettbewerbe, die im Laufe des letzten Jahres entschieden wurden, wie der für die Hochschule für Musik und Tanz, der für die Generalsanierung des WDR Filmhauses oder die Heliosschule, zeigen sehr lebendig und facettenreich, wie das Köln von morgen heute gedacht wird. Bestimmt ist nicht alles, das in diesem Buch vorgestellt wird, jetzt schon zuende gedacht, Wettbewerbsentscheide wie der für die Neubebauung des Rudolfplatzes oder das Areal der Deutschen Welle wollen dringlich noch diskutiert werden, aber auch hier hilft das Buch, indem es anregt und informiert.

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Foto: Frederik Lezmi für Stadt Köln

Fast könnte man heute schon mit dem nächsten Band anfangen, denn das Planen und Bauen, das Spekulieren und Visionieren geht jeden Tag weiter, rechtsrheinisch und linksrheinisch, im Zentrum wie am Rand. Irgendwie doch ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass wir so schnell nicht fertig werden …

 

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Umschlagfoto: Thilo Schmülgen für Stadt Köln

Die „Kölner Perspektiven Städtebau – Architektur – Öffentlicher Raum“ wurden herausgegeben vom Dezernat Stadtentwicklung, Planen, Bauen und Verkehr der Stadt Köln mit dem Haus der Architektur Köln, Texte von Uta Winterhager u. a.

Das Buch ist im Jovis Verlag  erschienen und dort wie auch im Buchhandel für 29.95 € im Buchhandel erhältlich.

 

 

Sophie & Hans, Richard, Gustav und du!

Der Weg durch das das Arp Museum Bahnhof Rolandseck ist einzigartig, überraschend und – ja, auch ein bisschen verwirrend. Doch dieses Buch wird dich sicher durch die Tunnel und Schächte, in das Bergwerk und auf den Berg führen.

Es erklärt dir die Architektur von Richard Meier und plötzlich ist Weiß nicht mehr Weiß. Es stellt dir Sophie Taeuber-Arp vor und spielt ein bisschen Theater. Es macht dich mit Hans Arp und seinem Nabel bekannt. Es führt dich in Gustav Raus Schatzkammer und weckt deine Sammelleidenschaft. Und wenn du denkst, du hast alles gesehen, lässt es dich am Fenster noch einmal staunen!

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Ab 15. November 2015 im Arp Musuem Bahnhof Rolandseck erhältlich: „Sophie & Hans, Richard, Gustav & du!“ © Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Uta Winterhager 2015

Immer mehr Museen kümmern sich intensiv darum, die Kinder ins Museum zu holen, bieten Workshops, Kinderführungen oder wie das Museum Ludwig sogar einen eigens eingerichtetes ART LAB an. Auch das Arp Museum Bahnhof Rolandseck bietet ein vielfältiges Programm an, das die Kinder, inspiriert von Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp, aber auch von den Themen der Jahresausstellungen, basteln, bauen, drucken, collagieren, zeichnen aber auch dada-dichten lässt. Schon länger wünschte sich Annette Krapp, die derzeitige Leiterin der Kunstvermittlung, einen Kinderführer für das Museum, fand Unterstützung bei Museumsdirektor Oliver Kornhoff und konnte die notwendigen Mittel zur Umsetzung akquirieren.

Auch bei mir stieß sie auf große Begeisterung, nicht, weil ich denke, dass Kinder notwendigerweise alle ihre Nachmittage und Wochenenden im Museum verbringen sollten, sondern weil es um das Arp Museum ging, bei dem sich die natürliche Abwehrreaktion der Kinder gegen elterlich verordnetes Kulturprogramm spätestens im zweiten Tunnel vollkommen verflüchtigt hat und von großer Entdeckerfreude abgelöst wird. Man muss die Kinder also kaum mehr überreden – das Museum selbst, Architektur und Kunst sind überzeugend genug. Den Kuchen-mit-Aussicht auf der wunderbaren Terrasse des historischen Bahnhofs haben sich sowieso alle verdient.

Auf 64 Seiten entdecken nun „Sophie & Hans, Richard, Gustav und du!“ das Museum. Mit den Hauspatronen Sophie Taeuber-Arp und Hans Arp, dem Architekten Richard Meier und dem Sammler Gustav Rau sind wir per Du und widmen jedem von ihnen ein Kapitel.

 

Abbildung aus „Sophie & Hans, Richard, Gustav & du!“ © Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Uta Winterhager 2015

 

 

Richard Meier hat das Museum gebaut

Bahnhof, Bergwerk, Burg – so lässt sich die Idee des Museums aufs Kürzeste zusammenfassen. Doch der Weg vom Bahnhof bis oben auf den Berg ist voller Überraschungen: Tunnel, Treppen, Schächten, eine Schatzkammer, eine Stimme aus dem Nichts, ein Drachenbaby spielt vor dem Fenster und an der Decke leuchtet die Schlange Kaa. Dieser architektonische Spaziergang, der vor die Kunst noch einen wunderbaren Ausblick über das Rheintal stellt, ist kein Zirkus, nicht animiert und vollkommen analog. Die einzigen beiden Knöpfe, die es hier zu drücken gibt, sind die des Aufzugs – vielleicht ist es das, was den Besuch so überzeugend macht. Wie Richard das Museum entworfen hat, erklärt der Kinderführer, wie man von unten nach oben kommt und warum alles Weiß ist. Er bietet aber auch Platz für die Dokumentation des eigenen Architekturspaziergangs – wer sagt denn, dass jeder unterwegs das gleiche sieht? – und einen Schnittplan für eine kleine Meierei, das winzigste Museum der Welt.

 

Abbildung aus „Sophie & Hans, Richard, Gustav & du!“ © Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Uta Winterhager 2015

 

 

Sophie Taeuber-Arp ließ die Punkte tanzen

Sophie hat soviel gemacht, sie hat gewebt, gestickt, gezeichnet, gemalt, genäht, Kostüme und Bühnenbilder entworfen und auch getanzt. Hier taucht zwar auch mal so ein Begriffe auf wie „geometrische Abstraktion“ und „konkrete Kunst“, um ihr Schaffen zu beschreiben, aber wer weiß, wo man damit noch einmal irgendwann punkten kann. Hier tauchen dann auch noch zwei weitere Protagonisten auf, König Hirsch und der Papagei, die nicht nur den Kinderführer bespielen, sondern als Hampelmänner das Kinderzimmer schmücken können. Viele der Zeichenspiele und Basteleien können und sollen sogar vor Ort im Museum gemacht werden. Benötigtes Material, Schere, Stifte, Kleber kann man an der Kasse ausleihen.

 

Abbildung aus „Sophie & Hans, Richard, Gustav & du!“ © Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Uta Winterhager 2015

 

 

Hans Arp spielte mit Worten und Bildern

Auch das Werk von Hans ist unglaublich vielfältig, erschließt sich jedoch mit seiner Dada-Logik den Kindern manchmal schneller als den Eltern. Wichtigstes Utensil, da Schlüssel zu seinem Werk ist hier der Nabel. Als Nabelmonokel in verschiedenen Größen zum Ausschneiden im Buch, als Wort oder kleine Skulptur. Auch hier wieder zeigen wir keine Angst vor schwierigen Worten und wagen uns an „Konstellationen“ und „Metamorphosen“. Und dann etwas, das vor allem die Lektorin schockierte: Die Zufalls-Zerrupf- und-Verschmier-Collage. Was bei Hans als Unglück wegen eines undichten Daches begann, wird hier zur Aufgabe. Schmiere die Seite im Buch voll mit Kleister und lasse die Schnipsel einer alten Zeichnung ganz zufällig darauf fallen. Wenn sie zufällig nicht schön gelandet sind, kannst du (denn das hat Hans auch gemacht) noch richtig schön zufällig hinschieben. Wenn du das Buch zuklappst, bevor der Kleister trocken ist, gibt es sogar noch eine vollkommen zufällige Sandwich-Collage, denn die Seiten gehen nie wieder freiwillig auseinander.

 

Abbildung aus „Sophie & Hans, Richard, Gustav & du!“ © Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Uta Winterhager 2015

 

 

Sophie, Hans und ihre Freunde

Kunst zu machen war für das Künstlerpaar Arp kein nine-to-five-Job, egal was sie machten, ihre Kunst und ihr Leben waren eins. Es gibt Duo-Arbeiten der beiden, aber auch viele sehr kuriose Fotos und Produkte von Zeichenspielen, an denen ihre Freunde (man kennt sie: Tristan Tzara, Hugo Ball, Max Ernst u.a.) beteiligt waren. Zu sehen sind die Ergebnisse im Museum, im Kinderführer ist alles zum Nachmachen und Ausprobieren vorbereitet.

 

Abbildung aus „Sophie & Hans, Richard, Gustav & du!“ © Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Uta Winterhager 2015

 

Gustav Rau sammelte Kunst und half Kindern

Und plötzlich stand die Frage im Raum, ob wir denn Gustav Rau einfach so beim Vornamen nennen dürfen. Gestellt hatte sie eine Dame bei Unicef, der wir das Manuskript vor der Veröffentlichung vorgelegt hatten. Ob das nicht ein wenig respektlos sei, denn immerhin habe Dr. Dr. Gustav Rau dem Kinderhilfswerk eine einzigartige Kunstsammlung hinterlassen, damit in seinem Sinne auch nach seinem Tod Kindern in Not geholfen werden könne? Das ließ sich dann doch schnell klären, denn Gustav wird wie alle anderen Personen im Kinderführer mit einem Steckbrief in angemessener Form vorgestellt. Und ebenso seine einzigartige Sammlung, die der Kinderarzt mit großer Fachkenntnis und ebenso großer Leidenschaft angelegt hat, und die nun in der Kunstkammer Rau in wechselnden thematisch ganz unterschiedlichen Ausstellungen präsentiert wird. Und weil alle Kinder naturgegeben Sammler sind, finden sie im Buch eine Anleitung, wie sie eine eigene Sammlung (von Muscheln, Nabeln oder Milchstraßentränen) fast professionell anlegen können.

 

Das AAH! und OOH! am Fenster

Aus dem Dunkel des Aufzugsschachts nach oben katapultiert, muss man einfach am Fenster stehen und entweder Aah! oder Ooh! oder vielleicht sogar beides machen. Die Rheinromantik, die dem Museum die bestmögliche Kulisse bietet, ist hier erstaunlich wild und unverbaut. So dass man irgendwie immer darauf wartet, dass die Loreley ihr Lied anstimmt, Ritter Roland seine Hildegard aus dem Kloster Nonnenwerth befreit oder der Drache aus seiner Höhle am gegenüberliegenden Drachenfels nicht wenigstens ein kleines Feuerchen spuckt. Irgendwie passt es alles, die großen Fenster des Museums und die Geschichte des Ortes, die mit dem Bahnhof begann, der damals noch in dicke Schwaden der Dampfloks gehüllt, bei Künstlern, Dichtern, Musikern und Malern sowie den wohlhabenden Kölner als attraktives Reiseziel galt.

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Abbildung aus „Sophie & Hans, Richard, Gustav & du!“ © Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Uta Winterhager 2015

 

Am Sonntag, dem 15. Dezember 2015 wird „Sophie & Hans, Richard, Gustav und du!“ bei dem Familienfest im Arp Museum Bahnhof Rolandseck,  das im Rahmen des Kinder-Lesefestes Käp’n Book  stattfindet, vorgestellt. Wer Lust hat, kann dann zwischen 11 und 17 Uhr mit mir Sachen aus dem Buch ausprobieren und sich Autorenlesungen anhören. Auch dafür ist das Museum ein wunderbare Bühne – und, da Familienfest ist, ist der Eintritt kostenlos.

 

Der Kinderführer ist ab 15. November 2015 für 9,80 € im Shop des Arp Museums Bahnhof Rolandseck erhältlich.