Das Farbgedächtnis

Wenn ein Mensch an Alzheimer erkrankt, dann ist das Farbegedächtnis das letzte, was ihm bleiben wird. Also, folgerten wulf architekten, muss die Farbe beim Neubau des Deutschen Zentrums für neurodegenerative Erkrankungen in Bonn eine besondere Rolle spielen und machten sie zum Vermittler in einem Haus, das mehr kann als reine Funktion, weil es von allen so gewollt war.

Grün- und Orangetöne bestimmen die Ansichten dieses Gebäudes, blenden es ein in den lichten Kiefernwald. Doch der ist hier keineswegs nur Kulisse, die bewegte Figur greift in ihn hinein, provoziert die Überlagerung des Menschengemachten mit dem Gewachsenen von jedem Standpunkt aus, innen wie außen. Dabei möchte sich hier niemand verstecken, im Gegenteil: das Deutsche Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen, kurz das DZNE ist ein Vorzeigeprojekt, das öffentliche Wahrnehmung sucht. In Deutschland sind gegenwärtig mehr als 1,5 Millionen Menschen an Demenz erkrankt, jedes Jahr kommen weitere 300.000 dazu, was sie neben Krebs und Diabetes zu einer der sechs großen Volkskrankheiten macht. Allein die große Zahl der Patienten mit neurodegenerativen Erkrankungen macht die Erforschung der Ursachen und die Suche nach neuen Therapien zu einer politisch und gesellschaftlich relevanten Aufgabe. Darauf reagierte die Bundesregierung, als sie 2009 das DZNE mit neun Standorten gründete. Nach einigen Jahren mit provisorischer Unterbringung hat das Bonner DZNE im Sommer 2016 sein neues Forschungs- und Laborgebäude auf dem Gelände der Universitätsklinik bezogen, das abseits der Innenstadt auf dem Venusberg liegt. Der große Campus wurde in den letzten Jahrzehnten erheblich nachverdichtet, doch erst bei den jüngsten Bauten sieht man zaghafte Versuche die großen Volumen zu gestalten. Und wenn es nicht dieses perfekte Mimiky wäre, das dieses Gebäude schon auf den ersten Blick so besonders macht, müsste man sagen, das DZNE falle auf.

Ordnung und Unterordnung

2012 gewannen wulf architekten auch mit dieser Haltung den Generalplanerwettbewerb für den Neubau des Forschungszentrums. Die geforderten 35.000 qm BGF verteilten sie den Nutzungen entsprechend auf drei Baukörper. Wie zufällig geworfene Kiesel liegen die nun zwischen den hohen Kiefern. Sie überschneiden sich nicht, sondern sind mit zylindrischen Bauteilen verbunden, die eine gewisse Beweglichkeit der Gruppe suggerieren. Ohne die Symmetrie des einzelnen zu stören reagieren die Baukörper aufeinander mit wandernden Farbfeldern – doch auch hier ist die Bewegung nur ein Bild. Fast jedenfalls, denn die meisten der insgesamt 2403 farbig bedruckten Glaslamellen reagieren mit ihrer Ausrichtung auf den Sonnenstand. Besucher wie Mitarbeiter betreten das DZNE über das helle, großzügig dimensionierte Atrium, das sich in der Querachse des Eingangsgebäudes erstreckt. Überraschend ist hier, wie viel Raum und Öffnung diesem Empfang tatsächlich gewidmet wurde, kaum ist man eingetreten, sieht man sich – überspitzt gesagt – schon wieder im Wald. Alles andere nimmt sich zurück, die Farben, hier nur Weiß und Schwarz, die Formen schnörkellos, die Wege direkt. Auch die zentral platzierte Treppe verstellt nichts, weil es den Architekten, Bauherren und Bauaufsicht gelungen ist, die Vorschriften für den Krankenhausbau an dieser Stelle so zu dehnen, dass auf Setzstufen verzichtet werden konnte. Doch es ist nicht nur dieses Detail, das vergessen macht, dass hier Land und Bund gebaut haben, sondern die Konsequenz mit der jeder angefangene Gedanke – im Zeit- und Kostenrahmen – zu Ende geführt wurde.

 

Transparenz und Diskretion

Im Erdgeschoss des Eingangsgebäudes flankieren die zentralen Einrichtungen, rechts die Cafeteria, links der Hörsaal, das Atrium. Um Höhe zu gewinnen, senkt sich der Hörsaal Richtung Bühne ins Erdreich ab, noch mehr Raum schaffen Kuppeln, die zwischen den Deckenträgern platziert wurden, und schlucken dabei nicht nur den Schall, sondern auch Technik. Die hölzernen Tische, der Boden und die Einbauten setzen hier wie überall, wo die Räume dem Aufenthalt dienen, dem Sachlichen etwas Natürliches entgegen. Die Büros der rund 100 Verwaltungsmitarbeiter und des Vorstandes, sowie eine kleine Zahl Patientenzimmer der klinischen Forschungseinheit befinden sich in den drei Obergeschossen. Ein Tunnel im ersten UG verbindet das DZNE mit dem benachbarten Zentrum für Neurologie, Psychiatrie und Psychosomatik und ermöglicht den Patienten von dort einen direkten Zugang zu den hier liegenden MRT-Untersuchungsräumen. Daneben, sowie im zweiten UG sind sämtliche Anlagen der Haustechnik verborgen, damit die Dächer frei bleiben können.

In dem größten Baukörper, dem zentral gelegenen Forschungsgebäude, liegen auf vier Etagen entlang einer außermittig platzierten weiten Erschließungsachse zur Linken die biomedizinischen Labore der Grundlagenforschung, zur Rechten die Büros der Forschungsgruppenleiter. Auf jeder Ebene sind es vier Laboreinheiten à 400 qm, von denen zwei und zwei zusammen geschlossen sind, dazwischen erschließt ein Gang das Präklinische Institut. Bis zu 17 Meter tief sind die Labore, die interne Anordnung der einzelnen Bereiche ist ihren zum Teil technisch hochgerüsteten Arbeitsbedingungen entsprechend gestaffelt, bietet den einzelnen Arbeitsgruppen aber dennoch maximale Flexibilität zur Untergliederung ihrer Arbeitsbereiche. Während die Computerarbeitsplätze direkt am Fenster sind, verdichtet sich das Maß an erforderlicher technischer Ausstattung ins Gebäudeinnere. Es wird lauter, technischer, die Sicherheitsvorschriften strenger, doch immer geht der Blick noch nach draußen, durch die farbigen Lamellen der Fassade in die Kronen der Bäume und erinnert die, die sich im Maßstab ihres Arbeit verloren haben, wieder an die Welt da draußen. Dass die Forschung nicht nur im Labor stattfindet, sondern genauso gut in der Teeküche oder auf dem Flur, haben die Architekten bereits in der Planung berücksichtigt und bieten den rund 400 Wissenschaftlern an vielen Stellen im Gebäudekomplex Möglichkeiten zur informellen Kommunikation. Auch in den Gelenken zwischen den Baukörpern, wo es in kleinen blauen Nischen ganz unerwartet wohnlich wird.

 

Filter und Schleusen

Tobias Wulf wollte aus dem Laborbau architektonisch mehr als das Übliche heraus zu holen, um mehr zu planen als als einen reinen Zweckbau. Auch bei einem so schwierigen Bereich wie dem Präklinischen Institut, das als letztes Glied der Kette an die lange Ostflanke des Forschungsgebäudes angedockt ist. Die Arbeit hier erfordert hohe hygienische Standards, ein großes Maß an Sicherheit und gehört zu den Bereichen, die von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen werden sollen. Doch von Außen sind alle Baukörper gleich, es gibt keine Hierarchie durch Gestaltung.

Das klar verglaste Erdgeschoss bildet mit fast schwarzer Aluminium Pfosten-Riegel-Fassade den Sockel des Gebäudes, bliebe man beim Bild der Bäume, wäre es der lichte Bereich zwischen den Stämmen. Ein- und Ausblicke sind überall gewünscht, Räume, die mehr Diskretion benötigen, legten die Architekten auf die dem Wald zugewandte Seite. Wo Transparenz wegen technischer Einbauten nicht möglich war, wurde der Sockel mit einem dunklen Anstrich fortgeführt. Auch wenn das Gebäude über seine Farbigkeit die Anpassung an die Umgebung sucht, bleiben die Etagen durch die Reihen der geschosshohen Glaslamellen lesbar. Jeder der farbigen Lamellen bestehen aus zwei zu Verbundsicherheitsglas verschweißten Scheiben. Eine davon ist zuerst farbig, dann schwarz mit einem feinen Lochmuster bedruckt, die zweite mit einer Sonnenschutzschicht bedampft worden. Die feine Lochung filtert das Tageslicht, währen die schwarze Rückseite verhindert, dass bunte Reflexionen für Irritation auf den Arbeitstischen sorgen würde. Doch die automatisch gesteuerten Fassadenelemente sind nicht nur Dekor, sie ermöglicht zu allen Tages- und Jahreszeiten eine optimale Ausnutzung des Tageslichts. Und dies ist nur ein Aspekt der nachhaltigen und ressourcenschonenden Planung, die dazu führen wird, dass das DZNE als erstes Laborgebäude die Gold-Zertifizierung nach dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude BNB erhalten wird.

Schrift und Farbe

Auch bei der Orientierung im Gebäude spielt Farbe wieder eine Rolle. Das von Andreas Uebele entwickelte Leitsystem, das jedem Gebäudeteil einen eigenen Blau-, Violett- oder Grünton zuweist, wurde als 400fache Vergrößerung eines Pinselstrichs des Künstlers Harald F. Müller mit Airbrush direkt auf die Wände in Atrien und Fluren gesprüht. Diese so groß und kraftvoll erscheinenden Bewegungen, die jedoch mit unheimlicher Präzision übertragen wurden, scheinen über die Architektur hinweg zu gehen als handle es sich um ein Modell und die Laune eines Künstlers. Und wieder steht die Farbe hier für das letzte bisschen Erinnern, das dem Alzheimer-Patienten bleibt. Ein erstes Indiz auf die Krankheit lässt sich in der Veränderung einer Handschrift erkennen, was Uebele den Anstoß gab, sämtliche Beschriftungen von Hand mit einem Pinsel auf die Wände zu schreiben. Sehr direkt und sehr menschlich ist das und nicht zuletzt ein schöner Hinweis darauf, dass in diesem Gebäude der Mensch die Technik im Griff hat.

 

Uta Winterhager

 

 

Erschienen in Bauwelt 12|2017

 

Ein Leuchtturm des Glaubens

Montes Benedictus amabat – der heilige Benedikt liebte die Berge. Und dort gründete er seine Klöster, erhaben, mit Weitsicht und Gott ein Stück näher. Je nach landschaftlichen Gegebenheiten genügte denBenediktinern auch ein kleiner Berg wie der Michaelsberg, ein 40 Meter hoher Basalttuffkegel, der das geologische Ende des Rheinischen Berglandes markiert. Rund 800 Jahre lebten die Benediktiner in der von Erzbischof Anno gegründeten Abtei auf dem Michaelsberg. Ihr Wirken, ihr Aufstieg und Niedergang war eng verbunden der Stadt Siegburg, die zu ihren Füßen heranwuchs. Und es ist eine bewegte Geschichte, die auch an den Gebäuden der Abtei Spuren hinterlassen hat. Die auch heute noch weithin sichtbare, von der Kirche gekrönte barocke Anlage wurde nach dem Krieg aus Trümmern wieder aufgebaut. Zeitweilig wurde sie als Kaserne, Irrenanstalt und Zuchthaus, Lazarett und bis 2011 schließlich doch wieder als Kloster genutzt. Eines jedoch hat sich in all dieser Zeit nie verändert, die Abtei auf dem Michaelsberg ist ein eindrucksvolles Wahrzeichen mit einer Strahlkraft, die sich sämtliche Nutzer zu eigen gemacht haben.

 

Stadtsicht auf die Abteikirche © Foto: Uta Winterhager

 

Das geistige Zentrum auf dem Michaelsberg

Anfang 2017 wurde der langen Geschichte nun ein weiteres Kapitel hinzugefügt. In die sanierte und erweiterte Abtei zog im Februar das bis dahin in Bad Honnef ansässige Katholisch-Soziale Institut KSI mit rund 75 Mitarbeitern ein. Die 1947 von Kardinal Frings als „Stätte der Erwachsenen-Weiterbildung auf der Grundlage der katholischen Soziallehre“ gegründete Einrichtung des Erzbistums Köln wuchs in seinem Sinne weiter und empfängt inzwischen jedes Jahr auf etwa 400 Veranstaltungen rund 21.000 Besucher. Doch bis aus dem Kloster ein hochmodernes Tagungszentrum mit Hotel, Restaurant und Konferenzsälen wurde, sind fünf Jahre vergangen. 2012 hatte das Erzbistum Köln einen Architektenwettbewerb mit acht eingeladenen Teilnehmern ausgelobt, um für die Transformation des denkmalgeschützten Gebäudes einen angemessenen Entwurf zu finden. Preisträger des Wettbewerbs wurde das Kölner Büro msm meyer schmitz-morkramer, das nachfolgend auch mit der Umsetzung beauftragt wurde.

Überzeugen konnten die Architekten die Jury, die unter Vorsitz des Kölner Architekten Kaspar Kraemer getagt hat, mit einem strengen und schlichten Entwurf, der scheinbare Gegensätze wie Tradition und Fortschritt, Historie und Zukunft, Teilnahme und Rückzug verbindet und den Neubau so harmonisch in das Gesamtbild aus Landschaft und Baudenkmal einfügt, dass sich an der bekannten Silhouette der Abtei nichts ändert.

 

In die Höhe und in die Tiefe

Besucher sehen den Michaelsberg meist schon von Ferne aus dem flachen Umland aufragen, das letzte Stück des Weges führt aus der Siegburger Innenstadt direkt auf den neuen Vorplatz. Von hier aus betrachtet sitzt die imposante Abtei immer noch gut 17 Meter höher auf mächtigen mittelalterlichen Stützmauern. Sozusagen zu ihren Füßen steht nun zwar eigenständig, aber dennoch untergeordnet, der Neubau des Forums. Der Stadt wendet er seine schmale Kopfseite zu. Doch nicht nur mit dem Bild von Berg, Fels und Stein haben sich die Architekten intensiv auseinander gesetzt, sondern auch mit ihren speziellen Materialeigenschaften. Denn wer auf Fels baut, der baut zwar prinzipiell sicher, muss jedoch aufwendig gründen. 90 bis zu 15 Meter tiefe Bohrpfähle wurden parallel zum Westflügel der Abtei in den Fels eingelassen, um den Boden für den Neubau zu bereiten und den Bestand zu schützen. Davon sieht man heute natürlich nichts mehr. Und doch scheint der Neubau direkt aus dem Fels zu wachsen, seine Hülle aus hellgrau-sandfarbenem Wachenzeller Dolomit, der im Sockel zunächst eine rohe gespaltene, dann als Gebäudehülle eine glatte geschliffene Oberfläche zeigt, knüpft direkt an die Topografie des Ortes an, möchte kein Fremdkörper sein. Und so verschwinden auch die Autos der Mitarbeiter und Besucher in einer zweigeschossigen Garage im Sockel des Gebäudes, der Platz davor greift historische Elemente wie den Rosengarten in seiner Gestaltung auf.

Doch anders als der wehrhafte Sockel der Abtei öffnet sich die steinerne Basis des Neubaus mit einer wie ins Massiv eingeschnitten wirkenden Eingangshalle. Die letzten Höhenmeter dürfen die Besucher mit einer Fahrt im Glasaufzug überwinden, die – und so viel Schau ist an dieser Stelle durchaus gerechtfertigt – in einem ebenfalls gläsernen Pavillon endet und die Sicht auf die Stadt, bis nach Bonn und auf das Siebengebirge freigibt. Sehr deutlich haben msm die Fuge zwischen den beiden Baukörpern, dem neugebauten Forum und der historischen Abtei, die sie als respektvolle Distanz beschreiben inszeniert. Die Trennung zwischen Alt und Neu bleibt scharf, überwunden wird sie an nur zwei Stellen mit schmalen, verglasten Brücken.

 

Das Miteinander inszeniert

Das KSI begrüßt seine Besucher nach dieser dramatischen Hinführung schließlich in einem großzügigen zweigeschossigen Atrium mit offenem Treppenhaus in der Abtei. Dieser Empfangsbereich, der auch als Lobby und Treffpunkt geplant und eingerichtet wurde, erschließt durch seine nun zentrale Lage alle Bereiche der Anlage. In drei der vier Flanken der Klosteranlage, die die Kirche umschließen, befinden sich auf zwei Etagen außer dem Annosaal und dem Studio 120 Gästezimmer. Obwohl sie auch unabhängig von den Angeboten des KSI zur Übernachtung gebucht werden können, war es Architekten und Bauherren wichtig, hier eine Atmosphäre entstehen zu lassen, die nicht an ein gewöhnliches Hotelzimmer erinnert. Schon der Eintritt in die ehemaligen Zellen wird durch die immense Wandstärke zum Teil der Geschichte, die dieses Haus erzählt. Die Zimmer, als Einzel- oder Doppelzimmer eingerichtet, wirken frisch und modern, klösterlich ist hier der bewusste Verzicht auf Unnötiges. Umso wirkungsvoller ist auch hier der Umgang mit Material, hellem Eichenholz für die von den Architekten entworfenen Möbel und die Reduktion auf drei Farben, Mitternachtsblau, Ochsenblutrot und Senfgelb, die sich in unterschiedlichen Kombinationen als Akzente eingesetzt in jedem Zimmer finden. Und manchmal sind es die kleinen Details, die die Funktionalität und Individualität eines Raumes maßgeblich steigern können, wie zum Beispiel das Doppelbett, das leicht zu zwei Einzelbetten auseinandergezogen werden kann oder das im Haus obligatorische Bücherregal, das vom Institut mit Lektüre bestückt wird. Während die Mönche in früheren Zeiten einen gemeinsamen Waschraum benutzten, verfügt nun jedes Zimmer über ein eigenes Bad.

Die Atmosphäre im ehemaligen Konvent ist auch heute noch ruhig und unaufgeregt, doch immer wieder laden kleine Sitznischen, der Kreuzgang und der Kirchgarten zum kontemplativen oder gemeinsamen Verweilen ein. Ein ganz besonderer Ort ist der Raum der Stille mit einem Fenster in die Kirche.

Überall in der ehemaligen Abtei erlebt man das harmonisches Miteinander von Alt und Neu, auch dort wo die Nutzungsänderung technische Einbauten zur Klimatisierung der Räume und mediale Ausstattung erfordert hat. Die Architekten haben mit wenigen Materialien und daraus abgeleiteten Farben einen Grundton entwickelt, der auch in de Gestaltung des Forums mitschwingt. Doch hier wird schon beim Passieren des gläsernen Steges der Wunsch deutlich, diesem aus dem Fels gewachsenen Bau eine Transparenz zu geben, die Innen wie Außen Beziehungen zwischen Räumen erzeugt. Vollkommen unberührt von der Nutzungsänderung blieben die sechs Priester der Unbeschuhten Karmeliten, die in das ehemalige Jugendgästehaus im östlichen Bereich der Klosteranlage eingezogen sind.

 

Auf Sicht gebaut

Die unterschiedlichen Nutzungen des Forums sind an der Gestaltung der Fassade ablesbar – auch dies ist eine mögliche Spielart der Transparenz, obschon keine wörtliche. Während ganz unten die Autos im steinernen Sockel verschwinden, bildet die gläserne Lobby auf der Erschließungsebene nach klassischer Gliederung die Krone des Gebäudes. Entsprechend würdevoll gefasst wird der 360°-Panoramablick mit einer begrünten Dachterrasse.

Die beiden darunter liegenden Ebenen bilden mit dem großen Restaurant und drei Tagungssälen das Herzstück des Forums. Auch in der Ansicht ist dies der dominierende Bereich der Fassade, ein steinernes Band, mit einer rhythmischen Gliederung aus großen liegenden Panoramafenstern und schmalen stehenden Öffnungen. Außergewöhnlich sind hier die schräg angeschnittenen steinverkleideten Brüstungen, die mit der Tiefe der Wand spielen und den Blick lenken.

Jede der beiden Publikumsebenen empfängt die Besucher in einem Foyer, fast schon dramatisch inszeniert ist hier der Blick in die Fuge zwischen den Bauten und die massive Stützmauer der Abtei. Auf der Ebene -1 (es wird vom Empfang nach unten gezählt) befindet sich das Restaurant mit einem großen, aber leicht in kleinere Séparées unterteilbaren Speisesaal, dem auch eine als Loggia ausgebildete Terrasse angegliedert ist. Der Konsequenz in der Fassadengestaltung ist es zu verdanken, dass auch die auf der gleichen Ebene liegende Restaurantküche eine wunderbare Aussicht hat.

Die darunter liegende Ebene -2 wird von vier unterschiedlich großen Konferenz- und Tagungsräumen eingenommen. Das Europa-Forum im Gebäudekopf biete als größter Saal Platz für Veranstaltungen mit bis zu 200 Personen. Alle Tagungsräume wirken klar und fokussiert, die notwendige hochmoderne Technik ist wie Garderoben und Möbellager in den Tiefen von Wänden und Decken verborgen.

Alle Büros der darunter liegenden Institutsebene sind direkt an der Fassade angeordnet, die rundum verglast und ein wenig eingerückt ist, sodass auf dem Sockel ein Umgang entsteht, der zum Aufenthalt in den Pausen einlädt.

Auch im Forum schwingt wie in den neu gestalteten Bereichen der Abtei der Grundton des harmonischen Materialkanons aus hellem Holz und Stein in jedem Raum in jeder Ansicht mit. Hier bleibt man bleibt bei der Sache, bleibt bei sich. Einzig ist es der Blick aus dem Fenster, dem man sich nicht entziehen kann – und so ist es doch gut zu wissen, dass die, die hier zusammen kommen um über Gott und die Welt reden, weder das eine noch das andere aus den Augen verlieren werden.

 

Uta Winterhager