Eins von 25 – Die schönsten Bücher 2016

Die Stiftung Buchkunst kürte die 25 »Schönsten deutschen Bücher« 2016 und unser Architekturführer KÖLN ist dabei. Wir freuen uns außerodertlich und feiern mit den großgestalten, durch die dieses Buch zu einem so auszeichnungswürdigen Schmuckstückchen geworden ist.
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Foto: Jazek Poralla, großgestalten

Im Wettbewerb der »Schönsten deutschen Bücher« wählten zwei Expertenjurys in einem aufwändigen Verfahren die 25 »Schönsten deutschen Bücher« aus. Im Jubiläumsjahr der Stiftung Buchkunst, die 2016 ihren 50. Geburtstag feiert, wurden 788 Titel eingesandt. In jeder der fünf Kategorien »Allgemeine Literatur«, »Fachbücher, Wissenschaftliche Bücher, Sachbücher, Schulbücher«, »Ratgeber«, »Kunstbücher, Fotobücher, Ausstellungskataloge« und »Kinderbücher, Jugendbücher« gibt es fünf Preisträger. Die 25 »Schönsten deutschen Bücher« sind vorbildlich in Gestaltung, Konzeption und Verarbeitung und zeigen eine große Bandbreite gestalterischer und herstellerischer Möglichkeiten. Die Auswahl berücksichtigt auch das leisere, solide gemachte Lesebuch. Die prämierten Bücher setzen Zeichen und zeigen wichtige Trends und Strömungen der deutschen Buchproduktion.

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Die fünf Schönsten der Kategorie „Ratgeber“ Foto: Copyright Uwe Dettmar, Frankfurt am Main

Die wunderbare Begründung der Jury:

Köln. Architektur. Ohne Dom und romanische Kirchen geht es normalerweise ja nicht. Dennoch: Köln ist eine Stadt des zwanzigsten Jahrhunderts und eine Stadt von heute – genau darum geht es in diesem kompakten Architekturführer. Kompakt erscheint er von außen: Der dreiseitige Farbschnitt verleiht dem stattlichen Umfang in griffigem Format auch optisches Gewicht. Er hat dieselbe Farbe wie die Schmuckfläche des Kartonumschlages. Kein Betongrau, kein Wappenrot – sondern ein gräuliches Grün, ein Stück Köln sozusagen, denn es zitiert die für die Stadt so bedeutenden modernen Brückenbauwerke über den Rhein.

Im Inneren ringt die Gestaltung dem handlichen Format maximale Großzügigkeit ab. Üppige Wirkung entfaltet sich aus minimalistischer Stringenz heraus. Die Schrift ist auf einen einzigen Schriftschnitt beschränkt – den fetten einer sehr geometrischen Serifenlosen mit markanten Ziffern. Für die Differenzierung der Textsorten genügen drei Schriftgrade. Die grüngraue Schmuckfarbe dient der Schriftauszeichnung, Kapitelgliederung und den Übersichtsplänen. Die winzigen Grundrisse oder Schnitte gewinnen Prägnanz, indem sie negativ gestellt sind – sehr ungewöhnlich, aber absolut dienlich.

Linke Seite Text, rechte Seite ein großes Bild mit konstanter Breite, ohne gestalterische Tricks und exotische Innovationen – so selbstverständlich und selbsterklärend sind die Teile aufeinander bezogen, dass das Buch in letzter Konsequenz auf Seitenzahlen verzichtet. Das schwarze Lesebändchen ist auch ein Zeichen besonderer Würde – fast wie bei einem Gebetbuch. Auch das passt zu Köln.

Und vielleicht dringt sogar ein Schuss kölsch-patriotischer Zentrismus durch das originelle Zielscheiben-Ö der monumentalen Titelzeile.

 

…und die nächste Etappe

Der mit 10.000 Euro dotierte »Preis der Stiftung Buchkunst« wird am 8. September 2016 im Rahmen der großen Preisverleihung in Frankfurt am Main bekannt gegeben. Er wird von einer dritten Jury aus den 25 »Schönsten deutschen Büchern« ausgewählt.

Seit 1966 begleitet die Stiftung Buchkunst mit Sitz in Frankfurt am Main und Leipzig kritisch die deutsche Buchproduktion. Ziel ist, die Qualität des Buches in technischer und künstlerischer Hinsicht zu fördern. Die Hauptaufgabe der Stiftung ist der Wettbewerb »Schönste deutsche Bücher«. Mit ihren Wettbewerben will die Stiftung Buchkunst den Blick der Öffentlichkeit über den Inhalt hinaus auf buchgestalterische und buchherstellerische Spitzenleistungen lenken und damit dem Medium Buch und seiner Form zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen. Zur Teilnahme zugelassen sind Bücher aus deutschen Verlagen, sowie Bücher aus ausländischen Verlagen, sofern die technische Produktion ausschließlich in Deutschland erfolgte.

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Die 25 Schönsten der Kategorie „Ratgeber“ Foto: Copyright Uwe Dettmar, Frankfurt am Main

Kölner Perspektiven

Schon wieder ein neues Buch über das Bauen in Köln, das mag für Erstaunen sorgen, denn hier liegen frisch erschienen die „Kölner Perspektiven“. Auf 160 Seiten stellen das Baudezernat und das Haus der Architektur Köln als Herausgeber mit mir als Autorin all jene Projekte vor, mit denen die großen Fragen des Planens und Bauens, des Wohnen und Arbeitens, von Natur, Kultur und Mobilität beantwortet werden sollen. Und damit präsentiert das Buch den Stand des Frühjahrs 2016, in dem die Ufertreppe sich bereits eine knappe Saison etablieren konnte, in dem auf Clouth grade die ersten Bewohner eingezogen sind und in dem mit Spannung verfolgt werden kann, wer die von Christ und Gantenbein geplante Erweiterung des Wallraf-Richartz-Museums bauen wird. Es erscheint als eine Momentaufnahme einer bewegten Zeit, in der vieles gleichzeitig passiert während anderes vielleicht zu stagnieren scheint. Diese Stadt ist nicht fertig, sie wird es auch nicht sein, wenn alles gebaut und bezogen ist, was in den Kölner Perspektiven noch als Visualisierung erscheint.

 

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Foto: Costa Belibasakis für Stadt Köln

Wachsen und Wandeln

Doch Wachstum und Wandel wollen gelenkt sein – wie das aus seiner Sicht geschehen kann, wie Köln die Phasen des Wachsens in der Vergangenheit immer wieder klug genutzt hat, aber auch, dass wir das Wachstum erst (mühsam) wieder erlernen müssen, erläutert Baudezernent Franz-Josef Höing in seinem einleitenden Essay „Köln kann wachsen“. Es gehe um größere, vielleicht sogar um große Pläne für Köln und um ihre schrittweise Umsetzung. Jedes der in diesem Buch vorgestellten Projekte ist demgemäß als einer dieser vielen Schritte zu betrachten, doch nicht nur ihre Summe – ja, es wird ein langer Marsch werden – jeder einzelne ist es wert, genauer betrachtet und gerne auch diskutiert zu werden. Denn auch dazu möchten die Kölner Perspektiven nicht nur die Fachleute, die es täglich tun, sondern jeden, der bereit ist, sich mit seiner gebauten Umwelt auseinander zu setzen, anhalten, zu diskutieren, sich einzubringen, Teil dieser Bewegung zu werden. So bieten die drei Stadtgespräche mit denen Christl, Drey als Vorsitzende des hdak von der anderen Seite auf die Projekte, Pläne und Visionen schaut, dazu zahlreiche Beispiele wie der Architekturdiskurs in Köln auch gerne mal auf der Straße ausgetragen wird.

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Von Innen und Außen betrachtet

Unter den Überschriften „Städtebau“, „Architektur“ und „Öffentlicher Raum“ ist das Buch in drei gleich gewichtete Kapitel gegliedert. Einleitend liest man dort jeweils ein Interview mit lokalen Akteuren: Franz-Josef Höing und die Leiterin des Stadtplanungsamtes Anne Luise Müller diskutieren über die Möglichkeiten der Stadt (ganz konkret, es geht um Köln) sich neu zu erfinden, Kathrin Möller (GAG) und Martin Frysch (Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft Köln Sülz) sprachen über den Wohnungsbau und waren sich einig, “die Architektur muss gut sein“. Und Beatrice Bülter (Kölner Grün Stiftung) und Joachim Bauer (Stellv. Leiter des Grünflächenamtes) kamen in ihrem Gespräch über die Kölner Grünräume zu der These, dass das Grün heute als Gemeingut verstanden wird.

 

Interessant ist auch der Blick von außen, nicht von ganz weit weg, sondern der von Planern und Architekten, die Köln kennen, aber von ihrem Wohn- und Arbeitsort in Dortmund oder Berlin und somit mit etwas Distanz auf die Stadt am Rhein schauen. Kunibert Wachten schrieb den Gastkommentar zum Städtebau, worin er verspricht, dass Kraftanstrengungen und Tabubrüche sich lohnen werden. Arno Brandlhuber klärt die Standard-Frage und macht Köln Mut beim Wohnen und Arbeiten mehr zu experimentieren, wobei er hier auf die Projekte seiner Kölner Jahre (das Wohn-und Atelierhaus am Kölner Brett sowie die Schreinerei und das Dentallabor in Riehl) verweist, wo er dies bereits praktizierte. Andreas Denk schreibt in seinem Essay „Am gedeckten Tisch“ ein Plädoyer für die Notwendigkeit des öffentlichen Raumes.

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Ist denn alles gut und schön?

Die Auswahl der Projekte oblag den Herausgebern, Subjektivität ist hier also Programm, und sie zeigt einmal mehr, wie groß die Bandbreite der Aufgabenstellungen ist, mit der sich auch die städtische Verwaltung auseinandersetzen muss. Da gibt es die großen Konversionsflächen, die Häfen, die Parkstadt Süd oder die ehemaligen Industrieareale in und um Ehrenfeld, aber auch die Notwendigkeit, den auf dem Roncalliplatz nicht mehr länger geduldeten Skatern einen adäquaten Ersatz zu bieten. Und das KAP686 ist inzwischen durchaus zum Vorzeigeprojekt geworden, genau wie der Familienpark unter der Zoobrücke. Kleine Flächen, die Lust machen auch an anderer Stelle und im großen Maßstab mutig zu denken, ob es nun ein ganzes Quartier oder nur ein kleiner Platz im Schatten des Domes wird.

Auch bei den Kulturbauten wird es interessant, einige der Projekte sind den Kölnern schon seit Jahren vertraut, weil sie es doch immer wieder in die Schlagzeilen der Lokalpresse geschafft haben. Doch es geht weiter mit der Oper, der Archäologischen Zone und auch mit dem Historischen Archiv, das – so der aktuelle Planungsstand – nun ein Geschoss niedriger wird als der Wettbewerbsentwurf von 2011. Und es gibt auch Neues, Wettbewerbe, die im Laufe des letzten Jahres entschieden wurden, wie der für die Hochschule für Musik und Tanz, der für die Generalsanierung des WDR Filmhauses oder die Heliosschule, zeigen sehr lebendig und facettenreich, wie das Köln von morgen heute gedacht wird. Bestimmt ist nicht alles, das in diesem Buch vorgestellt wird, jetzt schon zuende gedacht, Wettbewerbsentscheide wie der für die Neubebauung des Rudolfplatzes oder das Areal der Deutschen Welle wollen dringlich noch diskutiert werden, aber auch hier hilft das Buch, indem es anregt und informiert.

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Foto: Frederik Lezmi für Stadt Köln

Fast könnte man heute schon mit dem nächsten Band anfangen, denn das Planen und Bauen, das Spekulieren und Visionieren geht jeden Tag weiter, rechtsrheinisch und linksrheinisch, im Zentrum wie am Rand. Irgendwie doch ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass wir so schnell nicht fertig werden …

 

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Umschlagfoto: Thilo Schmülgen für Stadt Köln

Die „Kölner Perspektiven Städtebau – Architektur – Öffentlicher Raum“ wurden herausgegeben vom Dezernat Stadtentwicklung, Planen, Bauen und Verkehr der Stadt Köln mit dem Haus der Architektur Köln, Texte von Uta Winterhager u. a.

Das Buch ist im Jovis Verlag  erschienen und dort wie auch im Buchhandel für 29.95 € im Buchhandel erhältlich.

 

 

Sophie & Hans, Richard, Gustav und du!

Der Weg durch das das Arp Museum Bahnhof Rolandseck ist einzigartig, überraschend und – ja, auch ein bisschen verwirrend. Doch dieses Buch wird dich sicher durch die Tunnel und Schächte, in das Bergwerk und auf den Berg führen.

Es erklärt dir die Architektur von Richard Meier und plötzlich ist Weiß nicht mehr Weiß. Es stellt dir Sophie Taeuber-Arp vor und spielt ein bisschen Theater. Es macht dich mit Hans Arp und seinem Nabel bekannt. Es führt dich in Gustav Raus Schatzkammer und weckt deine Sammelleidenschaft. Und wenn du denkst, du hast alles gesehen, lässt es dich am Fenster noch einmal staunen!

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Ab 15. November 2015 im Arp Musuem Bahnhof Rolandseck erhältlich: “Sophie & Hans, Richard, Gustav & du!” © Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Uta Winterhager 2015

Immer mehr Museen kümmern sich intensiv darum, die Kinder ins Museum zu holen, bieten Workshops, Kinderführungen oder wie das Museum Ludwig sogar einen eigens eingerichtetes ART LAB an. Auch das Arp Museum Bahnhof Rolandseck bietet ein vielfältiges Programm an, das die Kinder, inspiriert von Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp, aber auch von den Themen der Jahresausstellungen, basteln, bauen, drucken, collagieren, zeichnen aber auch dada-dichten lässt. Schon länger wünschte sich Annette Krapp, die derzeitige Leiterin der Kunstvermittlung, einen Kinderführer für das Museum, fand Unterstützung bei Museumsdirektor Oliver Kornhoff und konnte die notwendigen Mittel zur Umsetzung akquirieren.

Auch bei mir stieß sie auf große Begeisterung, nicht, weil ich denke, dass Kinder notwendigerweise alle ihre Nachmittage und Wochenenden im Museum verbringen sollten, sondern weil es um das Arp Museum ging, bei dem sich die natürliche Abwehrreaktion der Kinder gegen elterlich verordnetes Kulturprogramm spätestens im zweiten Tunnel vollkommen verflüchtigt hat und von großer Entdeckerfreude abgelöst wird. Man muss die Kinder also kaum mehr überreden – das Museum selbst, Architektur und Kunst sind überzeugend genug. Den Kuchen-mit-Aussicht auf der wunderbaren Terrasse des historischen Bahnhofs haben sich sowieso alle verdient.

Auf 64 Seiten entdecken nun „Sophie & Hans, Richard, Gustav und du!“ das Museum. Mit den Hauspatronen Sophie Taeuber-Arp und Hans Arp, dem Architekten Richard Meier und dem Sammler Gustav Rau sind wir per Du und widmen jedem von ihnen ein Kapitel.

 

Abbildung aus “Sophie & Hans, Richard, Gustav & du!” © Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Uta Winterhager 2015

 

 

Richard Meier hat das Museum gebaut

Bahnhof, Bergwerk, Burg – so lässt sich die Idee des Museums aufs Kürzeste zusammenfassen. Doch der Weg vom Bahnhof bis oben auf den Berg ist voller Überraschungen: Tunnel, Treppen, Schächten, eine Schatzkammer, eine Stimme aus dem Nichts, ein Drachenbaby spielt vor dem Fenster und an der Decke leuchtet die Schlange Kaa. Dieser architektonische Spaziergang, der vor die Kunst noch einen wunderbaren Ausblick über das Rheintal stellt, ist kein Zirkus, nicht animiert und vollkommen analog. Die einzigen beiden Knöpfe, die es hier zu drücken gibt, sind die des Aufzugs – vielleicht ist es das, was den Besuch so überzeugend macht. Wie Richard das Museum entworfen hat, erklärt der Kinderführer, wie man von unten nach oben kommt und warum alles Weiß ist. Er bietet aber auch Platz für die Dokumentation des eigenen Architekturspaziergangs – wer sagt denn, dass jeder unterwegs das gleiche sieht? – und einen Schnittplan für eine kleine Meierei, das winzigste Museum der Welt.

 

Abbildung aus “Sophie & Hans, Richard, Gustav & du!” © Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Uta Winterhager 2015

 

 

Sophie Taeuber-Arp ließ die Punkte tanzen

Sophie hat soviel gemacht, sie hat gewebt, gestickt, gezeichnet, gemalt, genäht, Kostüme und Bühnenbilder entworfen und auch getanzt. Hier taucht zwar auch mal so ein Begriffe auf wie „geometrische Abstraktion“ und „konkrete Kunst“, um ihr Schaffen zu beschreiben, aber wer weiß, wo man damit noch einmal irgendwann punkten kann. Hier tauchen dann auch noch zwei weitere Protagonisten auf, König Hirsch und der Papagei, die nicht nur den Kinderführer bespielen, sondern als Hampelmänner das Kinderzimmer schmücken können. Viele der Zeichenspiele und Basteleien können und sollen sogar vor Ort im Museum gemacht werden. Benötigtes Material, Schere, Stifte, Kleber kann man an der Kasse ausleihen.

 

Abbildung aus “Sophie & Hans, Richard, Gustav & du!” © Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Uta Winterhager 2015

 

 

Hans Arp spielte mit Worten und Bildern

Auch das Werk von Hans ist unglaublich vielfältig, erschließt sich jedoch mit seiner Dada-Logik den Kindern manchmal schneller als den Eltern. Wichtigstes Utensil, da Schlüssel zu seinem Werk ist hier der Nabel. Als Nabelmonokel in verschiedenen Größen zum Ausschneiden im Buch, als Wort oder kleine Skulptur. Auch hier wieder zeigen wir keine Angst vor schwierigen Worten und wagen uns an „Konstellationen“ und „Metamorphosen“. Und dann etwas, das vor allem die Lektorin schockierte: Die Zufalls-Zerrupf- und-Verschmier-Collage. Was bei Hans als Unglück wegen eines undichten Daches begann, wird hier zur Aufgabe. Schmiere die Seite im Buch voll mit Kleister und lasse die Schnipsel einer alten Zeichnung ganz zufällig darauf fallen. Wenn sie zufällig nicht schön gelandet sind, kannst du (denn das hat Hans auch gemacht) noch richtig schön zufällig hinschieben. Wenn du das Buch zuklappst, bevor der Kleister trocken ist, gibt es sogar noch eine vollkommen zufällige Sandwich-Collage, denn die Seiten gehen nie wieder freiwillig auseinander.

 

Abbildung aus “Sophie & Hans, Richard, Gustav & du!” © Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Uta Winterhager 2015

 

 

Sophie, Hans und ihre Freunde

Kunst zu machen war für das Künstlerpaar Arp kein nine-to-five-Job, egal was sie machten, ihre Kunst und ihr Leben waren eins. Es gibt Duo-Arbeiten der beiden, aber auch viele sehr kuriose Fotos und Produkte von Zeichenspielen, an denen ihre Freunde (man kennt sie: Tristan Tzara, Hugo Ball, Max Ernst u.a.) beteiligt waren. Zu sehen sind die Ergebnisse im Museum, im Kinderführer ist alles zum Nachmachen und Ausprobieren vorbereitet.

 

Abbildung aus “Sophie & Hans, Richard, Gustav & du!” © Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Uta Winterhager 2015

 

Gustav Rau sammelte Kunst und half Kindern

Und plötzlich stand die Frage im Raum, ob wir denn Gustav Rau einfach so beim Vornamen nennen dürfen. Gestellt hatte sie eine Dame bei Unicef, der wir das Manuskript vor der Veröffentlichung vorgelegt hatten. Ob das nicht ein wenig respektlos sei, denn immerhin habe Dr. Dr. Gustav Rau dem Kinderhilfswerk eine einzigartige Kunstsammlung hinterlassen, damit in seinem Sinne auch nach seinem Tod Kindern in Not geholfen werden könne? Das ließ sich dann doch schnell klären, denn Gustav wird wie alle anderen Personen im Kinderführer mit einem Steckbrief in angemessener Form vorgestellt. Und ebenso seine einzigartige Sammlung, die der Kinderarzt mit großer Fachkenntnis und ebenso großer Leidenschaft angelegt hat, und die nun in der Kunstkammer Rau in wechselnden thematisch ganz unterschiedlichen Ausstellungen präsentiert wird. Und weil alle Kinder naturgegeben Sammler sind, finden sie im Buch eine Anleitung, wie sie eine eigene Sammlung (von Muscheln, Nabeln oder Milchstraßentränen) fast professionell anlegen können.

 

Das AAH! und OOH! am Fenster

Aus dem Dunkel des Aufzugsschachts nach oben katapultiert, muss man einfach am Fenster stehen und entweder Aah! oder Ooh! oder vielleicht sogar beides machen. Die Rheinromantik, die dem Museum die bestmögliche Kulisse bietet, ist hier erstaunlich wild und unverbaut. So dass man irgendwie immer darauf wartet, dass die Loreley ihr Lied anstimmt, Ritter Roland seine Hildegard aus dem Kloster Nonnenwerth befreit oder der Drache aus seiner Höhle am gegenüberliegenden Drachenfels nicht wenigstens ein kleines Feuerchen spuckt. Irgendwie passt es alles, die großen Fenster des Museums und die Geschichte des Ortes, die mit dem Bahnhof begann, der damals noch in dicke Schwaden der Dampfloks gehüllt, bei Künstlern, Dichtern, Musikern und Malern sowie den wohlhabenden Kölner als attraktives Reiseziel galt.

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Abbildung aus “Sophie & Hans, Richard, Gustav & du!” © Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Uta Winterhager 2015

 

Am Sonntag, dem 15. Dezember 2015 wird „Sophie & Hans, Richard, Gustav und du!“ bei dem Familienfest im Arp Museum Bahnhof Rolandseck,  das im Rahmen des Kinder-Lesefestes Käp’n Book  stattfindet, vorgestellt. Wer Lust hat, kann dann zwischen 11 und 17 Uhr mit mir Sachen aus dem Buch ausprobieren und sich Autorenlesungen anhören. Auch dafür ist das Museum ein wunderbare Bühne – und, da Familienfest ist, ist der Eintritt kostenlos.

 

Der Kinderführer ist ab 15. November 2015 für 9,80 € im Shop des Arp Museums Bahnhof Rolandseck erhältlich.

Architekturführer KÖLN

Fast kommt es uns so vor, als hätten wir ein kleines Haus gebaut, dabei haben wir nur ein Buch geschrieben. Denn auch das passiert nicht von jetzt auf gleich.

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Foto: © Jazek Poralla / großgestalten, Köln

Im Herbst sind es 15 Jahre, dass wir mit koelnarchitektur.de im Netz über die Architektur in Köln berichten. Doch wir wollten noch einmal zurück aufs Papier, um gemeinsam mit großgestalten und dem Verlag Walther König ein Buch für Kölner und Köln-Besucher, für Architekten und Architekturinteressierte zu machen, das so schön ist, dass man es auf den Sofatisch legt, dass so gut ist, dass man es ins Regal stellt und immer wieder zur Hand nimmt und so praktisch, dass man es eigentlich immer in der Tasche haben könnte. Und ehrlich gesagt – wir wollten dieses Buch auch machen, bevor es jemand anders tut.

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Kolumba trägt die Nummer 001 – natürlich, denn nicht nur in der Ordnung der Projekte von Innen nach Außen nimmt das Museum die zentrale Position ein, sondern auch, weil diese vielfach ausgezeichnete Architekturikone viel dazu beigetragen hat, die Architektur in Köln zu thematisieren. © Architekturführer Köln

 

Köln bietet eine Fülle qualitätvoller, außergewöhnlicher und beispielhafter Bauten und Quartiere. Doch nicht jedem erschließt sich der baukulturelle Schatz direkt und die Stadt kämpft mit einer Front hartnäckiger Vorurteile. Doch wir helfen gerne bei der Vermittlung. So zeigen die rund 100 Projekte des Architekturführers, wie die Baukultur seit 1932 in Köln Gestalt angenommen hat. Obschon der Fokus der Betrachtung auf der zeitgenössischen Architektur liegt, hat das Erbe der großen Baumeister seit Kriegsende einen so maßgeblichen Einfluss ausgeübt, dass auch 15 historische Bauten exemplarisch vorgestellt werden.

Das älteste vorgestellte Gebäude ist St. Engelbert in Riehl (053) von Dominikus Böhm, das jüngste ist die Ufertreppe am Deutzer Rheinboulevard (102) von planorama, die kurz vor ihrer Eröffnung steht.

Fünf von uns konzipierte und in der Praxis vielfach erprobte Architekturspaziergänge ergänzen die Projektporträts. Die zwischen 360 Meter und drei Kilometer langen Touren durch die Innenstadt, den Rheinauhafen oder auch weniger prominente Quartiere werden jeweils auf zwei Doppelseiten in Text und Bild sowie einem Kartenausschnitt so beschrieben, dass auch Ortsfremde sie leicht nachlaufen können.

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Den 360 Meter langen Architekturspaziergang um den Gürzenich schafft man auch fast beim Umsteigen zwischen zwei Zügen. Viel zu sehen gibt es trotzdem: von vorgestern, gestern, heute und mit ein wenig Phantasie auch das, was morgen erst gebaut wird. © Architekturführer Köln

 

Die Gestaltung des Buches zeigt die Handschrift von großgestalten Kommunikationsdesign, Köln. Mit großer Sorgfalt und einem außergewöhnlichen Interesse haben Tobias Groß und seine Mitarbeiter ein kleines Architekturpraktikum absolviert, denn neben Layout und Satz haben sie für jedes Projekt einen stilisierten Grundriss oder Schnitt gezeichnet, sowie Karten der Stadtbezirke und Spaziergänge.

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Was drinsteht, steht drauf. Umschlagrückseite des Architektuführers. Grafische Gestaltung: großgestalten, Köln

 

Der Architekturführer Köln ist grün, genauer „Kölner Brückengrün“. Diese schöne Farbe hat Oberbürgermeister Konrad Adenauer 1929 allen städtischen Rheinbrücken verordnet, denn neben der Einheitlichkeit wünschte er sich auch Lichtbeständigkeit und sofortige Patina. Bis heute bleibt die Stadt dieser Farbe treu, die für uns auch ein Ausdruck eines weitsichtigen baukünstlerischen Gestaltungswillens ist.

 

Zur Handhabung: Der Architekturführer Köln ist in acht Stadtbezirke gegliedert, daran anschießend finden sich fünf Spaziergänge. Die Nummerierung läuft von 000 bis 103 durch. Auf der Seite unseres Online Architekturführers Bauwatch gibt es noch weitere Informationen, Bilder und Pläne, wenn Sie dort die Projektnummer im Feld Objekt ID eingeben.

 

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Wer hat’s gemacht? Von links: Tobias Groß, Uta Winterhager und Barbara Schlei. Foto: Daniel Rech, Köln

 

Unseren Sponsoren, der StadtBauKultur NRW, der Stadt Köln, BOS, der GAG Immobilien AG, JUNG, dem Kap Forum, dem ROTONDA Business-Club, der Fritz Thyssen Stiftung, der Friedrich Wassermann GmbH, den 72 Fotografen und allen, die uns auf unterschiedlichste Weise bei der Arbeit an diesem Buch unterstützt und vorangebracht haben, möchten wir herzlich danken.

 

Uta Winterhager und Barbara Schlei

 

Zur Rezension von Christian Wendling / Phase 10 hier klicken!

Zur Rezension von Christine Meyer im  Kölner Stadtanzeiger Online hier klicken!

 

Inhalt:

99 Projektporträts (darunter 15 historische Bauten, 6 Quartiere und der Masterplan Innenstadt)

5 Architekturspaziergänge (Innenstadt, Gerling-Quartier, Gürzenich-Block, Rheinauhafen, Rheinboulevard Deutz)

160 Schwarzweiß Fotografien, 17 Karten

 

Zahlen und Fakten:

Architekturführer Köln, Zeitgenössische und Moderne Bauten und Quartiere

herausgegeben von: Barbara Schlei, Uta Winterhager und Tobias Groß

Mit Texten von Uta Winterhager, Barbara Schlei, Ira Scheibe, Katja Hasche

72 Fotografen

Erscheinungsdatum: 22. Mai 2015

Broschiert: 252 Seiten, Sprache: Deutsch

Verlag: Walther König, Köln

ISBN-10: 3863357205 / ISBN-13: 978-3863357207

Verkaufspreis: 24,80 Euro

Kochen, Waschen, Spielen und Studieren

 

In der Bonner Innenstadt wohnen jetzt andere in den schönen Gründerzeithäusern, die Studenten rücken an den Rand. Uwe Schröder bietet ihnen mit dem ROM.HOF eine Neuinterpretation eben jenes Anteils an der Stadt an, der ihnen abhanden gekommen ist. Typologiegerecht und unmissverständlich bietet das Hofhaus Schutz gegen die feindliche Außenwelt und fokussiert die Gemeinschaft auf ihre Mitte.

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Der obere Hof mit Brunnen. Foto © Uta Winterhager

 

In Dransdorf, wo es rechts und links der Ausfallstraße schon grün aber nicht schön wird, steht der ROM.HOF wie eine Festung. Nur eine Gehwegbreite ist er vom Straßenrand zurückgesetzt, und, wie der Blick von der Seite zeigt, mit dem untersten Geschoss in die Böschung geschoben. Der Name deutet es an, die Symmetrie ist hier Programm. Nichts ist, wie bei den Nachbarn, der Zeit oder dem Zufall überlassen. Das ist nicht als Kritik am Ort zu verstehen, sondern als ein neuer Anfang mit großer Konzentration auf sich selbst.

Die vier Ansichten sind streng gegliedert, elf Achsen zu jeder Seite, drei Geschosse vorne, vier hinten. Die Straßenansicht dominiert das in der Mittelachse liegende doppelgeschosshohe Tor, dessen romanischen Rundbogen die Fensteröffnungen 31mal wiederholen. Doch sind hier nur die Öffnungen im Mauerwerk zu sehen, nicht die Fenster selbst, deren schmale, fast schwarze Rahmen das Dunkel schluckt. So wirkt der Bau kaum wie ein Wohngebäude, erscheint nicht nur ortsfremd, sondern auch vollkommen aus der Zeit gefallen.

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Grundriss EG ROM.HOF Plangrafik © Uwe Schröder, Bonn

 

 

Von der Straßenseite, wie auch spiegelgleich von der Gartenseite aus, erschließt der große Tordurchgang das Gebäude. Während der Weg an der niedrigen Mauer, die den Hof umgibt, stoppt und nach links und rechts in Laubengänge umgelenkt wird, ist der Blick in der Längsachse frei bis in das noch wilde Grün des Gartens. Der Grundriss ist quadratisch, so auch der Hof. Dieser ist genau das, was er in der Baugeschichte immer schon gewesen ist: geometrischer Mittelpunkt des Hauses und Treffpunkt der Gemeinschaft. Davon ausgehend nimmt die Privatheit radial zu. Die umlaufenden offenen Laubengänge erschließen über einen kleinen Vorraum, dem Bad und Küchenzeile zugeordnet sind, die 93 Studentenzimmer. Diese sind zwar nach außen orientiert, doch ist ihnen jeweils eine kleine Loggia vorgelagert, die als Studiolo den privatesten und einsamsten Bereich des Hauses bildet.

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Das Herz des ROM.HOfs: das Waschhaus. Foto © Uta Winterhager

 

 

Das Zentrum dieser komplexen kleinen Welt bildet das Waschhaus, das quer in den Hof hinein gestellt wurde. Ausgerechnet das Wäschewaschen wird so zum zentralsten Akt des gemeinschaftlichen Wohnens. So einen Ort gibt es bereits mitten in der Stadt ganz in der Nähe von Uwe Schröders Büro. Hier wird, solange die Kleider waschen und trocknen, gegessen und getrunken, geredet und gewartet. Irgendeiner spielt immer Klavier, die Raucher sitzen vor der Tür. Das alles ist nicht schick, aber echt. Im ROM.HOF bietet eine lange Reihe Münzwaschautomaten nun den gleichen Grund zu kommen und zu bleiben. Für einsame Momente gibt es einen Fernseher, doch vielversprechender scheint der Blick aus den Fenstern. Das Waschhaus teilt den offenen Bereich in zwei Höfe, die, der Topografie des Hauses geschuldet, als Oberer und Unterer Hof bezeichnet werden, so dass es, wenn das Angebot angenommen wird, auch hier immer etwas/jemanden zu sehen geben wird. Archaische Elemente geben den Höfen eine Funktion und ordnen sie den angrenzenden Räumen zu. Im Oberen Hof, der auf dem gleichen Niveau liegt wie der Waschraum, spielt ein Brunnen an der Stelle des römischen Impluviums mit dem Wasserthema, im Unteren Hof, der der unter dem Waschraum liegenden Gemeinschaftsküche zugeordnet ist, bietet eine Feuerstelle ein ebenso altertümliches Abbild des Kochens.

Kochen, Waschen und in der obersten Etage Spielen, sind die Angebote, die das Haus seinen Bewohnern macht. Im besten Fall kann hier wirklich eine Gemeinschaft entstehen, wenigstens jedoch eine informelle (und somit politisch korrekte) Art sozialer Kontrolle.

Aus der Entfernung wirkt der ROM.HOF so streng, dass es schwer auszuhalten ist, doch bricht der ebenso spielerische wie handwerkliche Charakter des Mauerwerks die trutzige Haltung der Fassade auf, bevor sie zwanghaft werden kann. Die Vorsatzschale aus Wasserstrichziegeln ist überraschend rau. Auch wenn sie nichts trägt außer sich selbst, traut man ihr mehr zu, denn Schröder setzte den Ziegel so ein, dass er zeigt, was er am besten kann, weil er es alleine kann. Gemauert sind die Bögen der Fensteröffnungen und die Tonnen der großen Toröffnungen. So etwas gab es, auch wenn es so nahe liegt, lange nicht mehr.

Schröder selbst nennt es die »Botanik der Wand« mit der er die Eigenschaften dieser Fassade beschreibt: Wo sie sich dem Boden nähert, ist sie dunkelrot, so haben das gartenseitige Sockelgeschoss und der Untere Hof den höchsten Rotanteil, mit dem Emporwachsen der Wände bis zur Attika steigt der Anteil an erdigem Gelb. Der wilde Verband, der Läufer, Kopf- und Lagerseiten der Ziegel zeigt, bricht das starre Raster der Fugen auf, das sich verästeln und verlieren darf. Doch auch hier gibt es Regeln. Prozentwerte für die Farbanteile, die von den Architekten für jeden Abschnitt festgelegt wurden und weil dies noch nicht ausreichte, um den Zufall zu kontrollieren, exakte Pläne, die Farbe, Lage und Ausrichtung jedes einzelnen Ziegels bestimmten.

Diese Fassade ist das offizielle oder öffentliche Gesicht des ROM.HOFs zur Straße aber auch in den Höfen. Hier wie dort sind die Fenster, wenn die Öffnungen geschossen werden mussten, auf ein Minimum an Material und Sichtbarkeit reduziert. Matt anthrazit gestrichene Stahlrahmen, adaptierte Industrieprofile, die entsprechend den klimatischen Anforderungen bündig sitzen oder in den Treppenhäusern zur Ventilation mit Winkeln auf Abstand zur Laibung gehalten werden.

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Mediterrane Details imTreppenhaus des.HOFs. Foto © Uta Winterhager

 

 

In dieser harte und rauen Schale sitzen die Wohnungen geschützt durch die Pufferzonen, die Loggien und die Laubengänge zwischen ihnen und dem Außenraum bilden. Doch ist die Stimmung mediterran gedacht, klammert die Existenz kalter, nasser und dunkler Tage, an denen es in den Höfen, Lauben und Loggien sehr ungemütlich werden könnte, einfach aus. Doch wenn man das Studium als eine experimentelle Phase begreift, in der man sich auf vieles einlassen kann, um die Dinge von Grund auf zu verstehen, ist dies eine perfekte kleine Welt.

Wer den ROM.HOF verstehen möchte, muss die Gesetzmäßigkeit seiner Farben kennen. Denn außer den roten und gelben Ziegeln der Außenwände gibt es noch ein zweites, überraschend polychromes System für die inneren Wände, Decken und Türen. Alle Decken in den gemeinschaftlich genutzten Räumen, Treppenhäusern, Laubengängen und Loggien sind mit einem matten, mineralischen Blau „weggestrichen“, wie Schröder es beschreibt. Haus und Himmel geben mit Rot, Gelb und Blau die Hauptfarben vor, die Farben der untergeordneten Flächen Grün, Purpur und Beige lassen sich daraus mischen. Die innere Seite der Laubengänge, sowie die Innenwände von Waschhaus und Treppen sind glatt geputzt und in einem kartonfarbenen Beige gestrichen, das Anteile beider Ziegelfarben enthält. Die Wandfarbe der Loggien / Studioli ergab sich aus der Addition des Himmelblaus mit der jeweils im Ziegelmauerwerk dominierenden Farbe. So sind die Loggien in den unteren Geschossen, wo die Wände einen hohen Rotanteil haben, Purpur gestrichen, in den oberen Geschossen, wo der gelbe Ziegel überwiegt, in Grün. In den Wohnungen gibt es keine Farben, mit weißen Wänden, grauem Linoleumboden und klar lackierten Holzprofilen bieten sie den Bewohnern keine fordernde Kulisse, sondern ein Höchstmaß an Neutralität.

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Deckengemälde im Waschhaus des ROM.HOF. Foto © Uta Winterhager

 

Auf fast schon subversive Weise entwickelte der Maler Detlef Beer das Himmelsbild der blauen Decken weiter – dort wo der Architekt Farbe bestimmt hat, verhinderte er sie. Der zentralen Position des Waschhauses entsprechend, klebte er die Decke dort vor dem Anstrich ab, so dass danach eine stilisierte weiße Sonne blieb. An der Decke der Gemeinschaftsküche zeichnete er auf die gleiche Weise ein Sternenbild mit 93 Punkten, jeder nicht größer als ein Fingerabdruck. Ein einzelner Stern ist über dem Kicker im Spieleraum platziert. Sehr romantisch und ein wenig geheimnisvoll ist die Fortschreibung in den Studioli, wo, wer den Blick hebt, den Namen seines Sterns in kleinen Buchstaben an der Decke ausgespart liest. Selten ist der Dialog zwischen Kunst und Architektur so spannend wie hier, wo beide mehr können als sie müssen.

Von außen betrachtet passt die Schablone dieses archaischen Lebensstils gut auf die studentischen Bedürfnisse. Kochen, waschen, spielen und studieren, alles hat seinen Platz, der einzelne wie die Gemeinschaft. Schlüssig ist die Form in ihrer Eigenlogik, nur einer zeitlichen Einordnung entzieht sich der ROM.HOF vollkommen. Er hat mehr von gestern als von heute, so als hätte er schon alles gesehen und das Beste davon behalten. Obschon nicht gedämmt, ist dies auch eine Form der Nachhaltigkeit.

 

 

Dieser Beitrag erschien  in der Bauwelt 37/2014.

Zur Internetseite des Architekten Uwe Schröder und des Künstlers Detlef Beer.

 

 

 

 

Auf dem Weg zu Gottfried Böhm

Gottfried Böhm zum 95. Geburtstag

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Handwerk, Kunst und Architektur – Fensterdetail in Christi Auferstehung von Gottfried Böhm. Foto: Uta Winterhager

 

(For the English version click here – you will be forwarded to stylepark.com)

Die erste Begegnung mit Gottfried Böhm hatte ich in den ersten Tagen meines Studiums an der RWTH Aachen. Oben im Reiff (dem Reiff-Museum, unserer Architekturfakultät) stand dieses große Modell vor dem R315. Ein quadratischer Ausschnitt der Stadt Köln in schwarzem Wachs unter einer Plexiglashaube. Und weil das Modell immer etwas im Weg stand, haben wir darauf unsere Kaffeebecher abgestellt, die Skizzenrollen ausgerollt und uns vom Studieren erschöpft drangelehnt. Ob wir darüber gesprochen haben, weiß ich nicht mehr. Wohl eher nicht, sonst hätte ich es mir vielleicht gemerkt. Denn Gottfried Böhm (immerhin der erste deutsche Pritzker-Preisträger!) war zu dem Zeitpunkt 1992 schon nicht mehr in Aachen Professor, nach unvorstellbaren 22 Jahren war er 1985 emeritiert worden. Seinen Lehrstuhl für Werklehre hatte inzwischen Volkwin Marg inne, der ihn um den Begriff Stadtbereichsplanung erweitert hatte und unseren Blick nach vorne lenkte.

Natürlich lernten wir die Böhms und ihre Projekte bald kennen, St. Engelbert in Riehl vom Vater Dominikus, Neviges, Bensberg und St. Gertud vom Sohn Gottfried natürlich auch. Doch sie blieben Meilensteine ihrer Zeit, die für uns schon irgendwie vorbei war. Denn die Bauten wogen schwer, ihr Äußeres ein Berg, ihr Inneres eine Höhle. So modern die Form auch einst gewesen ist, zeigte das Material doch ungnädig die Spuren des Alterns und der Hände, deren Werk es war. Uns stand der Sinn nach Neuem, nach Buntem und Synthetischen, nach kleinen Aufregen und virtuellem Lockstoff. So bewunderten wir die, deren Falten, Scherben und Rasterdogmatismus uns heute langweilen.

Es hat eine Weile gedauert, bis das Analoge wieder reizvoll wurde und ich im Cyber-Himmel der Bartlett mein Diplom mit sehr deutschen Mitteln bestritt: Mit Tusche und Kohle, mit Wachs und Gips, mit Fotos in Schwarzweiß sowie Nadel und Faden … und eben mit der Hand.

Betrachte ich heute die frühen Sakralbauten von Gottfried Böhm, ist es genau das Skulpturale, das Handwerkliche daran, das mich fasziniert, weil es diese Werke so einzigartig macht. Ich möchte sie anfassen, in einer kleinen Nische sitzen und über den rauen Beton streichen. Vielleicht war es gut, dass der Vater dem Sohn keine andere Wahl ließ, als sein Partner und Nachfolger zu werden, um die Böhmsche Architekturgeschichte weiter zu schreiben. Und er war weitsichtig genug, ihm die Bildhauerei nicht zu gänzlich verbieten, sondern sie neben der Architektur gelen zu lassen, sie auch zu ihrem Instrument zu machen. Denn nur so konnten unter seinen Händen im kleinen wie im großen Maßstab Architekturen entstehen, die kein Architekt je erdacht hätte.

 

Fünf kleine Kirchengeschichten

Gottfried Böhms Oeuvre ist gewaltig und auch mit nun 95 Jahren lässt ihn die Arbeit nicht los. Für alle, die seinen Geburtstag zum Anlass nehmen wollen, eine kleine Zeitreise durch Köln anzutreten, habe ich hier fünf ganz besondere Architekturmomente herausgesucht:

 

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Madonna in den Trümmern um- und überbaut von Peter Zumthors Kolumba-Museum. Grundriss (Zustand 1949) Foto und Zeichnung: Uta Winterhager

 

Kapelle St. Kolumba (Madonna in den Trümmern) 1947–1950 mit St. Kolumba Sakramentskapelle 1952–1958

St. Kolumba war die größte und bedeutendste Pfarrgemeinde der mittelalterlichen Stadt Köln, dennoch dachte niemand an einen rekonstruierenden Wiederaufbau der spätgotischen Kirche, die 1945 durch Luftangriffe bis auf die Umfassungsmauern und einen Turmstumpf zerstört worden war. Mitten in diesem Ruinenfeld hatte eine spätmittelalterliche Kalkstein-Madonna Bomben und Brände unbeschadet überstanden. Sie sollte zum Symbol der Hoffnung werden, der Ort selbst im konservierten Zustand der Zerstörung eine Trauer- und Gedenkstätte. Josef Geller, Pfarrer der Kolumba-Gemeinde, engagierte sich für den Neubau der Kirche am historischen Ort und suchte zunächst mit Rudolf Schwarz, dann mit Dominikus Böhm nach einer zeitgemäßen baulichen Lösung. Böhm übergab die Aufgabe seinem Sohn Gottfried, der 1947 einen ersten Entwurf für den Bau einer Marienkapelle in den Trümmern vorlegte. Darüber schlug er einen großen Kirchenneubau vor, der die Überreste der alten Kirche integrierte. Doch der Entwurf wurde abgelehnt und die Madonna aus konservatorischen Gründen entfernt. 1948 erhielt Böhm doch den Auftrag (seinen ersten) zum Bau der Kapelle, die nach zahlreichen Überarbeitungen im Dezember 1950 geweiht werden konnte. Böhm legte Eingang und Vorraum in die Fragmente des Turmes und ergänzte sie zur Aufstellung eines Altars und der Madonnenstatue im Osten um einen kleinen achteckigen Chor mit Pyramidendach. Die von Böhm entwickelte Gewebedecke gab der filigranen Betonkonstruktion eine moderne, zeltartige Erscheinung. Die schmalen Fenster des Chores waren zunächst klar verglast und gaben den Blick frei auf den Trümmergarten. 1954 wurden Buntglasfenster mit musizierenden Engeln von Ludwig Gies eingesetzt. 1957 wurde der Bau nach Plänen von Böhm mit einer Sakramentskapelle erweitert, mit deren dunkler Schwere sich der Architekt selbst zu widersprechen scheint. Unter Beibehaltung eines eigenen Eingangs wurde die Kapelle, einer der wichtigsten Andachtsorte in Köln, 2007 in den Bau des Kolumbamuseums integriert.

(Auszug aus dem Kölner Architekturführer von Barbara Schlei und Uta Winterhager, der im Frühjahr 2015 im Verlag Walther König erscheinen wird, Text: Uta Winterhager)

Brückenstraße / Ecke Kolumbastraße 50667 Köln Innenstadt Altstadt-Nord

Geöffnet täglich 8-19 Uhr

 

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Die Kinder haben die Kirche verlassen, der gute Hirte bleibt. Kloster zur Heiligen Familie von Gottfried Böhm. Foto: Uta Winterhager

 

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Die Kinder haben die Kirche verlassen, der gute Hirte bleibt. Kloster zur Heiligen Familie von Gottfried Böhm. Foto: Uta Winterhager

 

Kloster zur Heiligen Familie (Waisenhauskirche) (1955–1959)

Gottfried Böhm, der den Auftrag zum Neubau der bis auf ihren Turm im Krieg zerstörten Waisenhauskirche nach dem Tode seines Vaters übernommen hatte, sollte hier eine „Kirche für Kinder mit viel Licht und frohmachenden Symbolen“ bauen. So ist dieses frühe Werk nicht eines seiner typischen, obschon kein Widerspruch. Der Kirchenraum, einfach ein Quader, den Turm vor Kopf, schwebt über einem verglasten Unterbau getragen nur von filigranen Mauervorlagen. Aus der glatte Betonfassade, deren rote Färbung von der Verwendung der alten Kirchenziegel als Zuschlag herrührt, erhebt sich sichtbar zu allen Seiten das Relief des guten Hirten und seiner Herde. 126 Lämmer und ein Hütehund bilden mit ebenso vielen kleinen oktogonalen Fenster ein wohlgeordnetes Bild. Darüber zeichnet sich als Zickzacklinie das Faltwerk der Decke ab, gibt eine Ahnung von Himmel.

Frei im Raum und zu allen Seiten offen steht der Altar unter einem Baldachin. Ihn umgibt eine Schar singender und musizierender Kinder, die in den kleinen Fensterchen abgebildet sind, einst luden sie die Kinder des Waisenhauses ein, mit ihnen zu feiern. Einfache Bilder ohne Kitsch und ein klarer Raum zeichnen diese Kirche aus. Doch ihre Zukunft ist ungewiss. Das Waisenhaus ist umgezogen, das Gelände wurde neu bebaut, nun steht die Kirche dort trotz allem, was sie verspricht, traurig und verlassen dort.

Sülzgürtel /ehem. Waisenhausgelände 50937 Köln-Sülz. Derzeit geschlossen. Außenbesichtigung eingeschränkt möglich.

 

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Das Himmelszelt spannt stützenfrei. Universitätsklinikkirche St. Johannes der Täufer in Köln Lindenthal von Gottfried Böhm. Foto: Uta Winterhager

 

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Farbige Fenster in einem Raum, der keinen Schmuck braucht. Universitätsklinikkirche St. Johannes der Täufer in Köln Lindenthal von Gottfried Böhm. Foto: Uta Winterhager

 

Katholische Universitätsklinikkirche St. Johannes der Täufer (1958–1966)

Den schlanken Turm haben die Bäume geschluckt, das Kirchenschiff ein flacher Quader, der so geerdet ist, dass er noch nicht einmal eine Eingangsstufe braucht. Darüber spannt die gefaltete Decke, die mit ihrem Spiel aus Licht und Schatten zum Himmelszelt wird. Der Überbau, durch ein überraschend farbiges, schmiedeeisenbewehrtes Fensterband vom Sockel gelöst, scheint zu schweben, denn der Raum ist frei von Stützen und beinahe unmöglich großzügig. Ein Festzelt, bereitet für die Feier der Eucharistie. Die Einbauten sind an den Rand gerückt, doch berühren sie Wände und Decke nicht, der Raum bleibt unangetastet. Ihre Form ist einfach, aus dem Schatz der Platonischen Körper entnommen. Der niedrige Quader mit Sakristei, Pieta und Orgel erscheint wie ein Haus im Haus, sein Gegenüber die zylindrischen Beichtstühle und hinten in der Mittelachse das Weihwasserbecken, wiegen die Symmetrie sorgsam aus. Der Chorraum erscheint wie ein sorgsam angelegter Steingarten, aus dessen höchstem Niveau ein Baldachin emporwächst, der sich wie ein Baum schützend über den Altar lehnt. Links davon schiebt sich der Ambo nach vorne, rechts führt eine Treppe zum Tabernakel hinab. Trotz dieser Bilderfülle bleibt der Kirchenraum ruhig und weit, hier möchte man wandeln und schauen oder die Gedanken schweifen lassen.

Joseph-Stelzmann-Straße 20 50931 Lindenthal tagsüber geöffnet

 

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Ein Fels in der Baulücke, St. Gertrud, von Gottfried Böhm. Foto: Uta Winterhager

 

Pfarrkirche St. Gertrud 1960–1967

Ein Felsmonolith bildet den Grundstein der Kirche St. Gertrud, die selbst wie eine Felsenburg erscheint. Dach und Wand waren als eins gedacht, die Oberfläche des Betons ist unverputzt, ungeschönt und rau, Innen wie Außen ein Material, keine Fassade. Hier schon (vor Neviges und Bensberg) hat Böhm eine neue Form gefunden. Mit Kirchenbau und Pfarrzentrum schloss er eine Lücke, setzte eine Betonskulptur in die Reihe der braven Wohnhäuser, zitiert das Bürgerliche mit der Auflösung der Fassade in drei spitz aufragenden Kapellen und markiert die Kirche mit der Höhe des überschlanken Turmes. Hier entsteht ein kleiner Platz, eine einladende Geste. Doch dem Plan – zwei ineinandergeschobenen und erweiterten Fünfecken – entzieht er die Lesbarkeit seiner Ordnung. Es bleibt eine Höhle, die sparsam beleuchtet und noch einmal vier Stufen abgesenkt, erst ein wenig unheimlich, doch bald schon vertraut erscheint. Ihre Pfarrei hat St. Gertrud verloren, seit 1991 gehört sie zu St. Agnes und wird seitdem für kulturelle Zwecke genutzt.

Ausgezeichnet mit dem Kölner Architekturpreis 1967

Krefelder Straße 57 50670 Köln Agnesviertel – Neustadt Nord geöffnet während der Veranstaltungen

 

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Pfarrkirche Christi Auferstehung von Gottfried Böhm. Foto: Uta Winterhager
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Pfarrkirche Christi Auferstehung von Gottfried Böhm. Foto: Uta Winterhager
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Fensterdetail in Christi Auferstehung von Gottfried Böhm. Foto: Uta Winterhager

 

Pfarrkirche Christi Auferstehung (1963–1970)

Was für eine Gottesburg ist das! Wie sie da am Kopf des Clarenbachkanals thront. So eine Lage muss man in Köln erst einmal finden. Ihr Vorgängerbau war im Krieg zerstört und nur mangelhaft wieder aufgebaut worden. Böhm sollte nun etwas schaffen, das Bestand hat, genügend Masse, um die Zeit zu überdauern. Diese Kirche ist eine Festung aus Beton und Ziegeln, dicht zusammengeschoben ihre Bauteile, die keiner Symmetrie folgen wollen und sich der Benennung entziehen, um einen Organismus, ein großes Ganzes bilden. Auch das Bild vom Weinberg Gottes passt, der Glockenturm der Weinstock, um den sich das Treppenhaus wie eine Rebe rankt. Doch im Inneren, gut behütet von den schweren Portalen, ist da wieder diese Höhle, wie wir sie aus St. Gertrud schon kennen. Doch hier ging Böhm noch einen Schritt weiter. Er zeigt ein Tragwerk, doch lässt er uns nicht verstehen, wohin die Kräfte führen. Was dieses Bauwerks in der Düsternis seines Inneren zusammenhält sollen wir glauben. Es scheint gewachsen zu sein, in den Fels gehauen, wie auch die Nischen für die Beichtstühle, die Kapelle mit der Pieta, die Orgel, das Sakramentshaus und in der kleine Platz zum Sitzen in der Rückwand. Als schlanke Säule ragt der Tabernakel in die Höhe und deutet, gekrönt mit dem Lamm Gottes, noch weiter nach oben. Denn dort hängt an einem Mauervorsprung viele Meter über dem Altar der Gekreuzigte auf der blanken Ziegelwand. Die Figur aus dem Barock muss man fast suchen, auch wenn ein Lichtkegel sie erhellt. Doch immer wieder blitzt Sonnenlicht durch die Decke, irritiert und kündet von draußen. Denn die Fenster sind blind, wohl lassen sie Licht in den Kirchenraum, doch sind sie als Bilder zu betrachten. Abstrakte Kunstwerke von Böhm selbst, der mit Nägeln, Messingstiften und rotem Kunstharz Wortbilder aus den Namen von Maria, Johannes XXIII. und Martin Luther King schuf. Böhm lässt uns hier suchen und glauben, besser kann man eine Kirche nicht bauen.

Brucknerstraße 16     50931 Köln – Lindenthal geöffnet täglich von 9 – 17 Uhr

 

 

Herzlichen Glückwunsch, Gottfried Böhm!

 

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf www.koelnarchitektur.de

Spürbare Transzendenz

Grabeskirche St. Bartholomäus in Köln

Den Menschen Gewissheit geben, dass sie über den Tod hinaus nicht vergessen werden: Dieser Wunsch begleitete den Umbau der Kölner Bartholomäuskirche zum Kolumbarium durch Kissler + Effgen. Mit Licht und Schatten haben sie Räume gebildet, ohne Grenzen zu ziehen.

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Gewollte Unschärfe lässt die Grenzen zwischen hier und dort verschwimmen. Foto: Robert Winterhager

 

Überall im Land werden Kirchen geschlossen. Im Kölner Stadtbezirk Ehrenfeld etwa finden in der Pfarrei „Zu den Heiligen Rochus, Dreikönigen und Bartholomäus“ nur noch in zwei der drei Kirchen weiterhin Sonntagsgottesdienste statt – die dritte dient seit Anfang dieses Jahres als Urnenbegräbnisstätte (Kolumbarium). Dass die Gemeinde 2006 beschloss, ausgerechnet St. Bartholomäus in eine Grabeskirche umzuwandeln, mag man fast als Glücksgriff bezeichnen, denn der 1959 geweihte Saalbau von Hans Schwippert strahlt genau den puristischen Ernst aus, den man sich für einen Ort der Trauer wünscht. Das Gebäude am Bickendorfer Helmholtzplatz liegt in einem ruhigen städtischen Umfeld, dessen ehemals industrielle Prägung im Stadtbild noch deutlich ablesbar ist. Unter dem Einfluss der brutalistischen Strömungen in den späten 1950er Jahren plante Schwippert hier ein Gotteshaus, das dem traditionellen Bild einer Kirche zuwiderlief, dafür aber der Ambivalenz des Ortes entsprach. Der mit rotem Backstein ausgefachte Stahlbetonrahmenbau zeigt Material und Konstruktion so offen und rau, dass man den einige Stufen unter Straßenniveau liegenden Quader mit dem abgerückten Campanile auch für eine Sporthalle oder Fabrik halten konnte – in vorkonziliarer Zeit eine mutige Übertragung.

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Kirche ohne Allüren. Weniger geht kaum, mehr muss hier nicht sein. Foto: Uta Winterhager

 

Gewebe statt Gemäuer

St. Bartholomäus ist das erste Kolumbarium im Erzbistum Köln; entsprechend viel Überzeugungsarbeit der Gemeinde war notwendig, bis das Generalvikariat dem Vorhaben zustimmte und die kirchliche Baugenehmigung erteilte. Für die relativ junge Bauaufgabe der Umnutzung einer Kirche als Kolumbarium gibt es keine Standardlösung, wohl aber strenge, von der Diözese erlassene liturgische Auflagen. In diesem Fall war es vorgeschrieben, den Ort der Trauerfeier (Kapelle) vom Ort der Beisetzung (Kolumbarium) räumlich zu trennen. Das Wiesbadener Büro Kissler + Effgen gewann den 2011 unter zwölf eingeladenen Teilnehmern ausgelobten Wettbewerb mit einem Entwurf, der mit der Klarheit des Kirchenraums arbeitet und Räume nicht durch Mauern oder Höhensprünge, sondern allein durch Licht und Schatten voneinander scheidet.

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Während der täglichen Öffnungzeiten ist das Innere des Sakralraums unbeleuchtet. Foto: Robert Winterhager

 

Zunächst wurde der erhöhte Chorbereich dem Niveau des übrigen Kirchenraums angepasst, der Basaltboden entfernt und ein heller Gussasphalt eingebracht. Die Kapelle, markiert nur durch ein abgehängtes Metallnetz, platzierten die Architekten an zentraler Stelle im Mittelschiff, an dessen vier Seiten die Urnenwände zehn nischenartige Kabinette bilden. Wer St. Bartholomäus heute durch das linke Bronzeportal betritt, muss unter der Empore des Seitenschiffs erst einmal innehalten, um sich an das Schummerlicht zu gewöhnen. Beton und Ziegel, so rau wie draußen an der Fassade, verlieren durch das gedämfte Licht ihre spröde Kargheit. Auch wirkt der Raum trotz seiner Höhe sehr intim. Es sind die von Giselbert Hoke nach Motiven des Sonnengesangs des Heiligen Franziskus gestalteten Fenster, die 1978 das ursprüngliche Klarglas ersetzten und den Charakter des Innenraumes maßgeblich verändert haben: Sie filtern das Tageslicht so stark, dass es möglich ist, Kunstlicht zur Gliederung und Definition des Raumes einzusetzen. Schon im Wettbewerb sahen Kissler + Effgen vor, die Kapelle nur mit einem Metallgewebe einzufassen und die räumliche Gliederung durch den gezielten Einsatz von Licht zu verdeutlichen. Allerdings konnten die Architekten bei der Realisierung dieser Idee auf keinerlei eigene oder fremde Erfahrungen zurückgreifen. Nach intensiver Recherche fand sich ein Ringgewebe aus Bronze (Alphamesh), dessen hochglanzpolierte, goldfarbene Oberfläche sich als so reflektionsstark erwies, dass es bei entsprechender Beleuchtung trotz seiner Netzstruktur als eine ausreichende räumliche Begrenzung wahrgenommen wird. Dank seines relativ geringen Eigengewichts von 3,4 kg/m2 konnte das Gewebe in einer Rahmenkonstruktion mit Stahlseilen auf sehr dezente Weise von dem Primärtragwerk der Kirchendecke abgehängt werden. Mit seinen Abmessungen von 7 x 7 x 11 m (HxBxL) wurde der Kapellenbereich den Proportionen des Mittelschiffs angepasst und bleibt nach oben offen. Darin stehen, in drei Reihen angeordnet und auf den Altar ausgerichtet, die von Schwippert entworfenen Kirchenbänke sowie ein Flügel. An drei Seiten öffnet sich die Kapelle mit einem größeren und zwei sehr schmalen Zugängen zur Umgebung. Zur Kennzeichnung und Stabilisierung sind die Öffnungen im Bronzegewebe mit schmalen Profilen eingefasst. Die Kanten der hängenden Konstruktion wurden lediglich mit einem transparenten Nylonfaden vernäht.

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Foto: Uta Winterhager

 

Licht und Schatten

Das Zusammenspiel von Licht und Material haben die Architekten gemeinsam mit arens faulhaber lichtplaner (Köln) an Musterstücken vor Ort getestet. Insgesamt wurden fünf verschiedene Licht-Raum-Szenarien entwickelt. An der Rahmenkonstruktion des Netzes wurden innen wie außen lineare LED-Leuchten montiert, die wegen des sehr kleinen Abstrahlwinkels nur das Gewebe über seine gesamte Höhe gleichmäßig in einem warmen Goldton leuchten lassen. Mit zusätzlichen Strahlern kann der Kapelleninnenraum beleuchtet werden. Während eines Trauergottesdienstes wird das Bronzegewebe von innen angestrahlt, so dass der umgebende Urnenbereich im Dunklen liegt und nicht wahrnehmbar ist. Auch auf dem hellen Estrichboden zeichnet sich die gewünschte räumliche Trennung mit Licht und Schatten deutlich lesbar ab. Während der Beisetzung wird die Kapelle dann so von der äußeren Leuchtenreihe angestrahlt, dass sie von außen kaum mehr einsehbar ist. Dafür reflektiert das Netz das Licht gleichmäßig in den Umgang und die Nischen. Ist die Kirche tagsüber für Besucher geöffnet, wird das Licht so geschaltet, dass das Netz in beiden Richtungen transparent erscheint und das golden schimmernde Material dem gesamten Innenraum eine unaufdringliche Wertigkeit verleiht.

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Die Messingplatte mit Gravur von Kreuz, Namen und Daten kommzeichnet die Grabstätte. Kerzenglas und Vase auf dem schmalen Bord möchten den Schmuck beschränken. Foto: Uta Winterhager

 

Klarheit und Mysterium

Im Unterschied zu den meisten historischen Kolumbarien ist die Urnenwandanlage in St. Bartholomäus aus Metall. Kissler + Effgen trafen diese Materialwahl nicht zuletzt deswegen, um die geforderte Zahl von 700 Einzel- und 900 Doppelkammern so realisieren zu können, dass die einzelnen Kammern nicht über Kopfhöhe, aber auch nicht zu nah am Boden liegen. Der Stahlkorpus wurde mit einem Messingblech vollkommen bündig verkleidet, dessen vor Ort von Hand brünierte Oberfläche einen warmen, erdigen Ton erhalten hat, der sie deutlich von der ungeschliffenen Substanz der Kirche unterscheidet. Jede Urnenkammer ziert ein mit dem Kreuzsignet des Pfarrverbundes versehener, goldglänzender Messingknauf. Nach dem Einstellen der Urne dürfen die Angehörigen den nicht mehr benötigten Knauf zum Andenken mitnehmen. An dem Bohrloch, das er verdeckte, wird nach der Beisetzung die Messingplatte zur Kennzeichnung des Grabes befestigt. Sie kann den Wünschen der Angehörigen entsprechend gestaltet werden und bietet auf einer schmalen Konsole Platz für eine Kerze und eine schmale Vase. Im Laufe der Jahre werden die Messingplatten ein zufälliges, sich ständig verdichtendes Muster auf die dunklen Flächen der Grabwände zeichnen. Den Kontrast von brüniertem und poliertem Messing setzen die Architekten auch bei der Gestaltung von Ambo, Osterkerze und Urnenpodest ein; einzig der neue Altar, ein glatter Sichtbetonkubus, greift auf Schwipperts Materialkanon zurück. Bleiben die Figuren des von dem tschechischen Künstler Ludek Tichy geschnitzten Kreuzwegs. Angebracht an den Stirnseiten der Grabwände und an zusätzlich aufgestellten Stelen, bilden die Stationen einen Ring um die Kapelle. Die 15. Station, die Jesu Auferstehung darstellt, liegt dem Kapellenausgang gegenüber – ein wohlplatziertes und bedeutsames Detail, das für die Qualität und die Klarheit des Ganzen steht. Dass es in dieser Klarheit ein Element wie den zentralen Lichtraum gibt, der nicht eindeutig, nicht immer gleich ist, reflektiert auf wunderbare Weise die Überschreitung der Grenzen von Erfahrung, Bewusstsein und Diesseits.

 

 

db 11/14  Schwerpunkt „Material wirkt“, Beitrag von Uta Winterhager

 

 

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350 m2 Ziegelfront, rechts und links ein kleines Portal und dazwischen – ein Tor. So wurde der Kirchenvorplatz mit drei Linien zum Fußballplatz. Das muss man aushalten, findet Uta Winterhager, denn ausgestorbene Plätze sind genauso traurig wie leerstehende Kirchen.

 

 

 

Unter dem Grün die Trümmer

Der Rheinpark in Köln

Egal in welchem Zustand, die Kölner lieben ihren Rheinpark. Nach den Höhepunkten der Bundesgartenschauen 1957 und 1971 verwahrloste er zwar zunehmend, doch ging nur wenig dabei verloren. Seit einigen Jahren tun Stadt und Bürger alles dafür, um das außergewöhnlich vielfältige gartengestalterische Erbe zu erhalten.

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“Häusliche Sorgen” Skulptur im Rheinpark. Foto: Uta Winterhager

 

Die Idee aus der Uferlandschaft zwischen Deutzer Messe und Mülheimer Hafen einen Volkspark zu machen, stammt bereits aus den 20er Jahren. Schon damals gab es hier einen Park mit funktionaler Zweigliederung: Spiel und Sport auf weiten Auenwiesen sollten den Großstädtern gut tun, ein gärtnerisch stärker kultivierter Bereich hinter dem schützenden Deich Ruhe und Kontemplation ermöglichen. Doch der Zweite Weltkrieg hinterließ auch auf dem Rheinparkgelände nur Bombenkrater und Trümmer. Und während ringsum die Stadt wieder aufgebaut wurde, entsorgte man hier den Schutt, der bald zu unübersehbaren Halden angewachsen war. Als Köln sich 1957 um die Ausrichtung der BUGA bewarb, war der Wunsch groß, an dieser Stelle endlich wieder Raum für Spiel und Erholung zu schaffen.

Modelliert

 »Blumen blühen am Rhein« hieß es, als die Gartenschau im April 1957 eröffnet wurde, doch die Pracht der 2,5 Mio. Pflanzen war nur eine ihrer vielen Facetten. Unter der künstlerischen und technischen Oberleitung des städtischen Gartenbaudirektors Kurt Schönbohm waren die Trümmerberge und der Deich auf einem 2,3 km langen Streifen zwischen Messe und Mühlheimer Hafen zu einer reizvoll welligen Landschaft modelliert worden, die vom Ufer aus leicht anstieg und unattraktive Ansichten von Hafen und Industrie verbarg. Schönbohm, der seinen Rahmenplan aus Elementen der prämierten Wettbewerbsbeiträge des Architekten Rembald von Steinbüchel-Rheinwall, der Gartenarchitekten Günther Schulze und Joachim Winkler und der Landschaftsarchitektin Hertha Hammerbacher erarbeitet hatte, verteilte unterschiedlich gestaltete Themeninseln, deren Dichte und Grad an Gestaltung zum Ufer hin abnahmen, über das Areal. Damit griff er zwar die historische Zweigliederung des Parks wieder auf, vermied jedoch den vormalig harten Bruch zwischen Landschaft und Garten. Mit der Rheinseilbahn, einem Sessellift und der Kleinbahn »Trans-Rheinpark-Express«, fügte er der Gartenschau noch eine attraktive technische Ebene hinzu.

Bis heute wurde an der seit 1989 denkmalgeschützten Anlage des Rheinparks nur wenig verändert. Man sieht dem Park jedoch an, dass er etlichen Hochwasserständen ebenso widerstehen musste wie dem Flächenfraß durch die angrenzende Messe und benachbarter Industrie. Seit 1966 »überfliegt« die Zoobrücke den Park an seinem Nordende und das Dauerrauschen der sechsspurigen Autobahn wurde Teil seiner Geräuschkulisse. Auch die BUGA von 1971 auf demselben Gelände hinterließ ihre Spuren. Doch gelang es, das Gesamtkunstwerk von 1957 nicht zu überzeichnen: dasselbe Planungsteam um Schönbohm ergänzte vorsichtig und modernisierte lediglich partiell.

Als großes Problem stellte sich das fehlende Nachnutzungskonzept für das Bundesgartenschaugelände in den 80er Jahren heraus. Der Stadt fehlten die Mittel, sie ließ Beete verwildern und Sichtachsen zuwachsen, sanierungsbedürftige Spielgeräte wurden abgebaut und nicht mehr ersetzt, die Cafés standen leer und sukzessive verblasste das Erscheinungsbild der einst so eleganten und modernen Parklandschaft. Erst großes bürgerschaftliches Engagement führte dazu, dass der Erhalt des Rheinparks zum lokalpolitischen Thema wurde. Nach einer umfangreichen Analyse wurde die Sanierung schließlich angegangen, so dass der Rheinpark sein 50jährges Bestehen im Jahr 2007 in einem angemessenen Zustand feiern konnte.

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Früher war alles … filigraner! Foto: Uta Winterhager

 

Betoniert

Doch wer den Park heute besucht, wird den Schwund der Architektur zunächst kaum bemerken, so beeindruckend sind die Weite und Vielschichtigkeit der Anlage. Großzügige geschwungene Wege durchziehen das Gelände und verknüpfen die einzelnen Themeninseln, Rosengarten, Flamingoteich, Spielhügellandschaft, Brunnengarten um nur einige zu nennen, miteinander. Hier wurde einmal das Bild einer neuen Zeit gezeichnet, ohne Hierarchie, ohne Raster, ohne Brüche. Auch Architektur und Landschaft standen und stehen gleichberechtigt nebeneinander. Im Rosengarten wurden nach Entwürfen von Schulze und Winkler fünf Lauben gebaut, einfache Stahlkonstruktionen, die an drei Seiten mit Glas verkleidet waren. Im Laufe der Jahre mussten die Gläser entfernt werden, doch die filigranen, weiß gestrichenen Stahlskelette zeigen heute noch, wie groß der Wunsch war, das Gebaute auf ein Minimum zu beschränken, es aufzulösen, damit es eins werde mit seiner Umgebung. Ähnlich einfach gestaltet und doch von hoher grafischer Wirkung sind auch die Pergolen an den Wasserterrassen von Hertha Hammerbacher und die »Windharfen« ihrer Tochter Merete Mattern im Staudengarten.

Zur gestalterischen Einheit von Architektur und Landschaft trägt – ganz uncharakteristisch – auch die abwechslungsreiche Verwendung von Beton bei. Fast könnte man von einem Fest für den Beton sprechen, mit so viel Ideenreichtum und Mut zum Experiment wurde der neue Werkstoff überall präsentiert. Beton erlaubte neue Farben und Formen, strukturierte Oberflächen, filigrane Konstruktionen und er war günstig, schnell verfügbar und sehr modern. Und durchaus langlebig, wenn im Alter auch nicht unbedingt schöner, wie sich an der Vielfalt der erhaltenen Bodenbeläge, Treppenelemente und Brunneneinfassungen zeigt. Ein trauriges Schicksal erleidet das Park-Café (Steinbüchel-Rheinwall), das im Ensemble mit Tropenhof, Großem Blumengarten und Wassergarten das Zentrum der ursprünglichen Parkanlage gebildet hat. Auch heute noch führt das dreigeschossige Gebäude, das entgegen vielfacher Behauptungen keineswegs nur für eine temporäre Nutzung errichtet worden war, mit geschwungenen Terrassen, filigranen Rampen, fliegendem Dach und überschlanken Stützen das stilistische Repertoire der 50er Jahre vor. Doch seit Jahrzehnten verfällt der leerstehende Bau zusehends, eine wirtschaftliche Nutzung zu finden scheint unmöglich, die Zukunft ist weiter ungewiss.

Immer wieder galt und gilt es im Rheinpark individuelle Lösungen zu finden, die Geschichte und Gegenwart gleichermaßen gerecht werden. Bei der Sanierung der charakteristischen Pflasterungen, Betonverbundsteinen, Klinker und Grauwacke, geht die Stadt sehr zurückhaltend vor und ersetzt nur, was zur Gefahr wird. Denn einmal angehoben, so zeigte es sich, lassen sich die inzwischen morschen Beläge kein zweites Mal verlegen. Der Erhalt einzelner Parkelemente wie die Kieselmosaike des Brunnengartens sind sogar so aufwendig, dass er nur nur durch die Arbeit eines Unterstützervereins gesichert werden kann. Und ob die zahlreichen kostbaren Bronzestatuen aus den 50ern, die zunehmend häufig zerstört werden, weiter in einer öffentlichen Grünanlage stehen können, muss noch entschieden werden. Als wahre Publikumsmagneten haben sich indessen durch alle Zeiten die großen, außergewöhnlich gestalteten Spielplätze und die variantenreichen Wasserspiele erwiesen.

Wirklich störend in dieser bunten Collage sind die »Schaufenster« mit Einblicken in die Geschichte des Parks, die vor einigen Jahren an den schönsten Stellen aufgestellt wurden. Ein Park wie der Rheinpark in Köln braucht jedoch kein didaktisches Mobiliar, vielmehr soll er entdeckt werden und überraschen können.

 

Uta Winterhager

 

Aus: db deutsche bauzeitung 04.2014:  In die Jahre gekommen … Der Rheinpark

Architekten: Kurt Schönbohm u.a.

Anschrift: Auenweg, Köln Deutz

 

Zeitschichten

Besucherinformationszentrum Sparrenburg, Bielefeld

 

Unter der Erdoberfläche stellt sich Geschichte sehr anschaulich in der Ausbildung von Schichten dar. Max Dudler setzte das Bild in Stampfbeton um und schrieb mit dieser fast vergessenen Technik die Baugeschichte des Bielefelder Wahrzeichens weiter.

… der Text in voller Länge erscheint in domus 1/2015

 

Stampfbeton und Mauerwerk
Stampfbeton und Mauerwerk. BZ Sparrenburg, Max Dudler. Foto: Uta Winterhager
Besucherzentrum Sparrenburg von Max Dudler
Besucherzentrum Sparrenburg von Max Dudler. Foto: Uta Winterhager
Mythologie und Handwerk. BZ Sparrenburg, Max Dudler. Foto: Uta Winterhager
Mythologie und Handwerk. BZ Sparrenburg, Max Dudler. Foto: Uta Winterhager
Inszenierung der Schwelle. BZ Sparrenburg, Max Dudler. Foto: Uta Winterhager
Inszenierung der Schwelle. BZ Sparrenburg, Max Dudler. Foto: Uta Winterhager
Unter der Linie verläuft die mittelalterliche Mauer. BZ Sparrenburg, Max Dudler. Foto: Uta Winterhager
Unter der Linie verläuft die mittelalterliche Mauer. BZ Sparrenburg, Max Dudler. Foto: Uta Winterhager
Wände in historischer Dimension. BZ Sparrenburg, Max Dudler. Foto: Uta Winterhager
Wände in historischer Dimension. BZ Sparrenburg, Max Dudler. Foto: Uta Winterhager
Ordnung und Unterordnung
Ordnung und Unterordnung. BZ Sparrenburg, Max Dudler. Foto: Uta Winterhager
Lagen und Schichten
Lagen und Schichten, Foto: Uta Winterhager