Das Farbgedächtnis

Wenn ein Mensch an Alzheimer erkrankt, dann ist das Farbegedächtnis das letzte, was ihm bleiben wird. Also, folgerten wulf architekten, muss die Farbe beim Neubau des Deutschen Zentrums für neurodegenerative Erkrankungen in Bonn eine besondere Rolle spielen und machten sie zum Vermittler in einem Haus, das mehr kann als reine Funktion, weil es von allen so gewollt war.

Grün- und Orangetöne bestimmen die Ansichten dieses Gebäudes, blenden es ein in den lichten Kiefernwald. Doch der ist hier keineswegs nur Kulisse, die bewegte Figur greift in ihn hinein, provoziert die Überlagerung des Menschengemachten mit dem Gewachsenen von jedem Standpunkt aus, innen wie außen. Dabei möchte sich hier niemand verstecken, im Gegenteil: das Deutsche Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen, kurz das DZNE ist ein Vorzeigeprojekt, das öffentliche Wahrnehmung sucht. In Deutschland sind gegenwärtig mehr als 1,5 Millionen Menschen an Demenz erkrankt, jedes Jahr kommen weitere 300.000 dazu, was sie neben Krebs und Diabetes zu einer der sechs großen Volkskrankheiten macht. Allein die große Zahl der Patienten mit neurodegenerativen Erkrankungen macht die Erforschung der Ursachen und die Suche nach neuen Therapien zu einer politisch und gesellschaftlich relevanten Aufgabe. Darauf reagierte die Bundesregierung, als sie 2009 das DZNE mit neun Standorten gründete. Nach einigen Jahren mit provisorischer Unterbringung hat das Bonner DZNE im Sommer 2016 sein neues Forschungs- und Laborgebäude auf dem Gelände der Universitätsklinik bezogen, das abseits der Innenstadt auf dem Venusberg liegt. Der große Campus wurde in den letzten Jahrzehnten erheblich nachverdichtet, doch erst bei den jüngsten Bauten sieht man zaghafte Versuche die großen Volumen zu gestalten. Und wenn es nicht dieses perfekte Mimiky wäre, das dieses Gebäude schon auf den ersten Blick so besonders macht, müsste man sagen, das DZNE falle auf.

Ordnung und Unterordnung

2012 gewannen wulf architekten auch mit dieser Haltung den Generalplanerwettbewerb für den Neubau des Forschungszentrums. Die geforderten 35.000 qm BGF verteilten sie den Nutzungen entsprechend auf drei Baukörper. Wie zufällig geworfene Kiesel liegen die nun zwischen den hohen Kiefern. Sie überschneiden sich nicht, sondern sind mit zylindrischen Bauteilen verbunden, die eine gewisse Beweglichkeit der Gruppe suggerieren. Ohne die Symmetrie des einzelnen zu stören reagieren die Baukörper aufeinander mit wandernden Farbfeldern – doch auch hier ist die Bewegung nur ein Bild. Fast jedenfalls, denn die meisten der insgesamt 2403 farbig bedruckten Glaslamellen reagieren mit ihrer Ausrichtung auf den Sonnenstand. Besucher wie Mitarbeiter betreten das DZNE über das helle, großzügig dimensionierte Atrium, das sich in der Querachse des Eingangsgebäudes erstreckt. Überraschend ist hier, wie viel Raum und Öffnung diesem Empfang tatsächlich gewidmet wurde, kaum ist man eingetreten, sieht man sich – überspitzt gesagt – schon wieder im Wald. Alles andere nimmt sich zurück, die Farben, hier nur Weiß und Schwarz, die Formen schnörkellos, die Wege direkt. Auch die zentral platzierte Treppe verstellt nichts, weil es den Architekten, Bauherren und Bauaufsicht gelungen ist, die Vorschriften für den Krankenhausbau an dieser Stelle so zu dehnen, dass auf Setzstufen verzichtet werden konnte. Doch es ist nicht nur dieses Detail, das vergessen macht, dass hier Land und Bund gebaut haben, sondern die Konsequenz mit der jeder angefangene Gedanke – im Zeit- und Kostenrahmen – zu Ende geführt wurde.

 

Transparenz und Diskretion

Im Erdgeschoss des Eingangsgebäudes flankieren die zentralen Einrichtungen, rechts die Cafeteria, links der Hörsaal, das Atrium. Um Höhe zu gewinnen, senkt sich der Hörsaal Richtung Bühne ins Erdreich ab, noch mehr Raum schaffen Kuppeln, die zwischen den Deckenträgern platziert wurden, und schlucken dabei nicht nur den Schall, sondern auch Technik. Die hölzernen Tische, der Boden und die Einbauten setzen hier wie überall, wo die Räume dem Aufenthalt dienen, dem Sachlichen etwas Natürliches entgegen. Die Büros der rund 100 Verwaltungsmitarbeiter und des Vorstandes, sowie eine kleine Zahl Patientenzimmer der klinischen Forschungseinheit befinden sich in den drei Obergeschossen. Ein Tunnel im ersten UG verbindet das DZNE mit dem benachbarten Zentrum für Neurologie, Psychiatrie und Psychosomatik und ermöglicht den Patienten von dort einen direkten Zugang zu den hier liegenden MRT-Untersuchungsräumen. Daneben, sowie im zweiten UG sind sämtliche Anlagen der Haustechnik verborgen, damit die Dächer frei bleiben können.

In dem größten Baukörper, dem zentral gelegenen Forschungsgebäude, liegen auf vier Etagen entlang einer außermittig platzierten weiten Erschließungsachse zur Linken die biomedizinischen Labore der Grundlagenforschung, zur Rechten die Büros der Forschungsgruppenleiter. Auf jeder Ebene sind es vier Laboreinheiten à 400 qm, von denen zwei und zwei zusammen geschlossen sind, dazwischen erschließt ein Gang das Präklinische Institut. Bis zu 17 Meter tief sind die Labore, die interne Anordnung der einzelnen Bereiche ist ihren zum Teil technisch hochgerüsteten Arbeitsbedingungen entsprechend gestaffelt, bietet den einzelnen Arbeitsgruppen aber dennoch maximale Flexibilität zur Untergliederung ihrer Arbeitsbereiche. Während die Computerarbeitsplätze direkt am Fenster sind, verdichtet sich das Maß an erforderlicher technischer Ausstattung ins Gebäudeinnere. Es wird lauter, technischer, die Sicherheitsvorschriften strenger, doch immer geht der Blick noch nach draußen, durch die farbigen Lamellen der Fassade in die Kronen der Bäume und erinnert die, die sich im Maßstab ihres Arbeit verloren haben, wieder an die Welt da draußen. Dass die Forschung nicht nur im Labor stattfindet, sondern genauso gut in der Teeküche oder auf dem Flur, haben die Architekten bereits in der Planung berücksichtigt und bieten den rund 400 Wissenschaftlern an vielen Stellen im Gebäudekomplex Möglichkeiten zur informellen Kommunikation. Auch in den Gelenken zwischen den Baukörpern, wo es in kleinen blauen Nischen ganz unerwartet wohnlich wird.

 

Filter und Schleusen

Tobias Wulf wollte aus dem Laborbau architektonisch mehr als das Übliche heraus zu holen, um mehr zu planen als als einen reinen Zweckbau. Auch bei einem so schwierigen Bereich wie dem Präklinischen Institut, das als letztes Glied der Kette an die lange Ostflanke des Forschungsgebäudes angedockt ist. Die Arbeit hier erfordert hohe hygienische Standards, ein großes Maß an Sicherheit und gehört zu den Bereichen, die von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen werden sollen. Doch von Außen sind alle Baukörper gleich, es gibt keine Hierarchie durch Gestaltung.

Das klar verglaste Erdgeschoss bildet mit fast schwarzer Aluminium Pfosten-Riegel-Fassade den Sockel des Gebäudes, bliebe man beim Bild der Bäume, wäre es der lichte Bereich zwischen den Stämmen. Ein- und Ausblicke sind überall gewünscht, Räume, die mehr Diskretion benötigen, legten die Architekten auf die dem Wald zugewandte Seite. Wo Transparenz wegen technischer Einbauten nicht möglich war, wurde der Sockel mit einem dunklen Anstrich fortgeführt. Auch wenn das Gebäude über seine Farbigkeit die Anpassung an die Umgebung sucht, bleiben die Etagen durch die Reihen der geschosshohen Glaslamellen lesbar. Jeder der farbigen Lamellen bestehen aus zwei zu Verbundsicherheitsglas verschweißten Scheiben. Eine davon ist zuerst farbig, dann schwarz mit einem feinen Lochmuster bedruckt, die zweite mit einer Sonnenschutzschicht bedampft worden. Die feine Lochung filtert das Tageslicht, währen die schwarze Rückseite verhindert, dass bunte Reflexionen für Irritation auf den Arbeitstischen sorgen würde. Doch die automatisch gesteuerten Fassadenelemente sind nicht nur Dekor, sie ermöglicht zu allen Tages- und Jahreszeiten eine optimale Ausnutzung des Tageslichts. Und dies ist nur ein Aspekt der nachhaltigen und ressourcenschonenden Planung, die dazu führen wird, dass das DZNE als erstes Laborgebäude die Gold-Zertifizierung nach dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude BNB erhalten wird.

Schrift und Farbe

Auch bei der Orientierung im Gebäude spielt Farbe wieder eine Rolle. Das von Andreas Uebele entwickelte Leitsystem, das jedem Gebäudeteil einen eigenen Blau-, Violett- oder Grünton zuweist, wurde als 400fache Vergrößerung eines Pinselstrichs des Künstlers Harald F. Müller mit Airbrush direkt auf die Wände in Atrien und Fluren gesprüht. Diese so groß und kraftvoll erscheinenden Bewegungen, die jedoch mit unheimlicher Präzision übertragen wurden, scheinen über die Architektur hinweg zu gehen als handle es sich um ein Modell und die Laune eines Künstlers. Und wieder steht die Farbe hier für das letzte bisschen Erinnern, das dem Alzheimer-Patienten bleibt. Ein erstes Indiz auf die Krankheit lässt sich in der Veränderung einer Handschrift erkennen, was Uebele den Anstoß gab, sämtliche Beschriftungen von Hand mit einem Pinsel auf die Wände zu schreiben. Sehr direkt und sehr menschlich ist das und nicht zuletzt ein schöner Hinweis darauf, dass in diesem Gebäude der Mensch die Technik im Griff hat.

 

Uta Winterhager

 

 

Erschienen in Bauwelt 12|2017

 

Ein Leuchtturm des Glaubens

Montes Benedictus amabat – der heilige Benedikt liebte die Berge. Und dort gründete er seine Klöster, erhaben, mit Weitsicht und Gott ein Stück näher. Je nach landschaftlichen Gegebenheiten genügte denBenediktinern auch ein kleiner Berg wie der Michaelsberg, ein 40 Meter hoher Basalttuffkegel, der das geologische Ende des Rheinischen Berglandes markiert. Rund 800 Jahre lebten die Benediktiner in der von Erzbischof Anno gegründeten Abtei auf dem Michaelsberg. Ihr Wirken, ihr Aufstieg und Niedergang war eng verbunden der Stadt Siegburg, die zu ihren Füßen heranwuchs. Und es ist eine bewegte Geschichte, die auch an den Gebäuden der Abtei Spuren hinterlassen hat. Die auch heute noch weithin sichtbare, von der Kirche gekrönte barocke Anlage wurde nach dem Krieg aus Trümmern wieder aufgebaut. Zeitweilig wurde sie als Kaserne, Irrenanstalt und Zuchthaus, Lazarett und bis 2011 schließlich doch wieder als Kloster genutzt. Eines jedoch hat sich in all dieser Zeit nie verändert, die Abtei auf dem Michaelsberg ist ein eindrucksvolles Wahrzeichen mit einer Strahlkraft, die sich sämtliche Nutzer zu eigen gemacht haben.

 

Stadtsicht auf die Abteikirche © Foto: Uta Winterhager

 

Das geistige Zentrum auf dem Michaelsberg

Anfang 2017 wurde der langen Geschichte nun ein weiteres Kapitel hinzugefügt. In die sanierte und erweiterte Abtei zog im Februar das bis dahin in Bad Honnef ansässige Katholisch-Soziale Institut KSI mit rund 75 Mitarbeitern ein. Die 1947 von Kardinal Frings als „Stätte der Erwachsenen-Weiterbildung auf der Grundlage der katholischen Soziallehre“ gegründete Einrichtung des Erzbistums Köln wuchs in seinem Sinne weiter und empfängt inzwischen jedes Jahr auf etwa 400 Veranstaltungen rund 21.000 Besucher. Doch bis aus dem Kloster ein hochmodernes Tagungszentrum mit Hotel, Restaurant und Konferenzsälen wurde, sind fünf Jahre vergangen. 2012 hatte das Erzbistum Köln einen Architektenwettbewerb mit acht eingeladenen Teilnehmern ausgelobt, um für die Transformation des denkmalgeschützten Gebäudes einen angemessenen Entwurf zu finden. Preisträger des Wettbewerbs wurde das Kölner Büro msm meyer schmitz-morkramer, das nachfolgend auch mit der Umsetzung beauftragt wurde.

Überzeugen konnten die Architekten die Jury, die unter Vorsitz des Kölner Architekten Kaspar Kraemer getagt hat, mit einem strengen und schlichten Entwurf, der scheinbare Gegensätze wie Tradition und Fortschritt, Historie und Zukunft, Teilnahme und Rückzug verbindet und den Neubau so harmonisch in das Gesamtbild aus Landschaft und Baudenkmal einfügt, dass sich an der bekannten Silhouette der Abtei nichts ändert.

 

In die Höhe und in die Tiefe

Besucher sehen den Michaelsberg meist schon von Ferne aus dem flachen Umland aufragen, das letzte Stück des Weges führt aus der Siegburger Innenstadt direkt auf den neuen Vorplatz. Von hier aus betrachtet sitzt die imposante Abtei immer noch gut 17 Meter höher auf mächtigen mittelalterlichen Stützmauern. Sozusagen zu ihren Füßen steht nun zwar eigenständig, aber dennoch untergeordnet, der Neubau des Forums. Der Stadt wendet er seine schmale Kopfseite zu. Doch nicht nur mit dem Bild von Berg, Fels und Stein haben sich die Architekten intensiv auseinander gesetzt, sondern auch mit ihren speziellen Materialeigenschaften. Denn wer auf Fels baut, der baut zwar prinzipiell sicher, muss jedoch aufwendig gründen. 90 bis zu 15 Meter tiefe Bohrpfähle wurden parallel zum Westflügel der Abtei in den Fels eingelassen, um den Boden für den Neubau zu bereiten und den Bestand zu schützen. Davon sieht man heute natürlich nichts mehr. Und doch scheint der Neubau direkt aus dem Fels zu wachsen, seine Hülle aus hellgrau-sandfarbenem Wachenzeller Dolomit, der im Sockel zunächst eine rohe gespaltene, dann als Gebäudehülle eine glatte geschliffene Oberfläche zeigt, knüpft direkt an die Topografie des Ortes an, möchte kein Fremdkörper sein. Und so verschwinden auch die Autos der Mitarbeiter und Besucher in einer zweigeschossigen Garage im Sockel des Gebäudes, der Platz davor greift historische Elemente wie den Rosengarten in seiner Gestaltung auf.

Doch anders als der wehrhafte Sockel der Abtei öffnet sich die steinerne Basis des Neubaus mit einer wie ins Massiv eingeschnitten wirkenden Eingangshalle. Die letzten Höhenmeter dürfen die Besucher mit einer Fahrt im Glasaufzug überwinden, die – und so viel Schau ist an dieser Stelle durchaus gerechtfertigt – in einem ebenfalls gläsernen Pavillon endet und die Sicht auf die Stadt, bis nach Bonn und auf das Siebengebirge freigibt. Sehr deutlich haben msm die Fuge zwischen den beiden Baukörpern, dem neugebauten Forum und der historischen Abtei, die sie als respektvolle Distanz beschreiben inszeniert. Die Trennung zwischen Alt und Neu bleibt scharf, überwunden wird sie an nur zwei Stellen mit schmalen, verglasten Brücken.

 

Das Miteinander inszeniert

Das KSI begrüßt seine Besucher nach dieser dramatischen Hinführung schließlich in einem großzügigen zweigeschossigen Atrium mit offenem Treppenhaus in der Abtei. Dieser Empfangsbereich, der auch als Lobby und Treffpunkt geplant und eingerichtet wurde, erschließt durch seine nun zentrale Lage alle Bereiche der Anlage. In drei der vier Flanken der Klosteranlage, die die Kirche umschließen, befinden sich auf zwei Etagen außer dem Annosaal und dem Studio 120 Gästezimmer. Obwohl sie auch unabhängig von den Angeboten des KSI zur Übernachtung gebucht werden können, war es Architekten und Bauherren wichtig, hier eine Atmosphäre entstehen zu lassen, die nicht an ein gewöhnliches Hotelzimmer erinnert. Schon der Eintritt in die ehemaligen Zellen wird durch die immense Wandstärke zum Teil der Geschichte, die dieses Haus erzählt. Die Zimmer, als Einzel- oder Doppelzimmer eingerichtet, wirken frisch und modern, klösterlich ist hier der bewusste Verzicht auf Unnötiges. Umso wirkungsvoller ist auch hier der Umgang mit Material, hellem Eichenholz für die von den Architekten entworfenen Möbel und die Reduktion auf drei Farben, Mitternachtsblau, Ochsenblutrot und Senfgelb, die sich in unterschiedlichen Kombinationen als Akzente eingesetzt in jedem Zimmer finden. Und manchmal sind es die kleinen Details, die die Funktionalität und Individualität eines Raumes maßgeblich steigern können, wie zum Beispiel das Doppelbett, das leicht zu zwei Einzelbetten auseinandergezogen werden kann oder das im Haus obligatorische Bücherregal, das vom Institut mit Lektüre bestückt wird. Während die Mönche in früheren Zeiten einen gemeinsamen Waschraum benutzten, verfügt nun jedes Zimmer über ein eigenes Bad.

Die Atmosphäre im ehemaligen Konvent ist auch heute noch ruhig und unaufgeregt, doch immer wieder laden kleine Sitznischen, der Kreuzgang und der Kirchgarten zum kontemplativen oder gemeinsamen Verweilen ein. Ein ganz besonderer Ort ist der Raum der Stille mit einem Fenster in die Kirche.

Überall in der ehemaligen Abtei erlebt man das harmonisches Miteinander von Alt und Neu, auch dort wo die Nutzungsänderung technische Einbauten zur Klimatisierung der Räume und mediale Ausstattung erfordert hat. Die Architekten haben mit wenigen Materialien und daraus abgeleiteten Farben einen Grundton entwickelt, der auch in de Gestaltung des Forums mitschwingt. Doch hier wird schon beim Passieren des gläsernen Steges der Wunsch deutlich, diesem aus dem Fels gewachsenen Bau eine Transparenz zu geben, die Innen wie Außen Beziehungen zwischen Räumen erzeugt. Vollkommen unberührt von der Nutzungsänderung blieben die sechs Priester der Unbeschuhten Karmeliten, die in das ehemalige Jugendgästehaus im östlichen Bereich der Klosteranlage eingezogen sind.

 

Auf Sicht gebaut

Die unterschiedlichen Nutzungen des Forums sind an der Gestaltung der Fassade ablesbar – auch dies ist eine mögliche Spielart der Transparenz, obschon keine wörtliche. Während ganz unten die Autos im steinernen Sockel verschwinden, bildet die gläserne Lobby auf der Erschließungsebene nach klassischer Gliederung die Krone des Gebäudes. Entsprechend würdevoll gefasst wird der 360°-Panoramablick mit einer begrünten Dachterrasse.

Die beiden darunter liegenden Ebenen bilden mit dem großen Restaurant und drei Tagungssälen das Herzstück des Forums. Auch in der Ansicht ist dies der dominierende Bereich der Fassade, ein steinernes Band, mit einer rhythmischen Gliederung aus großen liegenden Panoramafenstern und schmalen stehenden Öffnungen. Außergewöhnlich sind hier die schräg angeschnittenen steinverkleideten Brüstungen, die mit der Tiefe der Wand spielen und den Blick lenken.

Jede der beiden Publikumsebenen empfängt die Besucher in einem Foyer, fast schon dramatisch inszeniert ist hier der Blick in die Fuge zwischen den Bauten und die massive Stützmauer der Abtei. Auf der Ebene -1 (es wird vom Empfang nach unten gezählt) befindet sich das Restaurant mit einem großen, aber leicht in kleinere Séparées unterteilbaren Speisesaal, dem auch eine als Loggia ausgebildete Terrasse angegliedert ist. Der Konsequenz in der Fassadengestaltung ist es zu verdanken, dass auch die auf der gleichen Ebene liegende Restaurantküche eine wunderbare Aussicht hat.

Die darunter liegende Ebene -2 wird von vier unterschiedlich großen Konferenz- und Tagungsräumen eingenommen. Das Europa-Forum im Gebäudekopf biete als größter Saal Platz für Veranstaltungen mit bis zu 200 Personen. Alle Tagungsräume wirken klar und fokussiert, die notwendige hochmoderne Technik ist wie Garderoben und Möbellager in den Tiefen von Wänden und Decken verborgen.

Alle Büros der darunter liegenden Institutsebene sind direkt an der Fassade angeordnet, die rundum verglast und ein wenig eingerückt ist, sodass auf dem Sockel ein Umgang entsteht, der zum Aufenthalt in den Pausen einlädt.

Auch im Forum schwingt wie in den neu gestalteten Bereichen der Abtei der Grundton des harmonischen Materialkanons aus hellem Holz und Stein in jedem Raum in jeder Ansicht mit. Hier bleibt man bleibt bei der Sache, bleibt bei sich. Einzig ist es der Blick aus dem Fenster, dem man sich nicht entziehen kann – und so ist es doch gut zu wissen, dass die, die hier zusammen kommen um über Gott und die Welt reden, weder das eine noch das andere aus den Augen verlieren werden.

 

Uta Winterhager

 

Krasses Raumempfinden

Achtung: Meine Kleidung könnte schmutzig werden, ich könnte stolpern oder mich stoßen, ich könnte Beklemmungen kriegen oder Angstzustände, die Orientierung verlieren, möglicherweise gesundheitliche Beeinträchtigungen davontragen. Das klingt sehr vielversprechend für eine Ausstellung in der Bundeskunsthalle. Ich möchte Gregor Schneiders Wand vor Wand besuchen, doch dann die Entwarnung: Sollte ich das eine oder andrer Problem bekommen, ich könne mich jederzeit an die Aufsichtspersonen wenden, sie seien mit Taschenlampen ausgestattet und würden im Notfall eine Fluchttür öffnen. Ein Kompromiss also, ein Zugeständnis der Institution. Der Künstler allerdings macht keine Kompromisse.

life action, Odenkirchener Str. 202, Rheydt, Germany 2014
Gregor Schneider Essen Life action, Odenkirchener Str. 202, Rheydt 2014 © Gregor Schneider / VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Ganz grob umrissen könnte man sagen, Gregor Schneider sammelt Räume. Seit dreißig Jahren trägt er sie zusammen, baut sie auf, baut sie nach, zerstört sie und löst sie aus ihrem Kontext. Fast immer sind es gewöhnliche Räume, Zimmer mit denen er, so sein Kurator Ulrich Loock, „an einige der empfindlichsten Schmerzpunkte der Gesellschaft rührt“. Für die Bundeskunsthalle hat er einen Parcours aus 20 Räumen entwickelt. Dass es tatsächlich 20 sind entnehme ich dem Pressetext, denn wie angekündigt verliere ich, je tiefer ich in das Dunkel seiner Konstellation vordringe, erst die Orientierung, und taumle dann aufgeladen mit einer Mischung aus Angst und Neugier vom Dunkel ins Helle, vom Kalten ins Warme, krieche durch ein Rohr und einen Schrank, verzweifle an Türgriffen und versuche weniger zu atmen, weil die Luft nicht gut ist. Ich bin ein Opfer der Kunst, spiele das schmerzhafte Spiel des Sich-Verlierens mit und bin am Ende ein wenig mehr berührt denn erleichtert, als ich feststelle, wir sind noch immer im Museum, der Boden ist sicher, das Licht kontrolliert und die Räume klimatisiert. Selten war eine Ausstellung so Anti-White-Cube wie diese.

Kolkata 2011, bamboos, wood, choir ropes, straw, clay, polystyrene, color (23x12,2x30m (LxWxH)), Kolkata, India 01.10.2011-08.10.2011
Gregor Schneider It’s All Rheydt Kolkata, India 2011 © Gregor Schneider / Goethe Institut Max Mueller Bhavan / Germany and India 2011-2012 Infinite Opportunities / VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Wand vor Wand bezieht sich auf Schneiders erste architektonische Intervention im Haus u r, einem Haus in der Unterheydener Straße in Mönchengladbach-Rheydt, in dem der damals Sechzehnjährige begann Räume in Räumen zu verdoppeln, Decken und Böden zu motorisieren und Zugänge abzuschneiden. Das Thema wie auch das Haus hat er weiterentwickelt, sein Totes Haus u r, das er 2001 zur Biennale in Venedig im Deutschen Pavillon aufgebaut hatte, wurde mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. So kennt man Schneiders Werk oder glaubt es zu kennen. Die Bonner Schau hat er chronologisch angelegt, doch auch in seinem jüngsten Werk, das er an den Anfang gestellt hat, steckt etwas von Haus u r, dessen Keller und Straßenabschnitt. Kolkata Goddess, ist ein Tempelbau samt Göttinnen, den er 2011 für das Durga-Purja-Festival in Kolkata realisierte. Vier Millionen Pilger strömten durch das Loch des um 90° gedrehten Kellers, der mit einem 30 Meter hohen Straßennachbau aus Lehm, Holz und Bambus zum Heiligtum wurde. Als Teil der rituellen Handlung wurde all das schließlich in den Fluss verabschiedet. Für Schneider nicht unvertraut: „Da habe ich meine eigene Arbeitsweise entdeckt … ich nehme es mit, baue es auf, schleppe es wieder herunter.“ Weshalb er die Überreste seiner Arbeit am nächsten Tag geborgen hat, um sie wieder zurück nach Rheyd und nun nach Bonn zu transportieren. Verstümmelte Strohpuppen sehen wir und riechen wir, hinter ihnen laufen drei Projektionen des Festivals, schrill bunte, unzensierte Filme, schnelle Schwenks, alles irgendwie unaufhaltsam, schwindelerregend, kaum möglich danach die unheimliche Stille der sterbenden Dörfer im Einzugsgebiet des niederrheinischen Braunkohletagebaus zu verstehen. Die Hauptstraße, Garzweiler 2008 war damals schon tot, heute gibt es sie nicht mehr. Hinter einer im Dunkel liegenden Tür beginnt die Kette der Räume, deren unmittelbares Nacheinander eine ganz andere Lesart jedes einzelnen erbittet.

Bundeskunsthalle Bonn
Gregor Schneider Passageway No. 1 Deurle 2006 © Gregor Schneider / VG Bild-Kunst, Bonn 2016 Foto: David Ertl © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH

Die unheimliche Stille der Hauptstraße wird weitergeführt in einem Gang, hochglänzende Wände, Schiebetüren in dunklem Rot, der Boden – man riecht es – Linoleum, die Decke um die gleißenden Leuchten schallisoliert. Passageway Nr. 1 heißt die Arbeit, die einen Zellentrakt aus Guantanamo abbildet, so wie die, die lebend dort herausgekommenen sind, ihn beschrieben haben. Die Instrumente der Weißen Folter, die äußerlich keine Spuren hinterlassen, sind hier nicht sichtbar, doch spürbar, wie auch in den folgenden Räumen, Nasszelle und kalter Lagerraum. Und plötzlich wird auch eine Garage unheimlich, weil hier ein Alkoholiker einsam und heimlich gesoffen hat? Dann ein Badezimmer mit laufender Dusche, ein Kinderzimmer ohne Kindliches, muffige Kellerräume, eine Liebeslaube ohne Liebe und mitten darin der Sterberaum: Zwei Fenster, zwei Türen, Lampen, Parkettboden – ein Nachbau eines Zimmers aus Mies van der Rohes Haus Lange in Krefeld. Ihn sehen wir von außen, aus dem Dunkel, drinnen ist Licht. Als Schneider 2008 den Wunsch geäußert hatte, einen Menschen in einem Ausstellungsraum sterben zu lassen, bekam er Morddrohungen. Hier stirbt niemand, aber allein der Gedanke daran zeigt, dass der Tod nicht, wie Schneider es anregt, aus der Tabuzone herausgerissen werden kann.

Dennoch fühlt sich Wand an Wand an wie eine Tabuzone, Menschen liegen auf dem Boden, von denen zwei echt sein könnten. Alles, was wir hier sehen, in dem wir uns bewegen, sind erschreckende, weil echte Bilder.

Uta Winterhager

Gregor Schneider Wand vor Wand 2. Dezember 2016 bis 19. Februar 2017

Weitere Informationen auf der Seite der Bundeskunsthalle

Das Schönste Buch 2016

Über den Abend, an dem das Kölner Brückengrün zum Büchergrün ernannt wurde
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Architekturführer Köln. Foto: Jazel Poralla, großgestalten

Schon im Mai waren wir ganz außer uns vor Freude, als die Stiftung Buchkunst unseren Architekturführer in den erlesenen Kreis der „25 schönsten Bücher Deutschlands“ aufgenommen hatte. Als wir drei Herausgeber nun am Donnerstagabend zur Preisverleihung nach Frankfurt gereist sind, ahnten wir noch nichts, freuten uns sehr über den freundlichen Empfang im Frankfurter Museum Angewandte Kunst und wunderten uns ein wenig, dass uns dort jeder zu kennen schien. Aber das führten wir darauf zurück, dass wir vorab eine rege Emailkorrespondenz mit den Mitarbeiterinnen der Stiftung gehabt hatten.

Nachdem Katharina Hesse, Geschäftsführerin der Stiftung Buchkunst, alle 25 ausgezeichneten Bücher vorgestellt, und ihren Gestaltern/Autoren/Lektoren die Urkunde überreicht hatte, setzte der Literaturchef der FAZ Andreas Platthaus zu einer beachtenswerten und inzwischen viel zitierten Laudatio auf die immer noch geheimen Preisträger an. Und er sprach über Grün:

„… wir kennen Grasgrün und Smaragdgrün, Lindgrün und Seladongrün, Minzgrün und Olivgrün, Giftgrün und Frühlingsgrün, Pastellgrün und Knallgrün, Resedagrün und Sächsischgrün, Froschgrün und Quietschgrün, Hellgrün, Dunkelgrün und Suppengrün.“

Dann erst fiel das Stichwort „Kölner Brückengrün“ und auch wir haben endlich verstanden, dass unser kleiner, brückengrüner Architekturführer das „schönste deutsche Buch des Jahres 2016“ ist.

»Mit dem ›Architekturführer Köln‹ erlebt man sein grünes Wunder: Dem Anschein nach ein Taschenbuch, erweist sich der Band als erstklassig gestalteter Bildband, in dem die klassische Schwarzweißfotografie ein Bündnis mit der nicht minder strengen Typografie eingeht. Doch aufs Leichteste belebt und bewegt wird das Erscheinungsbild durch die grüne Zusatzfarbe, die vom Umschlag ins Innere wandert und dazu eine kleine Kölner Kulturgeschichte erzählt. Womit große Wirkung erzielt wird. So ist das ganze Buch ein dialektisches Spiel zwischen Schein und Sein, klein und groß, karg und reich. Und immer geht es zugunsten des Letzteren aus: Der ›Architekturführer Köln‹ ist ein grundlegendes Werk seines Genres, ein großes Meisterwerk der Gestaltung und somit ein wahres Juwel.«

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Die glücklichen Preisträger mit Urkunde und Umschlag (!) (v.l.n.r.): Tobias Groß, Uta Winterhager und Barbara Schlei mit Dr. Joachim Unseld (Vorstandsvorsitzender der Stiftung Buchkunst)., © Christoph Boekheler, Frankfurt am Main

 

An dieser Stelle möchten wir noch weiteres Zitat aus der Rede veröffentlichen, da uns gerade diese Wahrnehmung aus dem Munde eines so renommierten (Print-)Journalisten sehr erfreut hat:

»… die Texte im „Architekturführer Köln“ zeichnen sich trotz ihrer programmatischen Knappheit durch große Anschaulichkeit aus, und selbst der in solchen Büchern unvermeidliche Fachjargon ist aufs Nötigste beschränkt. Da zahlt sich die Herkunft der Publikation aus: die schon erwähnte Website des Vereins koelnarchitektur, genauer gesagt der dafür erstellte Architekturführer mit dem unschönen Germanglizismus „Bauwatch“, in dem jedoch jener zugängliche Sprachstil entwickelt wurde, der nun auch das büchergrüne Buch ziert. Wir klagen sonst so oft über den Qualitätsverlust von Internetjournalismus oder netzbasierter Publizistik generell – hier hat man ein leuchtendes Gegenbeispiel, auch wenn die einzelnen Beiträge fürs Buch noch einmal überarbeitet, ergänzt und gelegentlich auch verknappt worden sind. Die Übersetzung von der Netz- in die Buchkultur ist ebenso durchdacht erfolgt wie die Gestaltung des „Architekturführers Köln“, gerade weil beides eng zusammenhängt.«

Wir danken der Stiftung Buchkunst für diese Ehrung und Andreas Platthaus für die scharfsinnige Betrachtung unseres Buches mit all seinen inhaltlichen, gestalterischen und handwerklichen Facetten – aus der wir selbst noch etwas lernen konnten – und allen, die sich mit uns gefreut haben! Es macht uns schon ein wenig stolz, dass wir mit dem Vehikel des nun überaus populären Kölner Brückengrüns einen Beitrag für die Wahrnehmung der Architektur im allgemeinen und unserer Stadt im Besonderen leisten konnten.

 

Barbara Schlei, Uta Winterhager und Tobias Groß

 

Noch ein kleiner Hinweis: »… formal ein klassisches Taschenbuch, real jedoch eine bibliophile Schatztruhe und deshalb mit 24,80 Euro geradezu spottbillig.« Erschienen ist es im Verlag der Buchhandlung Walther König und dort wie in jedem anderen Buchladen zu erwerben.

 

Alle prämierten Bücher werden ab sofort auf große Wanderausstellung gehen und an zahlreichen Orten im In- und Ausland zu sehen sein. Den Start machen die Hamburger Bücherhallen (Vernissage mit Begleitprogramm am 13.09.2016). Auch die Kooperation mit dem Literaturhaus Frankfurt wird fortgeführt: Die 25 prämierten Bücher sind das ganze Jahr über im Foyer des Hauses zu sehen.

 

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25 schönste Bücher 2016. Foto: Stiftung Buchkunst, Frankfurt

 

 

Eins von 25 – Die schönsten Bücher 2016

Die Stiftung Buchkunst kürte die 25 »Schönsten deutschen Bücher« 2016 und unser Architekturführer KÖLN ist dabei. Wir freuen uns außerodertlich und feiern mit den großgestalten, durch die dieses Buch zu einem so auszeichnungswürdigen Schmuckstückchen geworden ist.
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Foto: Jazek Poralla, großgestalten

Im Wettbewerb der »Schönsten deutschen Bücher« wählten zwei Expertenjurys in einem aufwändigen Verfahren die 25 »Schönsten deutschen Bücher« aus. Im Jubiläumsjahr der Stiftung Buchkunst, die 2016 ihren 50. Geburtstag feiert, wurden 788 Titel eingesandt. In jeder der fünf Kategorien »Allgemeine Literatur«, »Fachbücher, Wissenschaftliche Bücher, Sachbücher, Schulbücher«, »Ratgeber«, »Kunstbücher, Fotobücher, Ausstellungskataloge« und »Kinderbücher, Jugendbücher« gibt es fünf Preisträger. Die 25 »Schönsten deutschen Bücher« sind vorbildlich in Gestaltung, Konzeption und Verarbeitung und zeigen eine große Bandbreite gestalterischer und herstellerischer Möglichkeiten. Die Auswahl berücksichtigt auch das leisere, solide gemachte Lesebuch. Die prämierten Bücher setzen Zeichen und zeigen wichtige Trends und Strömungen der deutschen Buchproduktion.

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Die fünf Schönsten der Kategorie „Ratgeber“ Foto: Copyright Uwe Dettmar, Frankfurt am Main

Die wunderbare Begründung der Jury:

Köln. Architektur. Ohne Dom und romanische Kirchen geht es normalerweise ja nicht. Dennoch: Köln ist eine Stadt des zwanzigsten Jahrhunderts und eine Stadt von heute – genau darum geht es in diesem kompakten Architekturführer. Kompakt erscheint er von außen: Der dreiseitige Farbschnitt verleiht dem stattlichen Umfang in griffigem Format auch optisches Gewicht. Er hat dieselbe Farbe wie die Schmuckfläche des Kartonumschlages. Kein Betongrau, kein Wappenrot – sondern ein gräuliches Grün, ein Stück Köln sozusagen, denn es zitiert die für die Stadt so bedeutenden modernen Brückenbauwerke über den Rhein.

Im Inneren ringt die Gestaltung dem handlichen Format maximale Großzügigkeit ab. Üppige Wirkung entfaltet sich aus minimalistischer Stringenz heraus. Die Schrift ist auf einen einzigen Schriftschnitt beschränkt – den fetten einer sehr geometrischen Serifenlosen mit markanten Ziffern. Für die Differenzierung der Textsorten genügen drei Schriftgrade. Die grüngraue Schmuckfarbe dient der Schriftauszeichnung, Kapitelgliederung und den Übersichtsplänen. Die winzigen Grundrisse oder Schnitte gewinnen Prägnanz, indem sie negativ gestellt sind – sehr ungewöhnlich, aber absolut dienlich.

Linke Seite Text, rechte Seite ein großes Bild mit konstanter Breite, ohne gestalterische Tricks und exotische Innovationen – so selbstverständlich und selbsterklärend sind die Teile aufeinander bezogen, dass das Buch in letzter Konsequenz auf Seitenzahlen verzichtet. Das schwarze Lesebändchen ist auch ein Zeichen besonderer Würde – fast wie bei einem Gebetbuch. Auch das passt zu Köln.

Und vielleicht dringt sogar ein Schuss kölsch-patriotischer Zentrismus durch das originelle Zielscheiben-Ö der monumentalen Titelzeile.

 

…und die nächste Etappe

Der mit 10.000 Euro dotierte »Preis der Stiftung Buchkunst« wird am 8. September 2016 im Rahmen der großen Preisverleihung in Frankfurt am Main bekannt gegeben. Er wird von einer dritten Jury aus den 25 »Schönsten deutschen Büchern« ausgewählt.

Seit 1966 begleitet die Stiftung Buchkunst mit Sitz in Frankfurt am Main und Leipzig kritisch die deutsche Buchproduktion. Ziel ist, die Qualität des Buches in technischer und künstlerischer Hinsicht zu fördern. Die Hauptaufgabe der Stiftung ist der Wettbewerb »Schönste deutsche Bücher«. Mit ihren Wettbewerben will die Stiftung Buchkunst den Blick der Öffentlichkeit über den Inhalt hinaus auf buchgestalterische und buchherstellerische Spitzenleistungen lenken und damit dem Medium Buch und seiner Form zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen. Zur Teilnahme zugelassen sind Bücher aus deutschen Verlagen, sowie Bücher aus ausländischen Verlagen, sofern die technische Produktion ausschließlich in Deutschland erfolgte.

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Die 25 Schönsten der Kategorie „Ratgeber“ Foto: Copyright Uwe Dettmar, Frankfurt am Main

Kölner Perspektiven

Schon wieder ein neues Buch über das Bauen in Köln, das mag für Erstaunen sorgen, denn hier liegen frisch erschienen die „Kölner Perspektiven“. Auf 160 Seiten stellen das Baudezernat und das Haus der Architektur Köln als Herausgeber mit mir als Autorin all jene Projekte vor, mit denen die großen Fragen des Planens und Bauens, des Wohnen und Arbeitens, von Natur, Kultur und Mobilität beantwortet werden sollen. Und damit präsentiert das Buch den Stand des Frühjahrs 2016, in dem die Ufertreppe sich bereits eine knappe Saison etablieren konnte, in dem auf Clouth grade die ersten Bewohner eingezogen sind und in dem mit Spannung verfolgt werden kann, wer die von Christ und Gantenbein geplante Erweiterung des Wallraf-Richartz-Museums bauen wird. Es erscheint als eine Momentaufnahme einer bewegten Zeit, in der vieles gleichzeitig passiert während anderes vielleicht zu stagnieren scheint. Diese Stadt ist nicht fertig, sie wird es auch nicht sein, wenn alles gebaut und bezogen ist, was in den Kölner Perspektiven noch als Visualisierung erscheint.

 

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Foto: Costa Belibasakis für Stadt Köln

Wachsen und Wandeln

Doch Wachstum und Wandel wollen gelenkt sein – wie das aus seiner Sicht geschehen kann, wie Köln die Phasen des Wachsens in der Vergangenheit immer wieder klug genutzt hat, aber auch, dass wir das Wachstum erst (mühsam) wieder erlernen müssen, erläutert Baudezernent Franz-Josef Höing in seinem einleitenden Essay „Köln kann wachsen“. Es gehe um größere, vielleicht sogar um große Pläne für Köln und um ihre schrittweise Umsetzung. Jedes der in diesem Buch vorgestellten Projekte ist demgemäß als einer dieser vielen Schritte zu betrachten, doch nicht nur ihre Summe – ja, es wird ein langer Marsch werden – jeder einzelne ist es wert, genauer betrachtet und gerne auch diskutiert zu werden. Denn auch dazu möchten die Kölner Perspektiven nicht nur die Fachleute, die es täglich tun, sondern jeden, der bereit ist, sich mit seiner gebauten Umwelt auseinander zu setzen, anhalten, zu diskutieren, sich einzubringen, Teil dieser Bewegung zu werden. So bieten die drei Stadtgespräche mit denen Christl, Drey als Vorsitzende des hdak von der anderen Seite auf die Projekte, Pläne und Visionen schaut, dazu zahlreiche Beispiele wie der Architekturdiskurs in Köln auch gerne mal auf der Straße ausgetragen wird.

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Von Innen und Außen betrachtet

Unter den Überschriften „Städtebau“, „Architektur“ und „Öffentlicher Raum“ ist das Buch in drei gleich gewichtete Kapitel gegliedert. Einleitend liest man dort jeweils ein Interview mit lokalen Akteuren: Franz-Josef Höing und die Leiterin des Stadtplanungsamtes Anne Luise Müller diskutieren über die Möglichkeiten der Stadt (ganz konkret, es geht um Köln) sich neu zu erfinden, Kathrin Möller (GAG) und Martin Frysch (Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft Köln Sülz) sprachen über den Wohnungsbau und waren sich einig, „die Architektur muss gut sein“. Und Beatrice Bülter (Kölner Grün Stiftung) und Joachim Bauer (Stellv. Leiter des Grünflächenamtes) kamen in ihrem Gespräch über die Kölner Grünräume zu der These, dass das Grün heute als Gemeingut verstanden wird.

 

Interessant ist auch der Blick von außen, nicht von ganz weit weg, sondern der von Planern und Architekten, die Köln kennen, aber von ihrem Wohn- und Arbeitsort in Dortmund oder Berlin und somit mit etwas Distanz auf die Stadt am Rhein schauen. Kunibert Wachten schrieb den Gastkommentar zum Städtebau, worin er verspricht, dass Kraftanstrengungen und Tabubrüche sich lohnen werden. Arno Brandlhuber klärt die Standard-Frage und macht Köln Mut beim Wohnen und Arbeiten mehr zu experimentieren, wobei er hier auf die Projekte seiner Kölner Jahre (das Wohn-und Atelierhaus am Kölner Brett sowie die Schreinerei und das Dentallabor in Riehl) verweist, wo er dies bereits praktizierte. Andreas Denk schreibt in seinem Essay „Am gedeckten Tisch“ ein Plädoyer für die Notwendigkeit des öffentlichen Raumes.

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Ist denn alles gut und schön?

Die Auswahl der Projekte oblag den Herausgebern, Subjektivität ist hier also Programm, und sie zeigt einmal mehr, wie groß die Bandbreite der Aufgabenstellungen ist, mit der sich auch die städtische Verwaltung auseinandersetzen muss. Da gibt es die großen Konversionsflächen, die Häfen, die Parkstadt Süd oder die ehemaligen Industrieareale in und um Ehrenfeld, aber auch die Notwendigkeit, den auf dem Roncalliplatz nicht mehr länger geduldeten Skatern einen adäquaten Ersatz zu bieten. Und das KAP686 ist inzwischen durchaus zum Vorzeigeprojekt geworden, genau wie der Familienpark unter der Zoobrücke. Kleine Flächen, die Lust machen auch an anderer Stelle und im großen Maßstab mutig zu denken, ob es nun ein ganzes Quartier oder nur ein kleiner Platz im Schatten des Domes wird.

Auch bei den Kulturbauten wird es interessant, einige der Projekte sind den Kölnern schon seit Jahren vertraut, weil sie es doch immer wieder in die Schlagzeilen der Lokalpresse geschafft haben. Doch es geht weiter mit der Oper, der Archäologischen Zone und auch mit dem Historischen Archiv, das – so der aktuelle Planungsstand – nun ein Geschoss niedriger wird als der Wettbewerbsentwurf von 2011. Und es gibt auch Neues, Wettbewerbe, die im Laufe des letzten Jahres entschieden wurden, wie der für die Hochschule für Musik und Tanz, der für die Generalsanierung des WDR Filmhauses oder die Heliosschule, zeigen sehr lebendig und facettenreich, wie das Köln von morgen heute gedacht wird. Bestimmt ist nicht alles, das in diesem Buch vorgestellt wird, jetzt schon zuende gedacht, Wettbewerbsentscheide wie der für die Neubebauung des Rudolfplatzes oder das Areal der Deutschen Welle wollen dringlich noch diskutiert werden, aber auch hier hilft das Buch, indem es anregt und informiert.

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Foto: Frederik Lezmi für Stadt Köln

Fast könnte man heute schon mit dem nächsten Band anfangen, denn das Planen und Bauen, das Spekulieren und Visionieren geht jeden Tag weiter, rechtsrheinisch und linksrheinisch, im Zentrum wie am Rand. Irgendwie doch ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass wir so schnell nicht fertig werden …

 

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Umschlagfoto: Thilo Schmülgen für Stadt Köln

Die „Kölner Perspektiven Städtebau – Architektur – Öffentlicher Raum“ wurden herausgegeben vom Dezernat Stadtentwicklung, Planen, Bauen und Verkehr der Stadt Köln mit dem Haus der Architektur Köln, Texte von Uta Winterhager u. a.

Das Buch ist im Jovis Verlag  erschienen und dort wie auch im Buchhandel für 29.95 € im Buchhandel erhältlich.

 

 

Sophie & Hans, Richard, Gustav und du!

Der Weg durch das das Arp Museum Bahnhof Rolandseck ist einzigartig, überraschend und – ja, auch ein bisschen verwirrend. Doch dieses Buch wird dich sicher durch die Tunnel und Schächte, in das Bergwerk und auf den Berg führen.

Es erklärt dir die Architektur von Richard Meier und plötzlich ist Weiß nicht mehr Weiß. Es stellt dir Sophie Taeuber-Arp vor und spielt ein bisschen Theater. Es macht dich mit Hans Arp und seinem Nabel bekannt. Es führt dich in Gustav Raus Schatzkammer und weckt deine Sammelleidenschaft. Und wenn du denkst, du hast alles gesehen, lässt es dich am Fenster noch einmal staunen!

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Ab 15. November 2015 im Arp Musuem Bahnhof Rolandseck erhältlich: „Sophie & Hans, Richard, Gustav & du!“ © Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Uta Winterhager 2015

Immer mehr Museen kümmern sich intensiv darum, die Kinder ins Museum zu holen, bieten Workshops, Kinderführungen oder wie das Museum Ludwig sogar einen eigens eingerichtetes ART LAB an. Auch das Arp Museum Bahnhof Rolandseck bietet ein vielfältiges Programm an, das die Kinder, inspiriert von Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp, aber auch von den Themen der Jahresausstellungen, basteln, bauen, drucken, collagieren, zeichnen aber auch dada-dichten lässt. Schon länger wünschte sich Annette Krapp, die derzeitige Leiterin der Kunstvermittlung, einen Kinderführer für das Museum, fand Unterstützung bei Museumsdirektor Oliver Kornhoff und konnte die notwendigen Mittel zur Umsetzung akquirieren.

Auch bei mir stieß sie auf große Begeisterung, nicht, weil ich denke, dass Kinder notwendigerweise alle ihre Nachmittage und Wochenenden im Museum verbringen sollten, sondern weil es um das Arp Museum ging, bei dem sich die natürliche Abwehrreaktion der Kinder gegen elterlich verordnetes Kulturprogramm spätestens im zweiten Tunnel vollkommen verflüchtigt hat und von großer Entdeckerfreude abgelöst wird. Man muss die Kinder also kaum mehr überreden – das Museum selbst, Architektur und Kunst sind überzeugend genug. Den Kuchen-mit-Aussicht auf der wunderbaren Terrasse des historischen Bahnhofs haben sich sowieso alle verdient.

Auf 64 Seiten entdecken nun „Sophie & Hans, Richard, Gustav und du!“ das Museum. Mit den Hauspatronen Sophie Taeuber-Arp und Hans Arp, dem Architekten Richard Meier und dem Sammler Gustav Rau sind wir per Du und widmen jedem von ihnen ein Kapitel.

 

Abbildung aus „Sophie & Hans, Richard, Gustav & du!“ © Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Uta Winterhager 2015

 

 

Richard Meier hat das Museum gebaut

Bahnhof, Bergwerk, Burg – so lässt sich die Idee des Museums aufs Kürzeste zusammenfassen. Doch der Weg vom Bahnhof bis oben auf den Berg ist voller Überraschungen: Tunnel, Treppen, Schächten, eine Schatzkammer, eine Stimme aus dem Nichts, ein Drachenbaby spielt vor dem Fenster und an der Decke leuchtet die Schlange Kaa. Dieser architektonische Spaziergang, der vor die Kunst noch einen wunderbaren Ausblick über das Rheintal stellt, ist kein Zirkus, nicht animiert und vollkommen analog. Die einzigen beiden Knöpfe, die es hier zu drücken gibt, sind die des Aufzugs – vielleicht ist es das, was den Besuch so überzeugend macht. Wie Richard das Museum entworfen hat, erklärt der Kinderführer, wie man von unten nach oben kommt und warum alles Weiß ist. Er bietet aber auch Platz für die Dokumentation des eigenen Architekturspaziergangs – wer sagt denn, dass jeder unterwegs das gleiche sieht? – und einen Schnittplan für eine kleine Meierei, das winzigste Museum der Welt.

 

Abbildung aus „Sophie & Hans, Richard, Gustav & du!“ © Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Uta Winterhager 2015

 

 

Sophie Taeuber-Arp ließ die Punkte tanzen

Sophie hat soviel gemacht, sie hat gewebt, gestickt, gezeichnet, gemalt, genäht, Kostüme und Bühnenbilder entworfen und auch getanzt. Hier taucht zwar auch mal so ein Begriffe auf wie „geometrische Abstraktion“ und „konkrete Kunst“, um ihr Schaffen zu beschreiben, aber wer weiß, wo man damit noch einmal irgendwann punkten kann. Hier tauchen dann auch noch zwei weitere Protagonisten auf, König Hirsch und der Papagei, die nicht nur den Kinderführer bespielen, sondern als Hampelmänner das Kinderzimmer schmücken können. Viele der Zeichenspiele und Basteleien können und sollen sogar vor Ort im Museum gemacht werden. Benötigtes Material, Schere, Stifte, Kleber kann man an der Kasse ausleihen.

 

Abbildung aus „Sophie & Hans, Richard, Gustav & du!“ © Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Uta Winterhager 2015

 

 

Hans Arp spielte mit Worten und Bildern

Auch das Werk von Hans ist unglaublich vielfältig, erschließt sich jedoch mit seiner Dada-Logik den Kindern manchmal schneller als den Eltern. Wichtigstes Utensil, da Schlüssel zu seinem Werk ist hier der Nabel. Als Nabelmonokel in verschiedenen Größen zum Ausschneiden im Buch, als Wort oder kleine Skulptur. Auch hier wieder zeigen wir keine Angst vor schwierigen Worten und wagen uns an „Konstellationen“ und „Metamorphosen“. Und dann etwas, das vor allem die Lektorin schockierte: Die Zufalls-Zerrupf- und-Verschmier-Collage. Was bei Hans als Unglück wegen eines undichten Daches begann, wird hier zur Aufgabe. Schmiere die Seite im Buch voll mit Kleister und lasse die Schnipsel einer alten Zeichnung ganz zufällig darauf fallen. Wenn sie zufällig nicht schön gelandet sind, kannst du (denn das hat Hans auch gemacht) noch richtig schön zufällig hinschieben. Wenn du das Buch zuklappst, bevor der Kleister trocken ist, gibt es sogar noch eine vollkommen zufällige Sandwich-Collage, denn die Seiten gehen nie wieder freiwillig auseinander.

 

Abbildung aus „Sophie & Hans, Richard, Gustav & du!“ © Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Uta Winterhager 2015

 

 

Sophie, Hans und ihre Freunde

Kunst zu machen war für das Künstlerpaar Arp kein nine-to-five-Job, egal was sie machten, ihre Kunst und ihr Leben waren eins. Es gibt Duo-Arbeiten der beiden, aber auch viele sehr kuriose Fotos und Produkte von Zeichenspielen, an denen ihre Freunde (man kennt sie: Tristan Tzara, Hugo Ball, Max Ernst u.a.) beteiligt waren. Zu sehen sind die Ergebnisse im Museum, im Kinderführer ist alles zum Nachmachen und Ausprobieren vorbereitet.

 

Abbildung aus „Sophie & Hans, Richard, Gustav & du!“ © Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Uta Winterhager 2015

 

Gustav Rau sammelte Kunst und half Kindern

Und plötzlich stand die Frage im Raum, ob wir denn Gustav Rau einfach so beim Vornamen nennen dürfen. Gestellt hatte sie eine Dame bei Unicef, der wir das Manuskript vor der Veröffentlichung vorgelegt hatten. Ob das nicht ein wenig respektlos sei, denn immerhin habe Dr. Dr. Gustav Rau dem Kinderhilfswerk eine einzigartige Kunstsammlung hinterlassen, damit in seinem Sinne auch nach seinem Tod Kindern in Not geholfen werden könne? Das ließ sich dann doch schnell klären, denn Gustav wird wie alle anderen Personen im Kinderführer mit einem Steckbrief in angemessener Form vorgestellt. Und ebenso seine einzigartige Sammlung, die der Kinderarzt mit großer Fachkenntnis und ebenso großer Leidenschaft angelegt hat, und die nun in der Kunstkammer Rau in wechselnden thematisch ganz unterschiedlichen Ausstellungen präsentiert wird. Und weil alle Kinder naturgegeben Sammler sind, finden sie im Buch eine Anleitung, wie sie eine eigene Sammlung (von Muscheln, Nabeln oder Milchstraßentränen) fast professionell anlegen können.

 

Das AAH! und OOH! am Fenster

Aus dem Dunkel des Aufzugsschachts nach oben katapultiert, muss man einfach am Fenster stehen und entweder Aah! oder Ooh! oder vielleicht sogar beides machen. Die Rheinromantik, die dem Museum die bestmögliche Kulisse bietet, ist hier erstaunlich wild und unverbaut. So dass man irgendwie immer darauf wartet, dass die Loreley ihr Lied anstimmt, Ritter Roland seine Hildegard aus dem Kloster Nonnenwerth befreit oder der Drache aus seiner Höhle am gegenüberliegenden Drachenfels nicht wenigstens ein kleines Feuerchen spuckt. Irgendwie passt es alles, die großen Fenster des Museums und die Geschichte des Ortes, die mit dem Bahnhof begann, der damals noch in dicke Schwaden der Dampfloks gehüllt, bei Künstlern, Dichtern, Musikern und Malern sowie den wohlhabenden Kölner als attraktives Reiseziel galt.

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Abbildung aus „Sophie & Hans, Richard, Gustav & du!“ © Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Uta Winterhager 2015

 

Am Sonntag, dem 15. Dezember 2015 wird „Sophie & Hans, Richard, Gustav und du!“ bei dem Familienfest im Arp Museum Bahnhof Rolandseck,  das im Rahmen des Kinder-Lesefestes Käp’n Book  stattfindet, vorgestellt. Wer Lust hat, kann dann zwischen 11 und 17 Uhr mit mir Sachen aus dem Buch ausprobieren und sich Autorenlesungen anhören. Auch dafür ist das Museum ein wunderbare Bühne – und, da Familienfest ist, ist der Eintritt kostenlos.

 

Der Kinderführer ist ab 15. November 2015 für 9,80 € im Shop des Arp Museums Bahnhof Rolandseck erhältlich.

Architekturführer KÖLN

Fast kommt es uns so vor, als hätten wir ein kleines Haus gebaut, dabei haben wir nur ein Buch geschrieben. Denn auch das passiert nicht von jetzt auf gleich.

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Foto: © Jazek Poralla / großgestalten, Köln

Im Herbst sind es 15 Jahre, dass wir mit koelnarchitektur.de im Netz über die Architektur in Köln berichten. Doch wir wollten noch einmal zurück aufs Papier, um gemeinsam mit großgestalten und dem Verlag Walther König ein Buch für Kölner und Köln-Besucher, für Architekten und Architekturinteressierte zu machen, das so schön ist, dass man es auf den Sofatisch legt, dass so gut ist, dass man es ins Regal stellt und immer wieder zur Hand nimmt und so praktisch, dass man es eigentlich immer in der Tasche haben könnte. Und ehrlich gesagt – wir wollten dieses Buch auch machen, bevor es jemand anders tut.

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Kolumba trägt die Nummer 001 – natürlich, denn nicht nur in der Ordnung der Projekte von Innen nach Außen nimmt das Museum die zentrale Position ein, sondern auch, weil diese vielfach ausgezeichnete Architekturikone viel dazu beigetragen hat, die Architektur in Köln zu thematisieren. © Architekturführer Köln

 

Köln bietet eine Fülle qualitätvoller, außergewöhnlicher und beispielhafter Bauten und Quartiere. Doch nicht jedem erschließt sich der baukulturelle Schatz direkt und die Stadt kämpft mit einer Front hartnäckiger Vorurteile. Doch wir helfen gerne bei der Vermittlung. So zeigen die rund 100 Projekte des Architekturführers, wie die Baukultur seit 1932 in Köln Gestalt angenommen hat. Obschon der Fokus der Betrachtung auf der zeitgenössischen Architektur liegt, hat das Erbe der großen Baumeister seit Kriegsende einen so maßgeblichen Einfluss ausgeübt, dass auch 15 historische Bauten exemplarisch vorgestellt werden.

Das älteste vorgestellte Gebäude ist St. Engelbert in Riehl (053) von Dominikus Böhm, das jüngste ist die Ufertreppe am Deutzer Rheinboulevard (102) von planorama, die kurz vor ihrer Eröffnung steht.

Fünf von uns konzipierte und in der Praxis vielfach erprobte Architekturspaziergänge ergänzen die Projektporträts. Die zwischen 360 Meter und drei Kilometer langen Touren durch die Innenstadt, den Rheinauhafen oder auch weniger prominente Quartiere werden jeweils auf zwei Doppelseiten in Text und Bild sowie einem Kartenausschnitt so beschrieben, dass auch Ortsfremde sie leicht nachlaufen können.

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Den 360 Meter langen Architekturspaziergang um den Gürzenich schafft man auch fast beim Umsteigen zwischen zwei Zügen. Viel zu sehen gibt es trotzdem: von vorgestern, gestern, heute und mit ein wenig Phantasie auch das, was morgen erst gebaut wird. © Architekturführer Köln

 

Die Gestaltung des Buches zeigt die Handschrift von großgestalten Kommunikationsdesign, Köln. Mit großer Sorgfalt und einem außergewöhnlichen Interesse haben Tobias Groß und seine Mitarbeiter ein kleines Architekturpraktikum absolviert, denn neben Layout und Satz haben sie für jedes Projekt einen stilisierten Grundriss oder Schnitt gezeichnet, sowie Karten der Stadtbezirke und Spaziergänge.

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Was drinsteht, steht drauf. Umschlagrückseite des Architektuführers. Grafische Gestaltung: großgestalten, Köln

 

Der Architekturführer Köln ist grün, genauer „Kölner Brückengrün“. Diese schöne Farbe hat Oberbürgermeister Konrad Adenauer 1929 allen städtischen Rheinbrücken verordnet, denn neben der Einheitlichkeit wünschte er sich auch Lichtbeständigkeit und sofortige Patina. Bis heute bleibt die Stadt dieser Farbe treu, die für uns auch ein Ausdruck eines weitsichtigen baukünstlerischen Gestaltungswillens ist.

 

Zur Handhabung: Der Architekturführer Köln ist in acht Stadtbezirke gegliedert, daran anschießend finden sich fünf Spaziergänge. Die Nummerierung läuft von 000 bis 103 durch. Auf der Seite unseres Online Architekturführers Bauwatch gibt es noch weitere Informationen, Bilder und Pläne, wenn Sie dort die Projektnummer im Feld Objekt ID eingeben.

 

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Wer hat’s gemacht? Von links: Tobias Groß, Uta Winterhager und Barbara Schlei. Foto: Daniel Rech, Köln

 

Unseren Sponsoren, der StadtBauKultur NRW, der Stadt Köln, BOS, der GAG Immobilien AG, JUNG, dem Kap Forum, dem ROTONDA Business-Club, der Fritz Thyssen Stiftung, der Friedrich Wassermann GmbH, den 72 Fotografen und allen, die uns auf unterschiedlichste Weise bei der Arbeit an diesem Buch unterstützt und vorangebracht haben, möchten wir herzlich danken.

 

Uta Winterhager und Barbara Schlei

 

Zur Rezension von Christian Wendling / Phase 10 hier klicken!

Zur Rezension von Christine Meyer im  Kölner Stadtanzeiger Online hier klicken!

 

Inhalt:

99 Projektporträts (darunter 15 historische Bauten, 6 Quartiere und der Masterplan Innenstadt)

5 Architekturspaziergänge (Innenstadt, Gerling-Quartier, Gürzenich-Block, Rheinauhafen, Rheinboulevard Deutz)

160 Schwarzweiß Fotografien, 17 Karten

 

Zahlen und Fakten:

Architekturführer Köln, Zeitgenössische und Moderne Bauten und Quartiere

herausgegeben von: Barbara Schlei, Uta Winterhager und Tobias Groß

Mit Texten von Uta Winterhager, Barbara Schlei, Ira Scheibe, Katja Hasche

72 Fotografen

Erscheinungsdatum: 22. Mai 2015

Broschiert: 252 Seiten, Sprache: Deutsch

Verlag: Walther König, Köln

ISBN-10: 3863357205 / ISBN-13: 978-3863357207

Verkaufspreis: 24,80 Euro

Kochen, Waschen, Spielen und Studieren

 

In der Bonner Innenstadt wohnen jetzt andere in den schönen Gründerzeithäusern, die Studenten rücken an den Rand. Uwe Schröder bietet ihnen mit dem ROM.HOF eine Neuinterpretation eben jenes Anteils an der Stadt an, der ihnen abhanden gekommen ist. Typologiegerecht und unmissverständlich bietet das Hofhaus Schutz gegen die feindliche Außenwelt und fokussiert die Gemeinschaft auf ihre Mitte.

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Der obere Hof mit Brunnen. Foto © Uta Winterhager

 

In Dransdorf, wo es rechts und links der Ausfallstraße schon grün aber nicht schön wird, steht der ROM.HOF wie eine Festung. Nur eine Gehwegbreite ist er vom Straßenrand zurückgesetzt, und, wie der Blick von der Seite zeigt, mit dem untersten Geschoss in die Böschung geschoben. Der Name deutet es an, die Symmetrie ist hier Programm. Nichts ist, wie bei den Nachbarn, der Zeit oder dem Zufall überlassen. Das ist nicht als Kritik am Ort zu verstehen, sondern als ein neuer Anfang mit großer Konzentration auf sich selbst.

Die vier Ansichten sind streng gegliedert, elf Achsen zu jeder Seite, drei Geschosse vorne, vier hinten. Die Straßenansicht dominiert das in der Mittelachse liegende doppelgeschosshohe Tor, dessen romanischen Rundbogen die Fensteröffnungen 31mal wiederholen. Doch sind hier nur die Öffnungen im Mauerwerk zu sehen, nicht die Fenster selbst, deren schmale, fast schwarze Rahmen das Dunkel schluckt. So wirkt der Bau kaum wie ein Wohngebäude, erscheint nicht nur ortsfremd, sondern auch vollkommen aus der Zeit gefallen.

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Grundriss EG ROM.HOF Plangrafik © Uwe Schröder, Bonn

 

 

Von der Straßenseite, wie auch spiegelgleich von der Gartenseite aus, erschließt der große Tordurchgang das Gebäude. Während der Weg an der niedrigen Mauer, die den Hof umgibt, stoppt und nach links und rechts in Laubengänge umgelenkt wird, ist der Blick in der Längsachse frei bis in das noch wilde Grün des Gartens. Der Grundriss ist quadratisch, so auch der Hof. Dieser ist genau das, was er in der Baugeschichte immer schon gewesen ist: geometrischer Mittelpunkt des Hauses und Treffpunkt der Gemeinschaft. Davon ausgehend nimmt die Privatheit radial zu. Die umlaufenden offenen Laubengänge erschließen über einen kleinen Vorraum, dem Bad und Küchenzeile zugeordnet sind, die 93 Studentenzimmer. Diese sind zwar nach außen orientiert, doch ist ihnen jeweils eine kleine Loggia vorgelagert, die als Studiolo den privatesten und einsamsten Bereich des Hauses bildet.

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Das Herz des ROM.HOfs: das Waschhaus. Foto © Uta Winterhager

 

 

Das Zentrum dieser komplexen kleinen Welt bildet das Waschhaus, das quer in den Hof hinein gestellt wurde. Ausgerechnet das Wäschewaschen wird so zum zentralsten Akt des gemeinschaftlichen Wohnens. So einen Ort gibt es bereits mitten in der Stadt ganz in der Nähe von Uwe Schröders Büro. Hier wird, solange die Kleider waschen und trocknen, gegessen und getrunken, geredet und gewartet. Irgendeiner spielt immer Klavier, die Raucher sitzen vor der Tür. Das alles ist nicht schick, aber echt. Im ROM.HOF bietet eine lange Reihe Münzwaschautomaten nun den gleichen Grund zu kommen und zu bleiben. Für einsame Momente gibt es einen Fernseher, doch vielversprechender scheint der Blick aus den Fenstern. Das Waschhaus teilt den offenen Bereich in zwei Höfe, die, der Topografie des Hauses geschuldet, als Oberer und Unterer Hof bezeichnet werden, so dass es, wenn das Angebot angenommen wird, auch hier immer etwas/jemanden zu sehen geben wird. Archaische Elemente geben den Höfen eine Funktion und ordnen sie den angrenzenden Räumen zu. Im Oberen Hof, der auf dem gleichen Niveau liegt wie der Waschraum, spielt ein Brunnen an der Stelle des römischen Impluviums mit dem Wasserthema, im Unteren Hof, der der unter dem Waschraum liegenden Gemeinschaftsküche zugeordnet ist, bietet eine Feuerstelle ein ebenso altertümliches Abbild des Kochens.

Kochen, Waschen und in der obersten Etage Spielen, sind die Angebote, die das Haus seinen Bewohnern macht. Im besten Fall kann hier wirklich eine Gemeinschaft entstehen, wenigstens jedoch eine informelle (und somit politisch korrekte) Art sozialer Kontrolle.

Aus der Entfernung wirkt der ROM.HOF so streng, dass es schwer auszuhalten ist, doch bricht der ebenso spielerische wie handwerkliche Charakter des Mauerwerks die trutzige Haltung der Fassade auf, bevor sie zwanghaft werden kann. Die Vorsatzschale aus Wasserstrichziegeln ist überraschend rau. Auch wenn sie nichts trägt außer sich selbst, traut man ihr mehr zu, denn Schröder setzte den Ziegel so ein, dass er zeigt, was er am besten kann, weil er es alleine kann. Gemauert sind die Bögen der Fensteröffnungen und die Tonnen der großen Toröffnungen. So etwas gab es, auch wenn es so nahe liegt, lange nicht mehr.

Schröder selbst nennt es die »Botanik der Wand« mit der er die Eigenschaften dieser Fassade beschreibt: Wo sie sich dem Boden nähert, ist sie dunkelrot, so haben das gartenseitige Sockelgeschoss und der Untere Hof den höchsten Rotanteil, mit dem Emporwachsen der Wände bis zur Attika steigt der Anteil an erdigem Gelb. Der wilde Verband, der Läufer, Kopf- und Lagerseiten der Ziegel zeigt, bricht das starre Raster der Fugen auf, das sich verästeln und verlieren darf. Doch auch hier gibt es Regeln. Prozentwerte für die Farbanteile, die von den Architekten für jeden Abschnitt festgelegt wurden und weil dies noch nicht ausreichte, um den Zufall zu kontrollieren, exakte Pläne, die Farbe, Lage und Ausrichtung jedes einzelnen Ziegels bestimmten.

Diese Fassade ist das offizielle oder öffentliche Gesicht des ROM.HOFs zur Straße aber auch in den Höfen. Hier wie dort sind die Fenster, wenn die Öffnungen geschossen werden mussten, auf ein Minimum an Material und Sichtbarkeit reduziert. Matt anthrazit gestrichene Stahlrahmen, adaptierte Industrieprofile, die entsprechend den klimatischen Anforderungen bündig sitzen oder in den Treppenhäusern zur Ventilation mit Winkeln auf Abstand zur Laibung gehalten werden.

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Mediterrane Details imTreppenhaus des.HOFs. Foto © Uta Winterhager

 

 

In dieser harte und rauen Schale sitzen die Wohnungen geschützt durch die Pufferzonen, die Loggien und die Laubengänge zwischen ihnen und dem Außenraum bilden. Doch ist die Stimmung mediterran gedacht, klammert die Existenz kalter, nasser und dunkler Tage, an denen es in den Höfen, Lauben und Loggien sehr ungemütlich werden könnte, einfach aus. Doch wenn man das Studium als eine experimentelle Phase begreift, in der man sich auf vieles einlassen kann, um die Dinge von Grund auf zu verstehen, ist dies eine perfekte kleine Welt.

Wer den ROM.HOF verstehen möchte, muss die Gesetzmäßigkeit seiner Farben kennen. Denn außer den roten und gelben Ziegeln der Außenwände gibt es noch ein zweites, überraschend polychromes System für die inneren Wände, Decken und Türen. Alle Decken in den gemeinschaftlich genutzten Räumen, Treppenhäusern, Laubengängen und Loggien sind mit einem matten, mineralischen Blau „weggestrichen“, wie Schröder es beschreibt. Haus und Himmel geben mit Rot, Gelb und Blau die Hauptfarben vor, die Farben der untergeordneten Flächen Grün, Purpur und Beige lassen sich daraus mischen. Die innere Seite der Laubengänge, sowie die Innenwände von Waschhaus und Treppen sind glatt geputzt und in einem kartonfarbenen Beige gestrichen, das Anteile beider Ziegelfarben enthält. Die Wandfarbe der Loggien / Studioli ergab sich aus der Addition des Himmelblaus mit der jeweils im Ziegelmauerwerk dominierenden Farbe. So sind die Loggien in den unteren Geschossen, wo die Wände einen hohen Rotanteil haben, Purpur gestrichen, in den oberen Geschossen, wo der gelbe Ziegel überwiegt, in Grün. In den Wohnungen gibt es keine Farben, mit weißen Wänden, grauem Linoleumboden und klar lackierten Holzprofilen bieten sie den Bewohnern keine fordernde Kulisse, sondern ein Höchstmaß an Neutralität.

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Deckengemälde im Waschhaus des ROM.HOF. Foto © Uta Winterhager

 

Auf fast schon subversive Weise entwickelte der Maler Detlef Beer das Himmelsbild der blauen Decken weiter – dort wo der Architekt Farbe bestimmt hat, verhinderte er sie. Der zentralen Position des Waschhauses entsprechend, klebte er die Decke dort vor dem Anstrich ab, so dass danach eine stilisierte weiße Sonne blieb. An der Decke der Gemeinschaftsküche zeichnete er auf die gleiche Weise ein Sternenbild mit 93 Punkten, jeder nicht größer als ein Fingerabdruck. Ein einzelner Stern ist über dem Kicker im Spieleraum platziert. Sehr romantisch und ein wenig geheimnisvoll ist die Fortschreibung in den Studioli, wo, wer den Blick hebt, den Namen seines Sterns in kleinen Buchstaben an der Decke ausgespart liest. Selten ist der Dialog zwischen Kunst und Architektur so spannend wie hier, wo beide mehr können als sie müssen.

Von außen betrachtet passt die Schablone dieses archaischen Lebensstils gut auf die studentischen Bedürfnisse. Kochen, waschen, spielen und studieren, alles hat seinen Platz, der einzelne wie die Gemeinschaft. Schlüssig ist die Form in ihrer Eigenlogik, nur einer zeitlichen Einordnung entzieht sich der ROM.HOF vollkommen. Er hat mehr von gestern als von heute, so als hätte er schon alles gesehen und das Beste davon behalten. Obschon nicht gedämmt, ist dies auch eine Form der Nachhaltigkeit.

 

 

Dieser Beitrag erschien  in der Bauwelt 37/2014.

Zur Internetseite des Architekten Uwe Schröder und des Künstlers Detlef Beer.