Stiftung Buchkunst

Das Schönste Buch 2016

Über den Abend, an dem das Kölner Brückengrün zum Büchergrün ernannt wurde
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Architekturführer Köln. Foto: Jazel Poralla, großgestalten

Schon im Mai waren wir ganz außer uns vor Freude, als die Stiftung Buchkunst unseren Architekturführer in den erlesenen Kreis der „25 schönsten Bücher Deutschlands“ aufgenommen hatte. Als wir drei Herausgeber nun am Donnerstagabend zur Preisverleihung nach Frankfurt gereist sind, ahnten wir noch nichts, freuten uns sehr über den freundlichen Empfang im Frankfurter Museum Angewandte Kunst und wunderten uns ein wenig, dass uns dort jeder zu kennen schien. Aber das führten wir darauf zurück, dass wir vorab eine rege Emailkorrespondenz mit den Mitarbeiterinnen der Stiftung gehabt hatten.

Nachdem Katharina Hesse, Geschäftsführerin der Stiftung Buchkunst, alle 25 ausgezeichneten Bücher vorgestellt, und ihren Gestaltern/Autoren/Lektoren die Urkunde überreicht hatte, setzte der Literaturchef der FAZ Andreas Platthaus zu einer beachtenswerten und inzwischen viel zitierten Laudatio auf die immer noch geheimen Preisträger an. Und er sprach über Grün:

„… wir kennen Grasgrün und Smaragdgrün, Lindgrün und Seladongrün, Minzgrün und Olivgrün, Giftgrün und Frühlingsgrün, Pastellgrün und Knallgrün, Resedagrün und Sächsischgrün, Froschgrün und Quietschgrün, Hellgrün, Dunkelgrün und Suppengrün.“

Dann erst fiel das Stichwort „Kölner Brückengrün“ und auch wir haben endlich verstanden, dass unser kleiner, brückengrüner Architekturführer das „schönste deutsche Buch des Jahres 2016“ ist.

»Mit dem ›Architekturführer Köln‹ erlebt man sein grünes Wunder: Dem Anschein nach ein Taschenbuch, erweist sich der Band als erstklassig gestalteter Bildband, in dem die klassische Schwarzweißfotografie ein Bündnis mit der nicht minder strengen Typografie eingeht. Doch aufs Leichteste belebt und bewegt wird das Erscheinungsbild durch die grüne Zusatzfarbe, die vom Umschlag ins Innere wandert und dazu eine kleine Kölner Kulturgeschichte erzählt. Womit große Wirkung erzielt wird. So ist das ganze Buch ein dialektisches Spiel zwischen Schein und Sein, klein und groß, karg und reich. Und immer geht es zugunsten des Letzteren aus: Der ›Architekturführer Köln‹ ist ein grundlegendes Werk seines Genres, ein großes Meisterwerk der Gestaltung und somit ein wahres Juwel.«

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Die glücklichen Preisträger mit Urkunde und Umschlag (!) (v.l.n.r.): Tobias Groß, Uta Winterhager und Barbara Schlei mit Dr. Joachim Unseld (Vorstandsvorsitzender der Stiftung Buchkunst)., © Christoph Boekheler, Frankfurt am Main

 

An dieser Stelle möchten wir noch weiteres Zitat aus der Rede veröffentlichen, da uns gerade diese Wahrnehmung aus dem Munde eines so renommierten (Print-)Journalisten sehr erfreut hat:

»… die Texte im „Architekturführer Köln“ zeichnen sich trotz ihrer programmatischen Knappheit durch große Anschaulichkeit aus, und selbst der in solchen Büchern unvermeidliche Fachjargon ist aufs Nötigste beschränkt. Da zahlt sich die Herkunft der Publikation aus: die schon erwähnte Website des Vereins koelnarchitektur, genauer gesagt der dafür erstellte Architekturführer mit dem unschönen Germanglizismus „Bauwatch“, in dem jedoch jener zugängliche Sprachstil entwickelt wurde, der nun auch das büchergrüne Buch ziert. Wir klagen sonst so oft über den Qualitätsverlust von Internetjournalismus oder netzbasierter Publizistik generell – hier hat man ein leuchtendes Gegenbeispiel, auch wenn die einzelnen Beiträge fürs Buch noch einmal überarbeitet, ergänzt und gelegentlich auch verknappt worden sind. Die Übersetzung von der Netz- in die Buchkultur ist ebenso durchdacht erfolgt wie die Gestaltung des „Architekturführers Köln“, gerade weil beides eng zusammenhängt.«

Wir danken der Stiftung Buchkunst für diese Ehrung und Andreas Platthaus für die scharfsinnige Betrachtung unseres Buches mit all seinen inhaltlichen, gestalterischen und handwerklichen Facetten – aus der wir selbst noch etwas lernen konnten – und allen, die sich mit uns gefreut haben! Es macht uns schon ein wenig stolz, dass wir mit dem Vehikel des nun überaus populären Kölner Brückengrüns einen Beitrag für die Wahrnehmung der Architektur im allgemeinen und unserer Stadt im Besonderen leisten konnten.

 

Barbara Schlei, Uta Winterhager und Tobias Groß

 

Noch ein kleiner Hinweis: »… formal ein klassisches Taschenbuch, real jedoch eine bibliophile Schatztruhe und deshalb mit 24,80 Euro geradezu spottbillig.« Erschienen ist es im Verlag der Buchhandlung Walther König und dort wie in jedem anderen Buchladen zu erwerben.

 

Alle prämierten Bücher werden ab sofort auf große Wanderausstellung gehen und an zahlreichen Orten im In- und Ausland zu sehen sein. Den Start machen die Hamburger Bücherhallen (Vernissage mit Begleitprogramm am 13.09.2016). Auch die Kooperation mit dem Literaturhaus Frankfurt wird fortgeführt: Die 25 prämierten Bücher sind das ganze Jahr über im Foyer des Hauses zu sehen.

 

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25 schönste Bücher 2016. Foto: Stiftung Buchkunst, Frankfurt

 

 

Eins von 25 – Die schönsten Bücher 2016

Die Stiftung Buchkunst kürte die 25 »Schönsten deutschen Bücher« 2016 und unser Architekturführer KÖLN ist dabei. Wir freuen uns außerodertlich und feiern mit den großgestalten, durch die dieses Buch zu einem so auszeichnungswürdigen Schmuckstückchen geworden ist.
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Foto: Jazek Poralla, großgestalten

Im Wettbewerb der »Schönsten deutschen Bücher« wählten zwei Expertenjurys in einem aufwändigen Verfahren die 25 »Schönsten deutschen Bücher« aus. Im Jubiläumsjahr der Stiftung Buchkunst, die 2016 ihren 50. Geburtstag feiert, wurden 788 Titel eingesandt. In jeder der fünf Kategorien »Allgemeine Literatur«, »Fachbücher, Wissenschaftliche Bücher, Sachbücher, Schulbücher«, »Ratgeber«, »Kunstbücher, Fotobücher, Ausstellungskataloge« und »Kinderbücher, Jugendbücher« gibt es fünf Preisträger. Die 25 »Schönsten deutschen Bücher« sind vorbildlich in Gestaltung, Konzeption und Verarbeitung und zeigen eine große Bandbreite gestalterischer und herstellerischer Möglichkeiten. Die Auswahl berücksichtigt auch das leisere, solide gemachte Lesebuch. Die prämierten Bücher setzen Zeichen und zeigen wichtige Trends und Strömungen der deutschen Buchproduktion.

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Die fünf Schönsten der Kategorie „Ratgeber“ Foto: Copyright Uwe Dettmar, Frankfurt am Main

Die wunderbare Begründung der Jury:

Köln. Architektur. Ohne Dom und romanische Kirchen geht es normalerweise ja nicht. Dennoch: Köln ist eine Stadt des zwanzigsten Jahrhunderts und eine Stadt von heute – genau darum geht es in diesem kompakten Architekturführer. Kompakt erscheint er von außen: Der dreiseitige Farbschnitt verleiht dem stattlichen Umfang in griffigem Format auch optisches Gewicht. Er hat dieselbe Farbe wie die Schmuckfläche des Kartonumschlages. Kein Betongrau, kein Wappenrot – sondern ein gräuliches Grün, ein Stück Köln sozusagen, denn es zitiert die für die Stadt so bedeutenden modernen Brückenbauwerke über den Rhein.

Im Inneren ringt die Gestaltung dem handlichen Format maximale Großzügigkeit ab. Üppige Wirkung entfaltet sich aus minimalistischer Stringenz heraus. Die Schrift ist auf einen einzigen Schriftschnitt beschränkt – den fetten einer sehr geometrischen Serifenlosen mit markanten Ziffern. Für die Differenzierung der Textsorten genügen drei Schriftgrade. Die grüngraue Schmuckfarbe dient der Schriftauszeichnung, Kapitelgliederung und den Übersichtsplänen. Die winzigen Grundrisse oder Schnitte gewinnen Prägnanz, indem sie negativ gestellt sind – sehr ungewöhnlich, aber absolut dienlich.

Linke Seite Text, rechte Seite ein großes Bild mit konstanter Breite, ohne gestalterische Tricks und exotische Innovationen – so selbstverständlich und selbsterklärend sind die Teile aufeinander bezogen, dass das Buch in letzter Konsequenz auf Seitenzahlen verzichtet. Das schwarze Lesebändchen ist auch ein Zeichen besonderer Würde – fast wie bei einem Gebetbuch. Auch das passt zu Köln.

Und vielleicht dringt sogar ein Schuss kölsch-patriotischer Zentrismus durch das originelle Zielscheiben-Ö der monumentalen Titelzeile.

 

…und die nächste Etappe

Der mit 10.000 Euro dotierte »Preis der Stiftung Buchkunst« wird am 8. September 2016 im Rahmen der großen Preisverleihung in Frankfurt am Main bekannt gegeben. Er wird von einer dritten Jury aus den 25 »Schönsten deutschen Büchern« ausgewählt.

Seit 1966 begleitet die Stiftung Buchkunst mit Sitz in Frankfurt am Main und Leipzig kritisch die deutsche Buchproduktion. Ziel ist, die Qualität des Buches in technischer und künstlerischer Hinsicht zu fördern. Die Hauptaufgabe der Stiftung ist der Wettbewerb »Schönste deutsche Bücher«. Mit ihren Wettbewerben will die Stiftung Buchkunst den Blick der Öffentlichkeit über den Inhalt hinaus auf buchgestalterische und buchherstellerische Spitzenleistungen lenken und damit dem Medium Buch und seiner Form zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen. Zur Teilnahme zugelassen sind Bücher aus deutschen Verlagen, sowie Bücher aus ausländischen Verlagen, sofern die technische Produktion ausschließlich in Deutschland erfolgte.

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Die 25 Schönsten der Kategorie „Ratgeber“ Foto: Copyright Uwe Dettmar, Frankfurt am Main