• Ich schreibe …
  • Ich rede …
  • Bücher
  • Ich bin …
  • Kontakt
  • Impressum
    • Datenschutzerklärung

winterhagerbuero

ich schreibe Architektur

„Köln, das ist dein Theater“

19. Oktober 2026 by Uta

Als der Bauzaun am Abend vor dem Eröffnungswochenende Ende September weggeräumt wurde, galt wie früher: Die ganze Stadt ist eingeladen. Das von Wilhelm Riphahn entworfene Ensemble aus Oper, Opernterrassen und Schauspielhaus, gefasst vom Großen und Kleinen Offenbachplatz hat den ihm eingeschriebenen bürgerlichen Stolz des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg nicht verloren. Nur ist die Lesart bei der Wiedereröffnung nach 14 Jahren eine andere, auch, weil nach einem Wettbewerb 2008 (JSWD) noch eine ganz andere Vision im Raum stand.

Nach wenig mehr als zwei Jahren Bauzeit wurde Riphahns Opernhaus 1957 eröffnet: Es zeigte sich lesbar durch die unmittelbare Übertragung der Funktionen in Formen. Es zeigte sich bürgerlich, verzichtete auf Schwellen und die Abbildung von Hierarchien. Es zeigte sich festlich in der Inszenierung von Räumen und Wegen, dem Spiel mit Licht, Farben und Materialien. Und dabei immer wieder überraschend, Kronleuchter aus Muranoglas treffen auf Glasbausteine und Isolierglas, Nagelfluh auf Spaltklinker und Sichtbeton. Gleiches gilt mit kleinen Abstrichen bei der Festlichkeit für das gesamte bis 1962 fertiggestellte Ensemble.

Oper und Offenbachplatz © U. Winterhager

.

Hinter den Kulissen

Als der Vorhang in der Kölner Oper im Juni 2012 zum letzten Mal fiel, schien alles noch überschaubar: HPP Architekten waren 2010 nach europaweiter Ausschreibung als ARGE mit theapro (München) + BRB Lindlar (Bonn) mit der denkmalgerechten Sanierung des Opernhauses und des Schauspielhauses, dem Umbau der Opernterrassen zu einem Kleinen Haus des Schauspiels und dem Neubau einer Kinderoper unter dem Kleinen Offenbachplatz beauftragt worden. Noch drei Jahre sollte die Maßnahme dauern, die Kosten waren auf 253 Millionen Euro gedeckelt. Es dauerte länger, es wurde teurer. Beides in einem Maße, das auch den Haushalt einer Millionenstadt stark belastet und das über die Stadtgrenzen hinaus dazu geführt hat, dass sich mit einem „aber in Köln …“ jede kommunalen Sanierungsdebatte beenden ließ. Inzwischen summieren sich die reinen Baukosten auf 798 Millionen Euro, die Finanzierung wird in den kommenden 40 Jahren einen Betrag in etwa gleicher Höhe verschlingen. So wurde in den vergangene Jahren meist nur der Zahlenhorror publiziert, der Denkmalwert, die Fortschreibung der Architektur und die Bedeutung der Häuser für die kulturelle Identität der Stadt, die sich schlecht numerisch erfassen lassen, drangen dagegen kaum noch durch den Bauzaun.

Steht man heute auf dem wiederhergestellten historischen Schmuckpflaster des Offenbachplatzes (Jürgen Hans Grümmer, 1966), sieht man fast das bauzeitliche Erscheinungsbild. Denn HPP (mit 72 Gewerken, 58 Unternehmen und 22 Planungsbüros) haben an den richtigen Stellen angesetzt, um die Qualitäten, die Peter Zumthor der Oper in seiner Laudatio im Rahmen des Projektes „Liebe deine Stadt“ (Merlin Bauer) zugeschrieben hatte – die Festlichkeit, die Intimität, den öffentlichen Raum – herauszuarbeiten und weiterzudenken. Von den 66.150 Quadratmeter BGF des gesamten Ensembles sind 16.900 Quadratmeter Neubau für die Kinderoper, das Kleine Haus, zwei Probebühnen, Kostümlager und Logistik, die unterirdisch und mit der Schließung der Rückseite Platz fanden. Die Gebäude sind energetisch ertüchtigt, die gesamte technische Infrastruktur wurde ersetzt, Brandschutz und Barrierefreiheit hergestellt. Die Bühnentechnik ist neu aufgebaut, die betrieblichen und künstlerischen Abläufe sind optimiert und akustische Schwächen in den Sälen wurden beseitigt.

Großer Saal, Oper © U. Winterhager

.

Neues Spiel

Die Architektur hat ihre Lesbarkeit zurückgewonnen, sämtliche Bauteile (von den Garderobenhaken bis zur Rabitzdecke) und Oberflächen (vom Schieferboden bis zum Nussbaumfurnier im Zuschauerraum der Oper), die in der Vergangenheit zwar wenig gepflegt, aber nicht zerstört waren, sind fachgerecht aufgearbeitet. Bei stratografischen Untersuchungen fanden die Restauratoren 131 Farbtöne, mit denen sie Riphahns fein nuanciertes Farbkonzept rekonstruieren konnten. Der Sichtbeton der hoch aufragenden schrägen Werkstatttürme wurde seit 1962 mit viel Weiß quasi weggestrichen. Nun darf er seine raue Oberfläche, in der auch die Sanierung Spuren hinterlassen hat, zeigen. Die Geländer vor den Balkonen tragen wieder ihr originales Rot.

Zwei neue Spielstätten ergänzen das Angebot von Oper (1300 Plätze, 14 Rollstuhlplätze) und Schauspiel (703 Plätze, 8 Rollstuhlplätze). Für die als Institution in Köln seit 1996 etablierte Kinderoper schufen HPP acht Meter unter dem Kleinen Offenbachplatz Raum für ein professionelles Bühnenerlebnis von 220 Kindern (4 Rollstühle). Der Weg über die Doppelhelixteppe hinab in den vergoldeten Saalkörper ist spielerisch inszeniert, die Atmosphäre im Rund der konzentrischen Bänke wohltuend vertraulich. Das Kleine Haus des Schauspiels, das den Platz der Opernterrassen eingenommen hat, bietet mit der Studiobühne einen flexibel konfigurierbaren Black-Box-Saal für Zeitgenössisches mit bis zu 220 Publikumsplätzen (Rollstühle flexibel). Der Große Offenbachplatz, erst Parkplatz, dann Schmuckplatz, lädt mit neuer kreisrunder Möblierung (Förder Landschaftsarchitekten und UKW Innenarchitekten) und restauriertem Mosaikbrunnen endlich zum Spielen und Bleiben. Die Gastronomie im Kleinen Haus und die Kantine in der Oper bespielen auch den dem Schauspiel vorgelagerten Platz, der seit 2025 den Namen des Kölner Schauspielers Dirk-Bach trägt.

Dirk-Bach-Platz © U. Winterhager
Foyer Oper © U. Winterhager
Garderobe Oper © U. Wintrhager

.

Bürgerlich, festlich, fertig

Oper und Schauspiel sollen spielen. In Köln waren sie nie als Ikonen geplant. Riphahn sagte bei der Eröffnung der Oper 1957 er habe „nichts anderes gewollt, als einen kraftvollen Bau in menschlichen Maßen, ohne falsche Repräsentation und im Geiste unserer Zeit zu erstellen“. Das hat er geschafft. Die Stadtgesellschaft hat für den Erhalt dieser Architektur und ihrer Haltung gestritten und HPP ist es gelungen, sie durch Sanierung und Erweiterung zu tragen. Mit der Eröffnung habe sich der „Angstschatten“ verzogen, der, so Remigiusz Otrzonek (HPP), lange über den Bühnen lag.

Viele sahen Köln mit diesem Großprojekt scheitern. Doch es ist sehr tröstlich, wenn der Besuch der Häuser wenige Tage vor der Wiedereröffnung zeigt, dass die kostspielige Sanierung nicht das Schaulaufen der Elite inszeniert, sondern das originär bürgerlich-demokratische Wesen der Bühnen Köln konsolidiert hat.

Dieser Beitrag erschien in ähnlicher Fassung am 18. September 2026 im BauNetz

Posted in: BauNetz Tagged: Architektur, Bühnen Köln, Denkmalschutz, Köln, Schauspiel Köln, Uta Winterhager, Wilhelm Riphahn

Neueste Beiträge

  • Wellenschlag
  • „Köln, das ist dein Theater“
  • Bonner Schwebebühnen
  • Der Infinity-Dorfplatz
  • Viola Epler: Kraftwerk Frimmersdorf
  • Besondere Räume
  • Von Frau zu Frau
  • Heimat und Museum in Remscheid
  • Ganz runde Sache
  • Nach der Flut ist vor der Flut
  • Title: The Great Diversity Expedition: A Journey Through the Forbidden Words
  • Mehr ist Mehr
  • Duisburger Rolle rückwärts
  • „Man kann nicht keine Meinung zum Wohnen haben“
  • Vom Verschwinden

Archiv

  • Oktober 2026
  • September 2026
  • April 2026
  • November 2025
  • Oktober 2025
  • Juni 2025
  • Mai 2025
  • März 2025
  • November 2024
  • Juni 2024
  • April 2024
  • Dezember 2023
  • Oktober 2023
  • Juli 2023
  • März 2023
  • Oktober 2022
  • Februar 2022
  • November 2021
  • September 2021
  • August 2021
  • Juni 2021
  • April 2021
  • September 2020
  • August 2020
  • Mai 2020
  • September 2019
  • Januar 2019
  • August 2018
  • Juni 2018
  • Mai 2018
  • Februar 2018
  • Januar 2018
  • Oktober 2017
  • Mai 2017
  • Dezember 2016
  • September 2016
  • Juni 2016
  • April 2016
  • Dezember 2015
  • Mai 2015
  • April 2015
  • Januar 2015
  • November 2014

Kategorien

  • Architekturführer KÖLN
  • BauNetz
  • Bauwelt
  • db deutsche bauzeitung
  • DBZ Deutsche Bauzeitschrift
  • Die Zeit
  • domus
  • koelnarchitektur.de
  • kultur.west
  • moderneREGIONAL
  • stadtaspekte
  • Übergeordnet
  • Weitere Magazine

Copyright © 2026 winterhagerbuero.

Omega WordPress Theme by ThemeHall